Digitalisierung Warten auf ein strahlungsfreies Internet

Online-Unterricht während der Corona-Krise funktioniert ohne Internet im Klassenzimmer nicht. Foto: dpa/Daniel Reinhardt
Online-Unterricht während der Corona-Krise funktioniert ohne Internet im Klassenzimmer nicht. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Am Hegel-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen ist Internet-Surfen mit Lichtimpulsen schon erprobt worden. Die Technik ist absolut strahlungsfrei. Sie setzt aber die passenden Endgeräte voraus, damit es bei der Flexibilität von Tablets oder Laptops bleibt.

Vaihingen - Das Schlagwort Digitalisierung ist in aller Munde, aber noch immer ist es keine Selbstverständlichkeit, schnelles Internet empfangen zu können. Gerade während der Corona-Krise sind Schulen aufs Internet angewiesen, um Schülern, die sich daheim in Quarantäne befinden, die Teilhabe am Unterricht zu ermöglichen. Auch am Vaihinger Hegel-Gymnasium kommen die Dinge erst so langsam in Gang. „Wir haben WLAN in Teilen des Schulgebäudes, aber in 27 Klassenzimmern können wir immer noch keine WLAN-Verbindung aufbauen“, sagt der Rektor Frank Bäuerle. Das Gymnasium an der Krehlstraße habe die Stadt auf diesen Mangel hingewiesen, und die Stadt wiederum wolle diesen Mangel bis 2021 beseitigen. Bis der ganz große Wurf mit schnellem Glasfaserkabel komme, werde es aber weit länger dauern: „Das schaffen wir erst mit der Sanierung der Schule. Die Planung dafür für den Nordbau beginnt jetzt, für den Mittelbau in fünf bis sechs Jahren.“

VLC-Internet ermöglicht strahlungsfreies Surfen mit Licht

Im Jahre 2017 ist im Hegel-Gymnasium aber in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut ein Test für ein neuartiges Internet abgeschlossen worden. Beim so genannten VLC-Internet werden die Signale über für das menschliche Auge unsichtbare Lichtimpulse übertragen. Das geht komplett strahlungsfrei, und das funktioniert bei uns einwandfrei“ sagt Frank Bäuerle. Man habe die neue Technik im Hegel-Gymnasium erprobt, weil man sie möglicherweise einmal an allen Stuttgarter Schulen einführen wolle.

Was die neue VLC-Technik – VLC steht für Visible Light Communication – bietet, klingt gut. Die Sache hat allerdings einen Haken. „Im Moment fehlen noch die Serien-Endgeräte, also Laptops, Smartphones oder Tablets, welche die Lichtimpulse ohne ein Zusatzgerät lesen können. Das Fraunhofer-Institut hatte uns dafür eigens vorübergehend Technik zur Verfügung gestellt“, sagt Frank Bäuerle. Seine Schule brauche jetzt aber eine schnelle Lösung: „Wir führen die Flexibilität der Tablets ad absurdum, wenn wir diese an Kabel anschließen müssen, damit sie die Lichtimpulse auffangen können.“

Das Geld des Bundes für konventionelles WLAN gibt es jetzt

Das Geld des Bundes für die Digitalisierung der Schulen, sagt der Rektor, stehe jetzt zur Verfügung, und man müsse es jetzt nutzen. Wenn es in fünf bis sechs Jahren Endgeräte für die VLC-Technik gebe, dann sei dies in Ordnung: „Unsere Laptops und Tablets sind noch neu. In fünf bis sechs Jahren müssen sie ersetzt werden, dann können wir die neue Technik übernehmen.“ Zu bedenken, sagt der Schulleiter, sei ebenfalls, dass die Elektrik der Schulen für VLC angepasst werden müsse: „Am Hegel-Gymnasium hat dies etwas mehr als 100 000 Euro gekostet.“ Wenn man bedenke, dass man die VLC-Technik an allen Stuttgarter Schulen wolle, dann koste dies große Summen.

Aktuell ist das Vaihinger Gymnasium darauf angewiesen, rasch konventionelles WLAN zu bekommen, denn während der Corona-Krise müssen manche Schüler, die in Quarantäne sind, online am Unterricht teilnehmen können. „Das geht nur, wenn im Klassenzimmer WLAN vorhanden ist“, sagt Bäuerle. Bei wenigen Fällen könne man sicher den Unterricht so aufteilen, dass man einem Raum mit WLAN finde. Das gehe aber nur, wenn sich die Verdachtsfälle und die Ansteckungen im Rahmen hielten. Bisher sei das Hegel-Gymnasium glimpflich davongekommen: „Es waren nur einzelne Schüler in Quarantäne. Nach dem heutigem Stand sind alle da. Ich habe das Gefühl, dass die Eltern sehr umsichtig sind und darauf schauen, dass die Regeln beachtet werden.“




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