Das Konzert der Parcels im Stuttgarter LKA Hipstersound oder Discofunk?

Von Christof Hammer 

Die australische Band Parcels deutet im LKA ihr Potenzial an. Aber sie kann sich noch nicht entscheiden, ob sie ironische Szeneklänge oder erstklassige Tanzmusik bieten soll.

Die Parcels – hier Jules Crommelin und Patrick Hetherington (v. li.) – sind nicht zu langen Konzerten zu bewegen. Foto: Oliver Willikonsky / Lichtgut 14 Bilder
Die Parcels – hier Jules Crommelin und Patrick Hetherington (v. li.) – sind nicht zu langen Konzerten zu bewegen. Foto: Oliver Willikonsky / Lichtgut

Stuttgart - Eifriges Gewusel vorm LKA: Es herrscht mal wieder Hipsteralarm im Wangener Industriegebiet. Glaubt man der Gerüchteküche, gibt es an diesem Mittwochabend mit den Parcels das nächste große Ding der Musikszene zu besichtigen. Und das Quintett von der australischen Ostküste lebt gut von diesem Ruf. Satte eintausendreihundert Besucher sind gekommen, um sich von den Qualitäten der vom Pariser Kultlabel Kitsuné aufgegabelten Band zu überzeugen. Sie erleben einen reichlich mageren Auftritt.

Erst gegen 21:45 Uhr betreten die Parcels die Bühne, gegen 23 Uhr ist bereits wieder Schluss, eine Zugabe wird, obwohl vom Saal sehnlichst erbeten, nicht spendiert. Die Besucher verabschieden die seit 2015 in Berlin lebenden Australier dennoch ohne Murren – man hat zwar ein kurzes, aber tendenziell durchaus kurzweiliges Konzert erlebt. Cheesy, crispy, smooth und leicht freakig bewegt sich dieser Auftritt zwischen den 70er-Jahren und der Gegenwart, wirkt allerdings auch etwas gewollt unprätentiös und nerdig.

Alles ist erlaubt

Lässig kontrastieren auf optischer Ebene verwaschene T-Shirts und Hawaii-Hemden in XXL-Größe mit einem edlem Sommeranzug, und die Scheinwerfer funzeln außer in grellen Neontönen auch in kitschigen Pastellfarben. Nicht minder am „Anything goes“-Prinzip orientiert wirkt die musikalische Gangart zwischen indietronischen Soundimprovisationen, leicht verpeilter Psychedelik und satten Dancefloor-Klängen: mehrstimmiger Falsettgesang, fusionartige Orgel- und E-Piano-Sounds und halbfertig wirkende Kompositionen hier, schlanke Nile-Rodgers-Gitarren, schwerer Bernard-Edwards-Gedächtnisbass und House-nahe Elektrosounds Marke Daft Punk dort.

Wo dieses Pendeln zwischen feinstem Discofunk wie „Tieduprightnow“ und „Overnight“ und dem ironischen Spiel mit braven Beach-Boys- und Bee-Gees-Klischees in Zukunft wohl hinführen wird? Anything goes: Entweder bleiben die Parcels in ihrem selbstgezimmerten Szenestatus stecken. Oder der nächste Auftritt dieser Band findet in einer doppelt so großen Location zu drei Mal so teuren Eintrittspreisen statt.