Extremsportler Bruno Dobelmann Orca, der Eisbrecher

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Wenn der Stuttgarter Langstrecken- und Kaltwasserschwimmer Bruno Dobelmann im See des Oskar-Frech-Bads in Schorndorf trainieren will, dann muss er seit ein paar Tagen erstmal eine dicke Eisfläche aufbrechen.  

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Schorndorf - Bruno Dobelmann ist ein Tier. Der 54-jährige Stuttgarter, der beim Daimler schafft, ist eine stattliche Erscheinung, zwar "nur" 1,76 Meter groß, aber rund 110 Kilogramm schwer. Die ordentliche Isolierung am Bauch nennt er augenzwinkernd seinen "Biopren". Dobelmann alias Orca macht seinem Spitznamen alle Ehre, er geht seit ein paar Jahren regelmäßig zum Schwimmtraining, oft im Oskar-Frech-Bad in Schorndorf. Doch er ist kein gewöhnlicher Badegast, Dobelmann schwimmt immer draußen im See. Im Herbst bei rund 14 Grad Wassertemperatur, zu Beginn des Winters bei nur noch etwa fünf Grad - und auch jetzt noch, obgleich der See seit ein paar Tagen eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht trägt. Einfach so reinspringen, das geht also nicht mehr.

An diesem Trainingstag hat Bruno Dobelmann wiedermal nur eine Badehose, eine Haube, Füßlinge und Handschuhe am Leib. Das Wasser unter der Eisschicht ist gut ein Grad Celsius kalt. Mit ein paar beherzten Schlägen knackt der Orca vom Beckenrand aus das Eis. Dann steigt er in den See und arbeitet sich langsam vorwärts: Stück für Stück bricht Dobelmann das Eis weg und wirft die Platten aus dem See. Wenn die 100 Meter lange Bahn endlich frei ist, beginnt er zu kraulen. Es ist kaum zu glauben: Dobelmann bleibt gut eine halbe Stunde lang im Eiswasser. Die meisten Ärzte würden ihm davon vermutlich abraten - viel zu gefährlich.

Am Nordkap ins Wasser

Und überhaupt: was soll das Ganze? Der Orca, der als erster Schwimmer die Doppelbelt-Querung von Deutschland nach Dänemark und wieder zurück geschafft hat, plant bereits seine nächsten Projekte: eine Bodensee-Breitenquerung von Romanshorn nach Friedrichshafen, etwa zwölf Kilometer bei sechs bis acht Grad Wassertemperatur, ein Nordseeschwimmen bei ähnliche Verhältnissen. Spätestens im übernächsten Jahr, sagt Dobelmann, nach seiner Schwimmeinheit im Schorndorfer See, "will ich am Nordkap ins Wasser gehen und als erster Deutscher bei minus ein Grad schwimmen".

Während seiner Kaltwassertrainingseinheiten hätte der Orca gerne einen Mediziner an seiner Seite, "leider findet sich niemand, denen ist das Risiko wohl zu hoch". Bruno Dobelmann ist sicher: "Für eine Doktorarbeit wäre ich der richtige Proband." Bei einem sechsstündigen Schwimmtest im zehn Grad kalten Bodensee im April vergangenen Jahres wurde der Wahnsinnschwimmer aus Stuttgart von dem Schweizer Ausdauersportler und Arzt Beat Knechtle begleitet. Das unglaubliche Ergebnis: Orcas Körperkerntemperatur, die mit einer Sonde im Hintern überwacht wurde, blieb konstant bei rund 36 Grad. Sein Biopren leistet also gute Arbeit.




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