Das Rezept der Woche Rhabarber, der süß-säuerliche Frühlingsbote

Der Rhabarber versinkt in der Pistazienmasse. Foto: Kathrin /Haasis
Der Rhabarber versinkt in der Pistazienmasse. Foto: Kathrin /Haasis

Während die Spargelzeit eine immer längere Zeitspanne umfasst, Erdbeeren sowieso ganzjährig zu haben sind, ist frischen Rhabarber tatsächlich ein kurzes Vergnügen. Ihn gibt es nur für wenige Wochen im Jahr. Was schade ist, denn Rhabarber macht sich bestens in einer Tarte.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Stuttgart - Mein Schwiegervater hat in seinem Garten Rhabarber angepflanzt – aus nur einem einzigen Grund: Er wollte zu seinem Geburtstag am 6. Mai immer einen Rhabarberkuchen. Eigentlich machte er sich wenig aus diesem Gemüse, das wie Obst daherkommt. Und wenn ihm irgendjemand verraten hätte, dass es ursprünglich aus China stammt und als Medizin eingesetzt wurde, hätte er die Pflanze vermutlich wieder herausgerissen. Sie steckt voller Mineralstoffe wie Kalium und Calcium und ist reich an Vitamin C. Nur die Säure macht manchen Menschen zu schaffen. Sie nimmt mit dem Fortschreiten der Erntezeit zu, bis die Stangen am Ende ungenießbar sind, jetzt im Frühling ist er allerdings perfekt.

Dem Schwiegervater schmeckte nur schwäbisches Essen und eher nichts ganz so Gesundes. Aber der Rhabarberkuchen ist ja längst eine klassische Hausmannskost und Tradition hierzulande. Der Reiz an dem Gemüse ist nicht nur der süß-säuerliche Geschmack, sondern dass es auch eine der wenigen ist, die es tatsächlich nur für einen kurzen Zeitraum zu kaufen gibt. Während der Spargel immer länger zu erhalten ist und Erdbeeren eigentlich das ganz Jahr zu haben sind. Nur von Ende April bis Ende Juni sprießt der Rhabarber in Schwiegervaters Garten. Dieses Jahr konnte er ihn leider nicht mehr ernten. Kurz vor seinem 88. Geburtstag ist er friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.

Ihm zu Ehren gibt es an dieser Stelle nun eine modernisierte Version seines Festtagkuchens. Die Streusel darauf sind der gemeinsame Nenner, ansonsten gibt es statt Hefe- einen Mürbeteig und als Füllung eine Pistazien-Vanille-Creme.

Die Zutaten für eine Tarte

Für den Mürbeteig:

300 g Mehl

(entweder 405 oder

550er-Mehl)

150 g Butter

75 g Puderzucker

Vanillezucker 

Für den Belag:

400 g Rhabarber

250 ml Milch,

50 g grüne Pistazien

(nicht geröstet und gesalzen)

20 g Speisestärke

(wer mag, kann auch Puddingpulver verwenden)

60 g Zucker

eine Vanilleschote

Die Zubereitung

Das Mehl mit dem Puderzucker vermischen, kalte Butterflocken zugeben und ein Eigelb. Daraus mithilfe von kaltem Wasser einen Teig kneten. Den Teig in Frischhaltefolie eingewickelt eine Stunde lang in den Kühlschrank legen.

Rhabarber schälen. Die Tarteform buttern und mit Mehl bestäuben. Den Teig etwas größer ausrollen, denn aus dem Rest werden die Streusel gemacht. Überstehenden Teig abschneiden. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Vanilleschote auskratzen. Für die Creme Milch mit Pistazien, Zucker, Vanille und Stärke mit einem Zauberstab so lange mixen, bis die Pistazien fein gemahlen sind. Die Mischung in einen Topf geben und unter ständigem Rühren so lange erwärmen, bis sie anfängt, sich in Pudding zu verwandeln. Die Pistaziencreme gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Den Rhabarber in die Creme legen. Was gut aussieht, sollte die Creme nicht (wie bei mir) beim Backen über die Stangen steigen und sie bedecken: Die Stangen horizontal über den gesamten Durchmesser der Tarte in die Form legen. Zum Schluss aus dem Teigrest und einer Packung Vanillezucker Streusel formen und über den Kuchen verteilen. Tarte etwa 40 Minuten backen.

Der Kochtipp

Rhabarber muss nicht unbedingt geschält werden. Wenn er jung und frisch und die Stangen hart sind und glänzen, kann die Schale dran bleiben. Das sorgt für hübsche farbliche Akzente.

Der Weintipp

Weinliebhaberin
Kathrin Haasis findet: Kaffee schmeckt zum Kuchen einfach am besten, etwa von der Stuttgarter Rösterei Mókuska die vollmundige Mischung Kuntu (ein Kilo für 34 Euro).




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