Ehrlichweg Stuttgart-Fasanenhof Nachverdichtung soll verträglich sein

Der Plan zeigt das Wettbewerbsgebiet: die rot umrandeten Gebiete gehören zum Realisierungsteil, die gelben Flächen sind der Ideenteil. Foto: Alexandra Kratz
Der Plan zeigt das Wettbewerbsgebiet: die rot umrandeten Gebiete gehören zum Realisierungsteil, die gelben Flächen sind der Ideenteil. Foto: Alexandra Kratz

In einem Wettbewerb sollen verschiedene Büros Pläne für eine ergänzende Wohnbebauung am Ehrlichweg erarbeiten. Die Stadtplanerin Susanne Frucht hat im Möhringer Bezirksbeirat die Eckpunkte des Verfahrens vorgestellt.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Fasanenhof - Es ist die Quadratur des Kreises. Die Stuttgarter Stadtplaner haben versucht, diese mit der Ausformulierung der Wettbewerbsunterlagen hinzubekommen. Es geht um eine mögliche Nachverdichtung in dem Gebiet rund um den Ehrlichweg auf dem Fasanenhof. Die ist ein ungeliebtes Kind. Um die Gemüter zu besänftigen, soll nun möglichst schön nachverdichtet werden. Um das sicherzustellen, gibt es einen städtebaulichen Wettbewerb. Susanne Frucht, Abteilungsleiterin im Amt für Stadtplanung- und Stadterneuerung, stellte die Unterlagen am Mittwochabend im Möhringer Bezirksbeirat vor.

Ausgangspunkt für das Projekt war der Willen der fünf Baugenossenschaften, auf ihren Grundstücken am Ehrlichweg neuen Wohnraum zu schaffen. „Die Wohnungsnot in Stuttgart ist groß“, sagte Frucht und ergänzte: „Aus stadtplanerischer Perspektive ist eine Nachverdichtung an dieser Stelle vertretbar. Wir loben einen Wettbewerb aus, damit wir zwischen verschiedenen Entwürfen wählen können.“ Aber auch mit der Wahl des Siegerentwurfs sei noch nichts in Stein gemeißelt, betonte Frucht.

Grundlage für den Wettbewerb ist ein Bauzonenplan

In der Gemeinderatsdrucksache sind die Kriterien für die Entwürfe benannt. Die Rede ist von „gestalterisch ansprechenden Gebäuden mit attraktiven, gut funktionierenden Grundrissen und einer identitätsstiftenden Freiraumgestaltung“. Der „Charakter als durchgrüntes Wohnquartier“ soll erhalten werden. Die neue Konzeption der öffentlichen und privaten Freiflächen soll ein „nachbarschaftliches Miteinander“ ermöglichen. Und schließlich soll die Neubebauung „sich möglichst gut in die bereits bebaute Umgebung einfügen und behutsam erfolgen“. Die Zahl der neu zu schaffenden Wohnungen ist bewusst nicht festgelegt. „Der Wettbewerb soll zeigen, was da möglich ist“, sagte Frucht.

Grundlage für den Wettbewerb ist ein Bauzonenplan. Dieser ist als Kompromiss gemeint, zwischen den Bauabsichten der Baugenossenschaften und der grundsätzlich ablehnenden Haltung seitens der Bürger. Festgesetzt sind zu erhaltene Grünflächen, insbesondere zwischen den vorhandenen Häuserzeilen. Rund um den Mammutbaum wird nicht gebaut.

In der sogenannten Bauzone 1 soll auf bereits versiegelten Flächen eine Neubebauung untergebracht werden. Die Bauzone 2 erstreckt sich weitgehend über bisherige Freiflächen. In diesen Bereichen sei es erforderlich, „eine situationsbezogene Abwägung zwischen dem Verlust an Baumbestand beziehungsweise Freiflächen und der Möglichkeit zur Neuschaffung von Wohnraum“ vorzunehmen. Zusätzlich zum Realisierungswettbewerb gibt es einen Ideenwettbewerb. Dieser bezieht sich auf das städtische Grundstück am Ehrlichweg 33/35. Es ist das Gelände der ehemaligen Außenstelle der Fasanenhofschule. Derzeit befindet sich dort ein Flüchtlingsheim.

Im Westen des Grundstücks steht das Vereinsheim des Jugendrotkreuzes. Dieses kann aufgegeben werden, wenn in der Neubebauung ein Ersatz integriert wird. Der Entwurf für das Areal soll eine Wohnbebauung, eine Kindertagesstätte und Freiflächen beinhalten.

Wettbewerb beinhaltet auch einen Ideenteil

Zudem umfasst der Ideenwettbewerb die Grundstücke am Sautterweg und die Garagenhöfe am Bergiusweg. Auch dort könnten theoretisch neue Wohnhäuser entstehen. Allerdings gehören die meisten Flächen am Sautterweg und am Bergiusweg verschiedenen Einzeleigentümern. „Sie stehen daher kurz- beziehungsweise mittelfristig voraussichtlich nicht zur Verfügung“, heißt es in der Vorlage. Der Ideenteil des Wettbewerbs ist als städtebauliche Studie zu verstehen und soll aufzeigen, wie eine Neubebauung aussehen könnte. Mitte März will das Stadtplanungsamt die Unterlagen für den Wettbewerb ausgeben. Bis Mitte Mai haben die Planungsbüros dann Zeit, ihre Entwürfe einzureichen. Die Jurysitzung ist für den 18. Juni geplant.

Bezirksbeirat ist gegen Nachverdichtung, aber für Wettbewerb

Die Bezirksbeiräte machten in ihren Wortmeldungen deutlich, dass sie die Nachverdichtung ebenso ablehnen, wie es die Menschen auf dem Fasanenhof tun. „Aber ich gehe davon aus, dass wir das nicht verhindern können. Also machen wir das Beste draus“, sagte Dieter Bernhardt (SPD). Er sei froh, dass sehr viele Bürgeranregungen und Kritikpunkte in die Wettbewerbsausschreibung eingeflossen seien.

Fred Wagner (CDU) sprach von einem Geburtsfehler. Er kritisierte, dass so kurz nach Abschluss des erfolgreichen Sanierungsprogramms Soziale Stadt weiter nachverdichtet werde. Und das, obwohl die Bürger in ihrer Empfehlung deutlich Nein gesagt haben. Rüdiger Reinboth (Grüne) argumentierte ähnlich. Eine Nachverdichtung könne, wenn überhaupt, nur behutsam erfolgen. Positiv sei, dass viele Anregungen der Bürger, die diese bei der Planungswerkstatt kundgetan hatten, aufgenommen worden seien.

Das sahen die Fasanenhofer, die am Mittwochabend im Publikum saßen, zumindest teilweise etwas anders, was sie mit heftigen Kopfschütteln zum Ausdruck brachten. Der Bezirksbeirat votierte schließlich mit acht Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen für die Auslobung des Wettbewerbs in der vorgestellten Form.

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