Depressionen in BW – die Fakten Wo jeder Siebte depressiv ist
Kaum eine Erkrankung legte in den vergangenen Jahren so stark zu wie Depressionen. Aber es sind nicht alle in Baden-Württemberg gleichermaßen betroffen, wie Daten der AOK erstmals zeigen.
Kaum eine Erkrankung legte in den vergangenen Jahren so stark zu wie Depressionen. Aber es sind nicht alle in Baden-Württemberg gleichermaßen betroffen, wie Daten der AOK erstmals zeigen.
Einer von acht Menschen in Baden-Württemberg leidet an Depressionen. In diesem Text geht es um die Fakten zu Depressionen im Land, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas“ aus.
Bei Frauen werden Depressionen deutlich häufiger diagnostiziert als bei Männern. Das entspricht internationalen Vergleichsdaten.„Frauen nehmen ihre Beschwerden eher wahr und suchen Hilfe. Dazu kommen hormonelle Einflüsse und soziale Belastungen", sagt die Psychiaterin Alexandra Isaksson von der AOK Baden-Württemberg: Alleinerziehende oder Frauen mit einem fehlenden sozialen Netz hätten ein höheres Risiko für Depressionen. Es könne aber auch sein, dass Depressionen bei Frauen eher diagnostiziert werden, "weil die Beschwerden bei Frauen eher dem als prototypisch geltenden Krankheitsbild einer Depression entsprechen", so die Psychiaterin.
Auch das Krankheitsspektrum unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern. „Männer leiden beispielsweise häufiger an Alkoholabhängigkeit", sagt Isaksson. Außerdem spielt das Alter eine Rolle. Dennoch ist unter jungen Frauen jede zehnte depressiv, bei den Über-80-Jährigen gar jede vierte. Die Tabelle zeigt die Verteilung nach Altersgruppen und Geschlechtern:
Verglichen mit 2012 ist der Anteil der Menschen mit Depressionen in Baden-Württemberg insgesamt deutlich gestiegen, von 9,4 auf 11,6 Prozent. Besonders stark fiel der Anstieg bei Seniorinnen (19,5 auf 25,5 Prozent), Senioren (9,9 auf 15,5 Prozent) sowie Männern zwischen 45 und 65 Jahren (9,3 auf 13,1 Prozent) aus. Die Zunahme bei den Depressions-Diagnosen wird somit von jenen getrieben, die körperlich oft noch fit sind.
Interessant: in Umfragen geben nicht mehr Menschen als früher an, depressiv zu sein. „Das spricht für eine höhere Inanspruchnahme von Hilfsangeboten und für eine zunehmende Enttaubisierung", sagt die Psychiaterin Alexandra Isaksson von der AOK Baden-Württemberg. Bei schweren Erkrankungen wie Schizophrenie oder Süchten sei das noch nicht so. „Es gibt also gesellschaftlich noch viel zu tun, um psychische Erkrankungen zu entstigmaisieren", erklärt Isaksson.
Wie verteilen sich Depressionen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.
Vor allem im Norden von Baden-Württemberg werden überdurchschnittlich oft Depressionen diagnostiziert, dazu im Zollernalbkreis sowie in Ulm, in Oberschwaben und Südbaden deutlich seltener. Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:
Am häufigsten sind Hochbetagte über 80 Jahren von Depressionen betroffen. Die Verteilung ist hier weniger eindeutig als in der Karte oben – die Erkrankungen verteilen sich relativ gleichmäßig übers Land, jedoch weiterhin mit gewissen Schwerpunkten im nördlichen Landesteil sowie zwischen Alb und Schwarzwald.
Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei älteren Erwachsenen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:
Unter anderem im Nordosten der Region werden Depressionen häufiger diagnostiziert als im Landesschnitt. Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden darüber. Am höchsten ist er in Deggingen (Kreis Göppingen) mit 23,4 Prozent, am niedrigsten in Erkenbrechtsweiler mit 7 Prozent.
Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose Depressionen zu sehen:
Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.
Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.
Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.
Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.