InterviewDRK-Helfer bei Coronavirus-Quarantäne in Kirchheim „Alle sind gesund und alles ist eingespielt“

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Die 15 Personen in Coronavirus-Quarantäne, darunter fünf Kinder, werden im Ateck-Hotel in Kirchheim von 16 ehrenamtlichen Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuzes betreut. Einer von ihnen ist Jan Mahne. Der Einsatzleiter gibt im Interview Einblicke in die Arbeit der Helfer.

Jan Mahne vom DRK ist für den Quarantäne-Einsatz in Kirchheim mitverantwortlich. Foto: Horst Rudel
Jan Mahne vom DRK ist für den Quarantäne-Einsatz in Kirchheim mitverantwortlich. Foto: Horst Rudel

Kirchheim - Die seit vergangenen Freitag im Ateck-Hotel zur Quarantäne untergebrachten Personen sind nach wie vor gesund und zeigen keine Symptome auf das Coronavirus. Auch aktuelle medizinische Tests nach einer Woche haben negative Ergebnisse gebracht. Jan Mahne vom Deutschen Roten Kreuz leitet den Einsatz vor Ort in dem Kirchheimer Hotel. Er ist für das Personal, die Hygiene und die Abläufe zuständig. Der 41-Jährige berichtet aus dem Inneren der Quarantäne-Station.

Wie ist ihre Halbzeitbilanz und die Stimmung nach einer Woche Quarantäne?

Nach meinem Eindruck geht es den untergebrachten Gästen den Umständen entsprechend gut bis sehr gut. Sie machen das Beste aus der Situation und sind sehr freundlich und dankbar. Auch den Einsatzkräften geht es gut, wir sind mittlerweile eingespielt.

Was beschäftigt die Menschen in der Isolation am meisten?

Das sind natürlich die Ergebnisse der medizinischen Tests, die nun wieder negativ waren, und der Kontakt zum Gesundheitsamt. Ansonsten sind es Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs und der Kontakt zu den Familien. Ich habe derzeit nicht das Gefühl, dass die Situation sehr belastend ist.

Wie haben die Helfer Kontakt zu den Quarantäne-Gästen?

Der meiste Kontakt erfolgt telefonisch oder per E-Mail. Wir nehmen Essenswünsche oder andere Wünsche etwa nach Hygieneartikeln oder Müllentsorgung entgegen. Wir haben auch Fotos von Spielsachen gemacht, die wir zur Verfügung stellen können, und diese an die Familien mit Kindern geschickt, damit sie sich etwas aussuchen können. Vor kurzem gab es einen Wechsel bei den telefonischen Ansprechpartnern. Die haben sich per Foto verabschiedet beziehungsweise vorgestellt, damit der Kontakt nicht unpersönlich ist. Das wird gut angenommen.

Wie kann man sich einen Tag in der Quarantäne vorstellen?

Wir arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten. Das beginnt etwa mit dem Frühstück, das wie jedes Essen auf Einweggeschirr vor den Zimmern bereitgestellt wird. Ansonsten verbringen die Gäste den Tag auf ihren Zimmern. Viele sind berufstätig und arbeiten im Homeoffice. Die Familien mit Kindern wollen häufiger raus, und werden da auch bevorzugt, da die Kinder einen erhöhten Bewegungsdrang haben. Die begleiten wir nach draußen. Ansonsten gibt es Internet, Kontakte zu den Familien und Spielsachen. Wir vom Deutschen Rotzen Kreuz haben Besprechungen, Termine, Schichtwechsel und Übergaben. Das kann man sich vom Ablauf her vorstellen wie in einem Krankenhaus.

Welche Vorsichtsmaßnahmen treffen Sie bei einem direkten Kontakt?

Direkten Kontakt haben wir nur, wenn wir die Personen nach draußen in den separaten Bereich an die frische Luft begleiten. Dann tragen die Helfer Atemschutz und Handschuhe – und halten Abstand.

Zur Unterbringung und dem Einsatz hat uns auch Michael Sieland vom DRK-Generalsekretariat Antworten vor der Kamera gegeben:

Welche Maßnahmen gibt es sonst noch?

Wir haben, wie in einem Krankenhaus, Arbeitskleidung. Es gibt eine Grenze, über die man nur in der Arbeitskleidung darf. Da muss man vorher auch die Schuhe wechseln. Wir haben eine regelmäßige Händedesinfektion und tragen Schutzhandschuhe. Je nach Arbeit kommen weitere Maßnahmen hinzu. Beim Müllentsorgen etwa eine Schürze. Wir richten uns dabei nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, tendenziell gehen wir eine Stufe höher, um den Helfern die größtmögliche Sicherheit zu geben.

Welche ist die größte Herausforderung bei diesem Einsatz für Sie?

Die größte Herausforderung war am Anfang, hier alles auf die Beine zu stellen. Die ersten Tage waren demnach da, um die Abläufe zu definieren, da gibt es keine Pläne. Das muss man alles aus dem Boden stampfen. Jetzt sind wir aber im Routinebetrieb, da haben wir keine großen Herausforderungen mehr.

Wann haben Sie von dem Einsatz erfahren?

Das war alles sehr kurzfristig. Mittwochabend kam der Anruf, Donnerstagabend war der Auftrag dann klar. Mein Arbeitgeber hat mich kurzfristig für zwei Wochen freigestellt. Freitagmorgens ging der Einsatz dann los.

Wie unterscheidet sich dieser Einsatz von ihren bisherigen DRK-Einsätzen?

Einsätze von dieser Größenordnung sind eher selten. Normalerweise bin ich regional bei uns im Rems-Murr-Kreis tätig, etwa für die Planung von Sanitätsdiensten bei Fußballspielen, für Verkehrsunfälle mit mehreren Verletzten oder Gebäudebrände. Man muss aber sagen, dass dieser Einsatz sehr lehrreich ist für alle Helfer.

Haben Sie Angst vor einer Ansteckung?

Ich habe gar keine Angst. In Anbetracht aller Maßnahmen, die wir hier treffen, ist jede öffentliche Toilette wahrscheinlich fast gefährlicher. Wir fühlen uns sicher, das liegt auch daran, dass wir alle eine medizinische Ausbildung haben und uns das Thema nicht fremd ist.

Wie reagiert ihr Umfeld auf den Einsatz?

Meine Familie und mein Umfeld sind sehr interessiert an der Situation, aber kritisch reagiert da niemand. Ich hatte aber bislang auch noch keine Zeit, mich mit den sozialen Medien auseinanderzusetzen.

Das Gespräch führte Kathrin Waldow.

Zur Person:

Jan Mahne
Der 41-Jährige aus dem Rems-Murr-Kreis arbeitet im Hauptberuf als Produktmanager und wird für seine ehrenamtliche Arbeit beim Roten Kreuz von seinem Arbeitgeber freigestellt.

Einsatz
Mahne ist seit 25 Jahren beim Roten Kreuz. Er ist Leiter der Führungsgruppe im Rems-Murr-Kreis, ausgebildeter Rettungsassistent und Ausbilder für chemische, biologische, radioaktive und nukleare Gefahren.

Keine Infektion:

Die zehn Erwachsenen und fünf Kinder, die sich im Kirchheimer Ateck-Hotel in Quarantäne befinden, sind nach wie vor infektionsfrei. Das teilt das Esslinger Landratsamt am Freitag mit. Ein weiterer Abstrich habe keine Hinweise auf eine Corona-Infektion ergeben. Die China-Rückkehrer würden in einer Woche – vor dem Ende der Quarantäne – erneut untersucht.

Weitere Informationen zum Coronavirus gibt es in unserem Newsblog.

Tipps wie man sich schützen kann gibt es hier: