Coronavirus-Quarantäne in Kirchheim Die Isolation belastet die China-Heimkehrer

Tag vier der Quarantäne im Kirchheimer Hotel. Die Rückkehrer sind symptomfrei, müssen die meiste Zeit aber in ihren Zimmern verbringen.

Kirchheim/Teck - Tag vier der insgesamt vierzehntägigen Coronavirus-Quarantäne im Ateck-Hotel. Noch sind viele Fragen offen, aber langsam wird klar, warum die China-Rückkehrer ausgerechnet in Kirchheim im Kreis Esslingen untergebracht sind. Weitere Hintergründe, Fragen und Antworten zur Quarantäne-Situation haben wir hier zusammengefasst:

Wie ist der Gesundheitszustand der 15 Heimkehrer?

Bis heute zeigen die Rückkehrer keine Auffälligkeiten. Sie sind fieber- und symptomfrei.

Warum sind die Personen in Quarantäne, wenn sie keine Symptome haben?

Laut dem DRK kann im Fall des Coronavirus eine Infektionsgefahr vorliegen, ohne dass die Person selbst Symptome wie etwa Fieber oder Durchfall zeigt. Jemand, der Kontakt zu einem Infizierten hatte, könnte also selbst Träger des Virus sein und es weitergeben. Wenn die Krankheit innerhalb der 14-tägigen Quarantänezeit nicht ausgebrochen ist und die Tests negativ bleiben, geht man davon aus, dass sich diese Menschen nicht infiziert haben.

Wer betreut die Personen in dem zur Quarantänestation umgebauten Flügel des Ateck-Hotels in Kirchheim?

Die Betreuung erfolgt durch das Deutsche Rote Kreuz in Abstimmung mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg sowie dem Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen. Medizinisches Personal wie auch speziell in psychosozialer Betreuung ausgebildete Kräfte, die etwa bei schweren Unfällen zum Einsatz kommen, sind vor Ort. Auch rund zehn Mitglieder der Württembergischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz sind im Einsatz. Die Helfer sind selbst nicht in Quarantäne, sondern arbeiten in einem Schichtsystem.

Wie muss man sich den Alltag in der Isolation vorstellen?

Die Personen, darunter fünf Kinder, sind in gewöhnlichen Hotelzimmern untergebracht. Für Familien gibt es laut DRK größere Zimmer. Die meiste Zeit verbringen die Menschen isoliert in ihren Zimmern. Laut DRK haben sie Internet, Telefonanschlüsse und Fernsehen. Es gibt die Möglichkeit, in einem abgeschirmten Bereich an die frische Luft zu gelangen. Allerdings dürfen sie sich, bis auf die Familien, untereinander nicht vermischen, weil eine Kreuzkontamination ausgeschlossen werden soll. Das bedeutet, dass die Betroffenen nur auf telefonische Absprache hin von einer DRK-Begleitperson ins Freie gebracht werden, damit die Situation kon­trolliert werden kann.

Was müssen die Helfer beachten?

Alle Einsatzkräfte tragen einen Schutzanzug, Atem- und Gesichtsschutz, Hygiene mit Desinfektionsspray und Händewaschen sei selbstverständlich. Das Essen wird in einer Art Schleusenübergabe vor der Türe des Zimmers abgestellt, sodass kein direkter Kontakt besteht.

Welche Erfahrungen aus den bisherigen Quarantänen in Germersheim und in Berlin-Köpenick bringt das DRK mit nach Kirchheim?

Aus Angst vor einer Infektion haben sich laut dem DRK Betroffene teilweise schon vor der Ausreise aus China selbst mehr als zwei Wochen lang isoliert. Die Situation sei für die Menschen sehr belastend. Die Hauptaufgabe der Betreuer ist es, nun rund um die Uhr für die Betroffenen da zu sein. Besonders wichtig seien die persönlichen Gespräche sowie der Kontakt zu den eigenen Familien per Chat oder Telefon.

Was unterscheidet die Unterkünfte?

In Germersheim waren 120 Personen nicht isoliert zusammen mit Helfern in Quarantäne untergebracht. In Berlin wurden 15 Menschen isoliert untergebracht wie in Kirchheim, wo das DRK die Infektion nach 14 Tagen ausschließen kann. Die Unterbringung in einem Krankenhaus kommt nicht infrage: Schließlich sind die Menschen nicht krank.

Warum ist die Wahl des Standorts der Station auf Kirchheim gefallen?

Für Rückkehrer ist generell das Auswärtige Amt zuständig. Die Botschaft in Peking vermittelte den deutschen Rückkehrwilligen Plätze in der Maschine der französischen Luftwaffe, die Heimkehrer nach Paris fliegen sollte. In Paris wurden die deutschen Staatsbürger von der deutschen Luftwaffe übernommen und nach Stuttgart geflogen. Das Gesundheitsministerium hat das DRK gebeten, nach einem geeigneten Standort für eine Quarantänestation zu suchen. Die Wahl fiel zunächst auf das neben dem DRK-Logistikzentrum Hohen Reisach in Kirchheim (Kreis Esslingen) liegende Jugendrotkreuzhaus. Doch weil dieses zu klein gewesen wäre, um 15 Gäste aufzunehmen, begann die Suche nach einer Alternative. Schließlich erklärten sich die Besitzer des Ateck-Hotels bereit, den Seitenflügel des Hotels für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Warum wird nun auch das Jugendrotkreuzhaus als möglicher Quarantänestandort vorbereitet?

Das sei, so beteuert das DRK, eine reine Vorsichtsmaßnahme. Aktuell gebe es keine Hinweise darauf, dass weitere China-Rückkehrer betreut werden müssten. Das Jugendrotkreuzhaus sei ein reiner Reservestandort.

Coronavirus national und international

Fälle in Deutschland:
Laut dem Bundesgesundheitsministerium sind bisher (Stand 23. Februar) 16 laborbestätigte Fälle von Covid-19, wie das Coronavirus auch genannt wird, bekannt. Die meisten Personen seien wieder gesund beziehungsweise auf dem Weg der Besserung.

Weltweite Lage:
Laut offiziellen Angaben wurden bisher 78 823 Fälle gemeldet, davon sind 2462 Menschen verstorben. Viele Länder seien betroffen, der Schwerpunkt liege weiterhin in China.

Weitere Infos bietet das Gesundheitsministerium hier.

In unserem Newsblog zum Coronavirus versammeln wir aktuelle Informationen und Entwicklungen rund um dieses Thema.