Calwer Passage in Stuttgart Filiale von Feinkost Böhm geschlossen, Nachfolger in den Startlöchern

Seit Anfang der Woche geschlossen: die Filiale von Feinkost Böhm bei der Calwer Passage Foto: Michael/Weier

Feinkost Böhm hat seine Filiale in der Calwer Passage aufgegeben – aber nicht abgegeben. Die Piëch Holding ist schließlich nicht nur Inhaber des Delikatessengeschäfts, sondern auch der Bauherr des Gebäudes. Im Mai übernimmt ein Untermieter.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Dass Delikatessen an dieser Stelle ein Ladenhüter sind, hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert: Feinkost Böhm leerte knapp ein Jahr nach der Eröffnung die Regale im Großteil des Geschäfts gegenüber der Calwer Passage. Das Bistro war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr in Betrieb. Zuletzt war nur noch die Theke neben dem Eingang mit Focaccias und Sandwiches befüllt. Am Montag ist dann das eingetreten, was Frank Beling im Dezember noch ausgeschlossen hatte. „Wir wollen auf keinen Fall schließen“, versicherte der Geschäftsführer der Piëch Holding damals angesichts des leeren Ladens. Dem Firmenkonglomerat von Ferdinand Piëch gehört schließlich nicht nur der Delikatessen-Handel, sein Unternehmen hat auch das begrünte Eckgebäude gebaut sowie die Calwer Passage saniert. Im Prinzip hält Frank Beling auch Wort, denn Böhm bleibt Mieter der Fläche, holt sich aber einen neuen Betreiber an Bord.

 

Mehr Kundenfrequenz und mehr Aufenthaltsqualität

Von Mai an soll es Antipasti, Pasta und Wein auf der 230 Quadratmeter großen Fläche an der Ecke Rotebühlplatz entlang der Theodor-Heuss-Straße geben. Eine italienische Tagesbar. Sowohl die Terrasse auf der Passagen-Seite als auch die Außenfläche an der Kreuzung werden bespielt. Geöffnet ist ganztägig bis in den Abend hinein. Mehr will Frank Beling aber nicht verraten, sondern die Vorstellung des Konzepts dem künftigen Betreiber überlassen. Erst am 20. März sind die Verträge unterzeichnet worden. Im April will sich der Nachfolger einrichten, jedoch nicht viel umbauen und die bestehende Einrichtung nutzen. Im Mai will er unter einem neuen Namen an den Start gehen. „Wir versprechen uns viel davon“, sagt der Holding-Geschäftsführer – vor allem mehr Kundenfrequenz und eine höhere Aufenthaltsqualität. „Es wird einen Mehrwert für den Platz geben“, ist er sich sicher.

Bei Böhm wurde lange überlegt, wie es weitergehen soll. Bereits im Dezember war von einem neuen Konzept die Rede. Der Feinkost-Händler betreibt am Hauptsitz in der Kronprinzenstraße schließlich mit einem Restaurant und einem Sushi-Lokal zwei Gastronomien. „Wir hätten es auch selbst machen können“, sagt Frank Beling. Aufgrund der anspannten Personalsituation in der Branche fiel die Entscheidung dagegen aus. Auf das Hauptgeschäft will sich Böhm jetzt konzentrieren. Der gescheiterte Versuch an der Calwer Passage hakt Frank Beling als Unternehmertum ab: „Man probiert viel aus, nicht alles funktioniert“, sagt er. Der klassische Böhm-Kunde kauft nicht auf die Schnelle ein, lautet die Erkenntnis. Wer auf Delikatessen Wert lege, lege auch auf ein großes Sortiment Wert. Diejenigen, die auf dem Weg zur S-Bahn in der Stadtmitte-Station sind, nehmen sich offenbar nicht ein Stück französischen Weichkäse auf den Heimweg mit.

Zum Start wenig Laufkundschaft in der Calwer Passage

„Unser Herz hängt an dem Standort“, betont Frank Beling: „Wir wollten nicht schließen und eine Brache entstehen lassen.“ Der Start der mit großen Erwartungen eröffneten Calwer Passage war insgesamt kein Selbstläufer. Einige Mieter klagten im vergangenen Herbst über mangelndes Center-Management, zu wenig Laufkundschaft und die ein oder andere zähe Baustelle. Im Sommer hatte die Piëch Holding das Gebäudeensemble an die Versicherungskammer verkauft, die einen neuen Verwalter für die Ladenzeile engagieren wollte. Eine Gastronomiefläche, in der die Inhaber vom Gardeners Nosh ein Deli eröffnet hatten, steht seit Monaten leer. Allerdings sind fast alle anderen Läden vermietet, und mit dem kommenden Frühling füllt sich die Passage.

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