Sachkundig, sympathisch, immer in Bewegung: Eric Gauthier führt in der SWR-Doku-Serie „Dance Around the World“ an Tanz-Hotspots. Jetzt gibt es zwei neue Folgen.

Kultur: Andrea Kachelrieß (ak)

Er hat es wieder getan: die schwarze Lederjacke aus dem Schrank geholt und sich mit neugierigem Blick und coolen Moves in den Beinen in die Welt des Tanzes aufgemacht. „Dance Around the World“ heißt die vom SWR produzierte Fernseh-Doku-Reihe, in der Eric Gauthier durch die Tanzwelt reist, um mit wechselnden Gesprächspartnern neue Orte, Stile und Ideen zu erkunden.

Nach dem Auftakt in Tel Aviv geht es nach der coronabedingten Zwangspause nun weiter zu neuen Stationen: St. Petersburg ist die zweite Folge gewidmet, die dritte führt quer durch die Niederlande. „Weil dort die für den Tanz wichtigen Zentren eng beieinanderliegen, machen wir zum ersten Mal ein ganzes Land zum Thema“, sagt der Stuttgarter Tanzvermittler und freut sich darüber, dass die dritte Folge an diesem Sonntag sogar in der ARD ausgestrahlt wird. „Wir erreichen so ein noch größeres Publikum, dafür bin ich total dankbar. Überhaupt geht ein Traum für mich in Erfüllung: Ich will neugierig machen, Berührungsängste abbauen und die Menschen vielleicht sogar in ein Theater locken.“

Viele Gesprächspartner haben Russland inzwischen verlassen

Als das SWR-Team um Regisseur Andreas Ammer und Eric Gauthier im Herbst 2021 in Russland drehte, war vom drohenden Krieg nichts zu spüren. „Doch viele Künstler, die im Film zu Wort kommen, haben inzwischen aus Protest gegen den russischen Angriff auf die Ukraine das Land verlassen“, sagt Gauthier und zählt auf: „Laurent Hilaire etwa, der damals das Ballett am Stanislawski-Theater leitete und nun Ballettdirektor in München ist, oder Xander Parish, mit dem ich im Film mein Solo ,Ballet 101‘ einstudiere.“ Der Brite war der erste ausländische Solist am Mariinsky-Ballett, dann ging er als einer der ersten zurück in den Westen, wie Gauthier im Film aus dem Off erklärt.

Besonders beeindruckt hat ihn in St. Petersburg der Besuch der Waganowa-Akademie. „Das ist eine Ballettschule, wie wir sie im Westen nicht kennen. Die Kinder dort machen schon als Zehnjährige die unglaublichsten Sachen und werden gedrillt wie Maschinen“, beschreibt Eric Gauthier. Die Angst und der psychische Druck, die an dieser Schule herrschen, hätten ihn schockiert und sind auch im Film spürbar. „Eindrücklich war aber auch unser Besuch bei Boris Eifman, der mit einer sehr emotionalen Bühnenprobe einen besonderen Moment schuf“, erzählt Gauthier über das Treffen mit dem russischen Kollegen.

Lernen von den Niederlanden

Tolle Tanzbegegnungen zeigt „Dance Around the World“ auch in den Niederlanden. Mit dem inzwischen 90-jährigen Altmeister Hans van Manen etwa. „Er hatte einem Interview nur zugestimmt, wenn ich ihn zu Hause besuche und ein Glas Wein mit ihm trinke“, berichtet Eric Gauthier, der noch einen alten Stuttgarter Bekannten für die Doku traf: „Zum Gespräch mit Jirí Kylián waren wir am Strand von Scheveningen, es wurde eine sehr philosophische Unterhaltung nicht nur über den Tanz, sondern vor allem über das Leben.“

Dance Around the World. ARD, an diesem Sonntag, 7. August, um 23.35 Uhr, alle drei Folgen sind dann vom 8. August an in der ARD-Mediathek abrufbar.

Hier tanzen Eric Gauthier und die Welt

Künstler
Der Franko-Kanadier Eric Gauthier kam 1997 zum Stuttgarter Ballett. 2007 übernahm er die Leitung der neu am Theaterhaus gegründeten Kompanie Gauthier Dance. Mit Gauthier Mobil und einer Junior-Kompanie sucht er zudem ein Tanzpublikum jenseits der Bühne.

Serie
„Dance Around the World“ entsteht als SWR-Produktion in der Regie von Andreas Ammer, die erste Folge „Tel Aviv“ wurde 2020 ausgestrahlt. Der dritte Teil „Niederlande“ ist an diesem Sonntag um 23.35 Uhr in der ARD zu sehen. Die zweite Folge „St. Petersburg“ gibt es nur in der ARD-Mediathek. Dort sind vom 8. August an alle drei Folgen verfügbar. Mit London, Kuba und Montreal sind bereits die nächsten Stationen in Planung.