Der Schwäbisch-Fränkische Wald Der Naturpark ist ein Erfolgsmodell

Rems-Murr: Martin Tschepe (art)
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Die Kritik ist längst verstummt. Seit der Gründung des Naturparks 1979 haben das Land, die Lotterie Glücksspirale und die Europäische Union neun Millionen Euro in den Landstrich gepumpt. Der Geschäftsführer des Naturparkvereins, Bernhard Drixler, sagt: „Die Zuschüsse haben Gesamtinvestitionen von 16 bis 20 Millionen Euro angestoßen.“ Jahr für Jahr würden rund zwei Dutzend Projekte unterstützt – wie das Kräuterzentrum bei Trauzenbach und das Waldcamp an der Wieslauf.

Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist zum Erfolgsmodell geworden, mehrfach im Land kopiert – und jetzt deutlich größer als beim Start. Mit dem Beginn des neuen Jahres ist die Fläche um gut ein Drittel gewachsen. Nach der Erweiterung gehören nun 48 Städte und Gemeinden dazu. Elf Kommunen sind neu dabei, unter anderem Berglen, Allmersbach im Tal, Gaildorf und Abtsgmünd. Die Fläche umfasst nun 1270 Quadratkilometer statt bis dato 916. Die Bürgermeister sowie die Stadt- und Gemeinderäte, aber auch manche lokale Unternehmer erhoffen sich weitere Impulse für den Tourismus.

Ein Steigerungspotenzial ist in diesem Wirtschaftszweig zweifellos vorhanden. Denn noch ist der Schwäbisch-Fränkische Wald selbst für viele Stuttgarter Terra incognita, unbekanntes Land. Zum Tag des Schwäbischen Walds im September kommen zwar immer viele Tausend Gäste, doch meistens könnten die lokalen Tourismusanbieter mehr Kundschaft vertragen. Die dünn besetzte Naturpark-Geschäftsstelle muss wohl noch einige Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit leisten, bevor das idyllische Stückchen Baden-Württemberg von den Massen gestürmt wird. Bis dahin ist der Schwäbisch-Fränkische Wald freilich für all jene umso attraktiver, die ihn zum Seele-baumeln-Lassen aufsuchen.

Parallelen zur Nationalpark-Debatte

Der fast vergessene Widerstand der Waldbauern gegen den Naturpark erinnert an den Konflikt im Schwarzwald, der seit Monaten Schlagzeilen macht. Die grün-rote Landesregierung hat jüngst beschlossen, den ersten Nationalpark in Baden-Württemberg auszuweisen. Vor Ort tobt der Widerstand, landesweit hingegen spricht sich in Umfragen eine Mehrheit für das Projekt bei Baiersbronn aus. Gut möglich, dass sich heutzutage auch im Schwäbischen Wald mehr Widerstand organisieren ließe.

Damals haben Horst Lässing und seine Mitstreiter erreicht, dass der Naturpark durchstarten konnte – obgleich die CDU-geführte Landesregierung lange den Bremser spielte. Lässing erzählt, dass Gerhard Weiser zunächst blockiert habe. Das ganze Land sei doch eine Art Naturpark, schrieb der Landwirtschaftsminister dem jungdynamischen Landrat aus Waiblingen.

Lässing hat nicht lockergelassen und unmittelbar nach der feierlichen Unterzeichnung des Vertrags am 14. Oktober 1979 in Murrhardt erklärt: „Wir wollen weder eine Käseglocke noch einen Rummelplatz.“ Es gehe darum, den Landstrich weiterzuentwickeln und für die Menschen neue Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Existenzgründer wie die Kräuterfee Christine Pommerer, der Erlebnispädagoge Walter Hieber oder die Heu­hoteliers Anja und Michael Nowak können bestätigen: Lässing hat vor dreieinhalb Jahrzehnten nicht zu viel versprochen.




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