Einhorn-Tunnel in Schwäbisch Gmünd Bud Spencer wäre stolz auf die Röhre

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Der Einhorn-Tunnel in Schwäbisch Gmünd hätte nicht nur fast einen lustigen Namen bekommen. Er ist auch eine technische Meisterleistung. Das „Jahrhundertbauwerk“, für das unter anderem ein Fluss umgelenkt werden musste, wird am Montagvormittag eröffnet.

Die Bundesstraße 29 wird auf vier Kilometern Länge unterirdisch geführt. Foto: dpa
Die Bundesstraße 29 wird auf vier Kilometern Länge unterirdisch geführt. Foto: dpa

Schwäbisch Gmünd - Straßentunnel, die unter Städten ­hindurchführen, gibt es viele. Aber wenige sind gut vier ­Kilometer lang. Für noch weniger musste ein Fluss – in diesem Fall die Rems – auf mehreren Hundert Meter Länge verlegt werden. Und nur in Schwäbisch Gmünd, der Stauferstadt in Kessellage, gehört zum Tunnel ein gigantischer Abluftkamin, der 175 Meter über dem Verkehr auf der Bundesstraße 29 mündet. Der Ingenieur Robert Hamm, Projektleiter des Tunnelbaus spricht von einem Jahrhundertbauwerk. Ein so „extrem komplexes“ Projekt habe er noch nie umgesetzt, ­sagt der Oberbaurat in Diensten des Regierungspräsidiums ­Stuttgart.

Bald 20 000 Fahrzeuge werden den Einhorntunnel, der seinen Namen nach dem Wappentier von Schwäbisch Gmünd erhielt, täglich durchfahren. Die Fahrer werden nichts von den 300 Kilometer Kabel sehen, die hinter den Wänden verborgen liegen, nichts von der turnhallengroßen Kaverne und den leistungsstarken Strahlventilatoren an den Tunneleingängen, die permanent die Abgase aus dem Tunnel blasen. Alle 60 Meter öffnet sich über den Köpfen der Autofahrer eine Absaugöffnung. Hoffentlich nie werden die Durchreisenden einmal den Rettungsstollen zu sehen bekommen, der parallel zur Fahrröhre verläuft und so geplant ist, dass er eines Tages eventuell zu einer zusätzlichen Fahrbahn ausgeweitet werden könnte.

Die Brandschutztechnik lässt den Projektleiter schwärmen

Sicherheitselektronik überwacht ständig 16 000 Datenpunkte, angebracht an den Nottüren zum Rettungsstollen, den Feuerlöschern, den Lampen und Kameras. Hält beispielsweise ein Auto in einer der Notparkbuchten, wird das mittels Kontaktschleifen registriert. Dann geben die Geschwindigkeitstafeln vor den Tunneleingängen sofort ein geringeres Tempo vor. Ins Schwärmen gerät Baumeister Hamm geradezu, wenn er von der Brandschutztechnik spricht. Gesteuert von moderner Messtechnik im Tunnelinnern wird Ruß, der von einem brennenden Fahrzeug aufsteigt, sofort von zwei Seiten angeblasen. Die Ausbreitung von Giftgasen würde so auf 200 bis 300 Meter eingegrenzt, erklärt der Ingenieur. Dadurch erhöhe sich signifikant die „Selbstrettungszeit“ für alle, die sich zur Unglückszeit im Tunnel befinden.

Zum Datenblatt des Einhorntunnels gehören auch die Baukosten. Auf einem alten Infoblatt des Bundesverkehrsministeriums sind sie noch mit 230 Millionen Euro veranschlagt, als Fertigstellungstermin steht da „Ende 2012“ zu lesen. Mit diesem Volumen war der Einhorntunnel lange Zeit das größte Einzelstraßenbauprojekt des Bundes. Nun, ein Jahr später, stehen die Kosten bei rund 280 Millionen Euro, was auch damit zu tun hat, dass sich die Flussverlegung komplizierter gestaltete als gedacht. Die Rems fließt im Osten der Stadt jetzt in einem Trog, dessen Durchmesser sich am größten vorstellbaren Hochwasser orientiert. Es wäre eine Katastrophe, sagt Projektleiter Hamm, wenn der Tunnel eines Tages überschwemmt werden würde.