Demonstration gegen AfD in Ludwigsburg Björn Höcke mobilisiert 150 linke Gegner

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Eine lautstarke Demonstration vor dem Hotel Krauthof, eine abgeschottete AfD-Veranstaltung, ein großes Polizeiaufgebot, zwei Festnahmen: Bericht über einen kalten Sonntag mit viel politischem Zündstoff.

Linke Demonstranten haben sich vor  dem Hotel-Restaurant Krauthof versammelt. Foto: factum/Weise 19 Bilder
Linke Demonstranten haben sich vor dem Hotel-Restaurant Krauthof versammelt. Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Es ist bitterkalt an diesem Morgen, das Thermometer steht knapp über Null. Vor dem Hotel Krauthof im Stadtteil Hoheneck dröhnt Punkmusik, bis 10.30 Uhr haben sich 150 linke Demonstranten auf der Beihinger Straße eingefunden. „Hoch die internationale Solidarität“, skandiert eine Aktivistin durch das Megafon. Sobald ein AfD-Anhänger auftaucht, wird er ausgebuht oder auch mal schnell als „rechtes Arschloch“ tituliert.

Wenige Meter weiter am Hotel herrscht eine ruhige, aber geschäftige Atmosphäre. Nichts zeugt vom lautstarken Straßenprotest. Vor dem Haupteingang des Hotels Krauthof stehen Anzugträger mit AfD-Anstecknadeln und rauchen. Am Hotelempfang sind die unterschiedlichen Veranstaltungen des Tages in den diversen Seminarräumen auf einem Monitor angezeigt. Beim Kellersaal 500/600 bleibt das Feld leer.

Dort aber tagen Mitglieder der AfD, die sich zum rechten Flügel der Partei zählen. Heliumgefüllte Luftballons in den AfD-Farben Rot-Blau-Gelb-Schwarz hängen an der Decke. „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“, heißt es auf einem Transparent. Ein Zettel wird ausgeteilt. Wer sich für den Freundeskreis des Erfurter Flügels interessiert, kann sich für einen Newsletter registrieren lassen.

Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke ist als Höhepunkt der Veranstaltung angekündigt, er soll den rechten Flügel der AfD auch in Baden-Württemberg etablieren. Organisiert hat all dies Anja Markmann, AfD-Landesvorstandsmitglied aus Heidelberg. Die sagt nicht viel: „Wir wollen hier keine Presse.“ Als ein Parteigenosse trotzdem mit Journalisten reden will, wird sie bestimmt: „Du hältst jetzt mal die Klappe.“ Dann verweist sie die Presse des Saals.

AfD: Presse und Öffentlichkeit sind nicht erwünscht

Zwischen diesen beiden Szenen, der lautstarken Straßendemo und dem klandestinen Treffen im Keller, stehen die Ordnungshüter. „Wir sind mit gut 40 Mann im Einsatz“, sagt ein Polizeisprecher. Darunter sind 26 Bereitschaftspolizisten mit Schienbeinschonern, Helmen und Schlagwaffen. Sie trennen rechte und linke Aktivisten und werden dafür von beiden Seiten angegangen. „Faschisten, Polizisten“, skandieren linke Demonstranten, als die Beamten sich mit den Veranstaltern unterhalten. Umgekehrt provozieren einige AfD-Anhänger die Linken.

Trotz der angespannten Atmosphäre kommt es nur zu wenigen Zwischenfällen. Am frühen Morgen geraten ein rechter und ein linker Jugendlicher aneinander, es gibt Verhaftungen. Bei der Demonstration kommt es zu Rangeleien, als AfD-Politiker wie der Stuttgarter Stadtrat Eberhard Brett durch die Menge zum Krauthof wollen. Die Polizei ist mit Anti-Konflikt-Teams vor Ort, nur bei Brett müssen die Bereitschaftspolizisten eingreifen, als dieser gerempelt und geschubst wird. In einer Rede kritisiert Oliver Kube, der Gemeinderat der linken Gruppe Ökolinx, den Krauthof-Inhaber Peter Kraut: „Sie rollen den braunen Teppich aus.“ Man werde ihn erst in Ruhe lassen, wenn er keine rechten Gruppen mehr einlade. Kube sagt, dass bei Veranstaltungen der „Reichsbürger“ im Krauthof Reichskriegsflaggen gezeigt worden seien, in einem Auto habe eine verbotene Handschlagwaffe gelegen. Kraut selbst ist am Sonntag nicht zu erreichen.

Und wo bleibt Björn Höcke? Für die Öffentlichkeit ist er unsichtbar. Entweder war er schon früh im Hotel oder kommt später auf Umwegen. Nach Angaben eines Mitarbeiters rief Höcke die AfD-Landesverbände dazu auf, bei der Aufstellung der Listen für die Bundestagswahl sorgsam vorzugehen. Es sollten die zum Zuge kommen, die gewisse Werte verträten, eine gute Ausbildung und möglicherweise selbst Familie hätten. An dem Treffen nahmen nach AfD-Angaben rund 150 Menschen teil.