Debatte um Gastronomie in Stuttgart Wie geht es auf dem Marktplatz weiter?

So leer soll es auf dem Marktplatz bald nicht mehr sein: Die Stadt wünscht sich eine mobile Gastronomie auf der Mitte des Platzes. Foto: Achim Zweygarth
So leer soll es auf dem Marktplatz bald nicht mehr sein: Die Stadt wünscht sich eine mobile Gastronomie auf der Mitte des Platzes. Foto: Achim Zweygarth

Die Stadt wünscht sich eine mobile Gastronomie auf dem Marktplatz. Die Betreiber des Scholz sind angesichts der Pläne verschnupft, die Ratskeller-Macher an der Bewirtung der Fläche dagegen interessiert.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Stuttgart - Die Diskussion um einen Nachfolger für das Café Scholz auf dem Stuttgarter Marktplatz geht in die nächste Runde. Nachdem Werner Wölfle, Bürgermeister für Krankenhäuser und Verwaltung (Grüne) der Stuttgarter Zeitung am Freitag exklusiv verraten hatte, dass man intensiv an einer neuen gastronomischen Nutzung des Marktplatzes feile, melden sich jetzt die ersten Gastronomen zu Wort. Hintergrund: Wölfle und OB Fritz Kuhn (Grüne) wünschen sich nach dem Ende des Café Scholz eine mobile Gastronomie mitten auf dem Marktplatz, um den Platz nachhaltig zu beleben.

„Für uns ist das wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt Stephanie Benzing, die gemeinsam mit Gregor Scholz das Café Scholz am Marktplatz betrieben hatte. „2005 haben wir den Marktplatz bereits mit einer mobilen Gastronomie bespielt. Nach einer Saison hat man uns die Konzession dann aber wieder weggenommen mit der Begründung, unser Mobil sehe von oben vom Rathaus betrachtet schrecklich aus“, ergänzt Gregor Scholz.

Café Scholz hatte 2005 mobile Gastronomie auf dem Marktplatz

Scholz sei sehr gespannt, wie die nun von Werner Wölfle ins Spiel gebrachte mobile Gastronomie aussehen könne. „Ein so schönes Gastronomie-Mobil wie unseres habe ich anschließend nie mehr gesehen. Wir hatten damals 50 000 Euro in das Mobil investiert und mussten es anschließend mit großem Verlust wieder verkaufen“, so Scholz weiter. Das Scholz-Team selbst werde sich um ein neues Gastronomie-Konzept vor dem Rathaus nicht bewerben. „Das Kapitel Marktplatz ist für uns definitiv abgeschlossen“, sagt Gregor Scholz. Stephanie Benzing begrüße es aber, dass nun endlich die Diskussion geführt werde, wem der öffentliche Raum in Stuttgart gehöre. „Auf den Ämtern herrscht manchmal ein Stimmung wie im Krieg, als ob die Gastronomen nur Schlechtes im Sinn hätten“, so Benzing.

Auch im Stuttgarter Ratskeller hat man die Debatte um eine mögliche neue Gastronomie auf dem Marktplatz natürlich registriert. „Auf uns ist zwar noch keiner zugekommen, wir sind aber zu allen Schandtaten bereit“, sagt Birgit Grupp, Geschäftsführerin des Ratskellers. „Den Aufwand einer solchen mobilen Terrasse darf man aber nicht unterschätzen. Außerdem hätten wir dann einen höheren Personalaufwand und damit höhere Kosten. Vielleicht hat die Stadt ja Lust, uns da finanziell zu unterstützen“, so Grupp weiter. Logistisch sei die Bewirtung einer Außenfläche von der Terrassen-Bar des Ratskellers aber durchaus denkbar. „Machbar ist alles“, sagt Birgit Grupp.

Ratskeller würde den Marktplatz gerne bewirten

Bisher hatten der Ratskeller und sein Stadtbesen immer einen Standortnachteil gegenüber dem Café Scholz: „Wir befinden uns auf der Schattenseite des Marktplatzes. Die Leute wollen aber gerade zu Beginn der warmen Jahreszeit in die Sonne“, sagt Grupp, die am Karsamstag die Terrassensaison am Rathaus eröffnen möchte, „wenn das Wetter mitspielt“.

Sowohl Birgit Grupp als auch Andreas Scharf, der Sprecher der Stadt Stuttgart, sehen noch ein weiteres Problem, das es vor der gastronomischen Aufwertung des Marktplatzes zu lösen gilt: Dreimal pro Woche findet vor dem Rathaus der Wochenmarkt statt. „Jetzt gilt es eben, die Frage zu klären, was da wirklich gastronomisch geht und wer es schlussendlich machen kann“, so Andreas Scharf. „Dem Oberbürgermeister liegt es aber wirklich am Herzen, dass da etwas passiert. Er will für den Marktplatz etwas tun.“ Die nächste Runde der Debatte um die gastronomische Aufwertung des Marktplatzes dürfte hiermit eröffnet sein.




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