E-Motorräder Warum Biker einen Bogen um die Batterie machen

Helm und Batterie spielten 1969 keine Rolle: Peter Fonda (links) und Dennis Hopper im Film Easy Rider. Foto: /SonyPictures

Während im Automobilbereich die E-Mobilität nicht mehr zu bremsen ist, nimmt sie bei den Krafträdern nur langsam Fahrt auf. Die große Ausnahme sind kleinere Roller.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Wann ist die Mobilitätswende endgültig vollzogen? Eine mögliche Antwort auf diese Frage: Wenn der Präsident des örtlichen Motorradclubs mit der E-Maschine zum Bikertreffen vorfährt und danach nicht fürchten muss, bei der nächsten Mitgliederversammlung deshalb abgewählt zu werden. Bis es so weit ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Das machen Zahlen deutlich. Von den in Deutschland neu zugelassenen 107 000 Krafträdern besitzen gerade einmal 1600 dieser großen Maschinen einen Batterieantrieb.

 

Während im Automobilbereich das E nicht mehr zu bremsen ist, nimmt es bei den Krafträdern nur langsam Fahrt auf. Die große Ausnahme bilden dabei die kleinen Motorroller mit einer Maximalgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern. Von insgesamt 36 000 sogenannten Leichtkraftrollern, die im vergangenen Jahr zugelassen wurden, sind 8500 batteriebetrieben. Tendenz steigend. In der Stadt haben die kleinen E-Roller die Zweitakterverwandtschaft zahlenmäßig bereits überholt. Zu diesem Bild gehören in Stuttgart auch die im Frühling wieder stark nachgefragte hellblaue E-Roller-Flotte namens Stella. Das Mietangebot der Stadtwerke Stuttgart zählt derzeit 200 Fahrzeuge.

Preis hoch, Reichweite niedrig – im Moment

2000 Krafträder hat die Firma Limbächer mit Sitz in Filderstadt zu bieten – auf einer Verkaufsfläche von 20 000 Quadratmetern. Dies macht das Familienunternehmen zum größten Motorradhaus Deutschlands. Dennoch hat Limbächer zurzeit kein batteriebetriebenes Motorrad im Angebot. „Was aber nicht bedeutet, dass wir etwas dagegen haben“, sagt Geschäftsführer Hendrik Krafft. Er verweist darauf, als Berufspendler ein E-Auto zu fahren: „Ideal für die insgesamt 40 Kilometer, die ich täglich zum Arbeitsplatz und wieder zurück damit fahre.“ Dem E-Motorrad stellt Hendrik Krafft dagegen kein so gutes Zeugnis aus. „Wer kauft sich eine Maschine für über 30 000 Euro, deren Akku man länger laden muss, als man danach fahren kann?“, sagt er und liefert mit der Frage die Antwort gleich mit.

Die Reichweite von E-Motorrädern beträgt derzeit im Durchschnitt zwischen 150 und 200 Kilometern. Das ist offenbar zu wenig für die Spritztour am Wochenende. Schließlich ist und bleibt der Freizeitspaß das Kerngeschäft von Motorrädern. Der kurze Tankstopp gehört zu einer Überland-Spritztour dazu, das lange Warten an der Ladesäule ist dem Käufer dagegen schwer vermittelbar.

Das Problem des E-Motorrads ist, dass der Platz für seine Batterie sehr begrenzt ist und außerdem deren Gewicht häufig als inakzeptabler Ballast gewertet wird. „Praktisch keiner unserer 15 Vertragspartner hat ein E-Motorrad im Angebot, das wir verkaufen könnten“, sagt Hendrik Krafft und führt BMW als Ausnahme an. Allerdings handelt es sich dabei auch um einen Roller, um einen leistungsstarken. „Das E-Motorrad ist eine Liebhaberei, im Moment jedenfalls“, sagt Hendrik Krafft. Für diesen sehr eingeschränkten Kundenkreis findet sich kaum etwas bei den Traditionsmarken. Die Ausnahme bilden KTM – und Harley Davidson mit der eigens gegründeten Elektromarke Livewire. Mit der klassischen Easy-Rider-Optik im entspannten Chopper-Stil haben die Livewire-Maschinen aber nichts zu tun.

Gerade Motorradfahrer sind aber traditionsbewusst, häufig Nostalgiker – und Schrauber, getreu dem Motto: Benzin im Blut und Öl an den Händen: Damit können die E-Exemplare nun mal nicht dienen.

Ist die Spritztour noch zeitgemäß?

Es fällt auf, dass Motorräder mit einem Hubraum über 125 Kubikzentimetern prinzipiell nicht mehr so gefragt sind, war doch die Zahl der Neuzulassungen in diesem Segment 2022 im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig. Die Gründe? Immer wieder ist von ehemals begeisterten Motorradfahrern zu hören, dass die ihr Hobby nun nicht mehr als zeitgemäß ansehen. Dabei spielten neben den Überlegungen zum Klima auch Einsparmöglichkeiten eine Rolle. Aber auch der von Anwohnern immer stärker eingeforderte Lärmschutz gilt manchem als Grund, sich gegen das klassisch-dröhnende Motorrad zu entscheiden. Und möglicherweise für den E-Roller – und irgendwann vielleicht auch für das E-Motorrad.

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