DRK-Hospizmobil in Böblingen Wenn der letzte Wunsch wahr wird

Von Lena Hummel 

Wenn Menschen nur noch kurze Zeit leben, haben sie oft ganz banale Wünsche. Das Deutsche Rote Kreuz in Böblingen will diese erfüllen – und hat einen Rettungswagen zu einem Hospizmobil umgebaut. In einem Monat ist es einsatzfähig.

Der Rettungsdienstleiter Gerhard Fuchs, die Wunschkoordinatorin Catherina Doppke, der Leiter der Verbandskommunikation Guido Wenzel und der Leiter der Sindelfinger Rettungswache Sven Peters (von links) waren an der Planung beteiligt. Foto: factum/Simon Granville
Der Rettungsdienstleiter Gerhard Fuchs, die Wunschkoordinatorin Catherina Doppke, der Leiter der Verbandskommunikation Guido Wenzel und der Leiter der Sindelfinger Rettungswache Sven Peters (von links) waren an der Planung beteiligt. Foto: factum/Simon Granville

Böblingen - Einmal noch die Füße in den Sand strecken. Einmal noch Meeresluft schnuppern. Einmal noch ein Konzert des österreichischen Schlagersängers Hansi Hinterseer besuchen. „Solche Wünsche gewinnen für Menschen, die nicht mehr lang leben, eine ganz andere Bedeutung als für uns gesunde Menschen“, sagt Michael Steindorfner vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Der Kreisverband Böblingen wird bald solche letzten Wünsche erfüllen: mit seinem Herzenswunsch-Hospizmobil. Das Projekt, das sich durch Spenden finanziert und von Ehrenamtlichen getragen wird, sei für die Patienten kostenlos, betont Steindorfner, der Präsident des DRK-Kreisverbands Böblingen. Am 15. Oktober geht es an den Start.

Bei dem Hospizmobil handelt es sich um einen Rettungswagen, der für den ursprünglichen Zweck ausgedient hat und dem Kreisverband kostenlos überlassen wurde. Er ist mit einer Trage und einem Sauerstoffgerät ausgestattet und soll schwerkranke Menschen an ihren persönlichen Wunschort bringen. Den Wünschen der Patienten sind dabei kaum Grenzen gesetzt: „Wir müssen natürlich erst mal schauen, was gesundheitlich überhaupt noch möglich ist“, gibt Steindorfner zu bedenken. Ein Arzt des DRK setze sich dazu mit dem behandelnden Arzt in Verbindung, ein dreiköpfiges Gremium entscheide anschließend, ob der Transport durchgeführt werde.

30 bis 40 Helfer sollen es werden

Trotzdem müssten die ehrenamtlichen Helfer, die den Transport begleiten, auf das Schlimmste vorbereitet sein: „Es kann vorkommen, dass Patienten bei der Durchführung sterben“, sagt Steindorfner. Zehn Helfer haben sich schon gemeldet. Die meisten kommen aus dem Hospizbereich. 30 bis 40 Helfer will der Kreisverband für das Hospizmobil rekrutieren – aus den Bereichen Hospiz, Palliativ und dem Rettungsdienst, aber auch fachfremde Ehrenamtliche, die „für solche Situationen geschult werden“, so Steindorfner.

Lesen Sie hier: Rettungswagen für die Kleinsten in Böblingen

Neu ist die Idee nicht. Der DRK-Kreisverband Zollernalb schickt sein Glücksmomente-Fahrzeug mit der gleichen Intention auf die Straße, und in Ludwigsburg lässt der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes seit zwei Jahren Träume von Schwerkranken wahr werden. Die Zielgruppe des beim Kreisverband Böblingen angesiedelten Projekts ist in erster Linie die Bevölkerung des Landkreises. Trotzdem würden Wünsche von auswärtigen Personen nicht generell ausgeschlossen, sondern müssten lediglich mit den örtlichen DRK-Verbänden abgesprochen werden, ergänzt Steindorfner. „Wir leben ja nicht für die Bürokratie. Wir wollen Menschen helfen, und es kann nicht sein, dass diese Hilfe an territorialen Grenzen endet.“

Ab wann sind Kranke krank genug?

Doch ab wann sind Kranke krank genug, um das DRK-Hospizmobil zu nutzen? Wenn sie ihr Wunschziel nicht mehr auf eigene Faust erreichen können, „wenn sie nur noch mit unserer Hilfe transportfähig sind“, erklärt Steindorfner. Ob die Patienten noch wenige Monate oder zwei, drei oder vier Jahre zu leben hätten, sei dabei unerheblich.

Lesen Sie hier: Das Rote Kreuz lässt Clowns ausbilden – Lach-Therapie für traumatisierte Kinder

Natürlich gebe es auch eine finanzielle Obergrenze. „Kosten von 50 000 Euro können wir nicht schultern. Trotzdem wird die Erfüllung des Wunsches nicht an ein paar Hundert oder vielleicht auch ein paar Tausend Euro scheitern“, sagt der Böblinger DRK-Präsident. Wie viel Geld für die einzelnen Wünsche zur Verfügung stehe, hänge auch von der Anzahl der eingegangenen Anträge und der ehrenamtlichen Helfer ab. Viele Wünsche seien aber „relativ banal“, merkt Steindorfner an. Das oberste Zeil sei es, Stunden und Gefühle des Glücks zu schaffen, aus denen die Menschen Kraft für das schöpfen könnten, was ihnen noch bevorstehe. „Es ist einfach schön zu wissen, dass es so etwas gibt. Wir wissen alle nicht, in welche Situation wir selbst eines Tages kommen.“