Energieversorger EnBW mit neuen Strategien EnBW will intelligente Stadtteile entwickeln

Von Alexander Del Regno 

Der Versorger Energie Baden-Württemberg entfernt sich weiter vom Kraftwerksgeschäft und setzt stärker auf moderne Infrastruktur.

EnBW-Chef Frank Mastiaux verabschiedet sich zusehends vom Kraftwerksgeschäft. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
EnBW-Chef Frank Mastiaux verabschiedet sich zusehends vom Kraftwerksgeschäft. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Das Energieunternehmen EnBW will zunehmend neue Geschäftsfelder erschließen und sich als Anbieter von Infrastrukturen etablieren. Dazu zählten etwa der Ausbau von Breitband-Internet sowie Ladesäulen für die Elektroautos, aber auch die Entwicklung ganzer Stadtviertel. Das erklärte Konzernchef Frank Mastiaux im Gespräch mit unserer Zeitung.

Als „Projekt mit Modellcharakter“ bezeichnete Mastiaux die geplante Neugestaltung des Stuttgarter Stadtteils Stöckach. Dort „könnten mindestens 600 Wohnungen, mit hohen Ansprüchen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, entstehen“, sagte der EnBW-Chef. Neben der Bereitstellung eines modernen Mobilfunk- und Breitbandnetzes solle das Projekt „Begegnungsmöglichkeiten, Nahversorgung, Mobilitätskonzepte, neue Serviceleistungen und vieles mehr“ enthalten. In dem Quartier im Zentrum der Landeshauptstadt sollen laut Mastiaux auch Sozial- sowie Mitarbeiterwohnungen entstehen.

EnBW hat laut Mastiaux „massiv“ in die Netze und erneuerbare Energien investiert

Der Chef der Energie Baden-Württemberg AG betonte, dass der Karlsruher Konzern landesweit auch andere seiner Grundstücke prüfen wolle, ob diese für ähnliche Projekte geeignet seien. Auch die Quartiersentwicklung als Dienstleister für andere Grundstücksbesitzer schließe er nicht aus. Auf dem Stuttgart-21-Areal sei dies ebenfalls möglich: „Wenn das (Stöckach-Projekt Anmerk. d. Red.) zu neuen, größeren Projekten an anderer Stelle führen sollte, werden wir uns dieser Herausforderung stellen“, erklärte Mastiaux.

Aus dem „klassischen Kraftwerksgeschäft“ habe sich der Energieriese indes zu großen Teilen zurückgezogen. Der Anteil der Erträge aus diesem Bereich sei in den vergangenen Jahren von rund 80 auf nunmehr 17 Prozent gesunken. Stattdessen habe EnBW „massiv“ in die Netze und erneuerbare Energien investiert.

EnBW fokussiere sich auch als „Konsequenz aus der Vergangenheit“ auf die E-Mobilität

Mit dem Ausbau von E-Ladesäulen setzt der Versorger zudem verstärkt auf das Thema Elektromobilität. „Ich bin davon überzeugt, dass Elektrofahrzeuge einen maßgeblichen Anteil an der künftigen Mobilität einnehmen werden. Deshalb investieren wir erheblich in Ladesäulen und den dafür notwendigen Netzausbau“, sagt Mastiaux weiter. Die EnBW fokussiere sich auch als „Konsequenz aus der Vergangenheit“ auf die E-Mobilität: „Das Potenzial erneuerbarer Energien haben die Energieunternehmen zugegebenermaßen nicht früh genug erkannt“, räumt der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands drittgrößten Energieunternehmen ein.

Dass die hohen Investitionen in neue Geschäftsbereiche auf die Kunden abgewälzt würden, weist Mastiaux zurück. Der Grund für Strompreiserhöhungen in diesem Jahr liege in den deutlich gestiegenen Beschaffungspreisen auf den Strommärkten. Weitere Preiserhöhungen versuche sein Unternehmen zu vermeiden, erklärte Mastiaux.