Der Fall Sami A Schlimmer als in der Bundesliga

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Im Sport gehört es inzwischen zur Tagesordnung, es bei wichtigen Entscheidungen mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Im Umgang mit der Justiz darf das nie Schule machen, kommentiert Christian Gottschalk.

Das Gericht hat entschieden – Sami A. muss wieder zurück. Foto: dpa
Das Gericht hat entschieden – Sami A. muss wieder zurück. Foto: dpa

Stuttgart - Die Stadt Bochum möchte Sami A. nicht als Neubürger begrüßen. Das ist verständlich. Sami A. war vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland zum Studium gekommen, zu den vorbildlich integrierten Ausländern ist er ganz sicher nicht zu zählen. Der Vorwurf des Islamismus steht im Raum, der Wunsch, den vermeintlichen Ex-Leibwächter von Osama bin Laden loszuwerden, ist absolut nachvollziehbar. Gleichwohl ist es ein Armutszeugnis, dass die Präsidentin des Nordrhein-Westfälischen Oberverwaltungsgerichts dazu genötigt fühlt, der Öffentlichkeit und den Behörden per Interview die Grundzüge der Gewaltenteilung zu erklären, verbunden mit dem Hinweis, dass die Behörden das Gericht ausgetrickst, ja fast schon betrogen haben.

Fast so schlimm wie im Fußball

Wenn Fußballer in der Bundesliga den Verein wechseln wollen oder Trainer vor der Entlassung stehen, dann ist es zur Regel geworden, dass diese Absichten noch unmittelbar vor der finalen Unterschrift verschleiert oder dementiert werden. Dieser Taktik haben sich die Behörden in NRW bedient und vor den Gerichten vermeintliche Bauernschläue walten lassen. Das ist eine Unverschämtheit, die keinesfalls Schule machen sollte. Dass sich die Justiz nun hartnäckig zeigt um die Behörden in ihre Schranken zu verweisen, ist richtig. Auch wenn so die Verpflichtung besteht einen Mann zurückzuholen, den zu Recht niemand mehr hier haben will.