Feuerwehr in Hemmingen Unter dichtem Rauch zu den Flammen krabbeln

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Die Feuerwehr Hemmingen zeigt bei der Hauptübung, was sie kann. Zwei junge Wehrleute sind ganz vorne mit dabei.

. . . auch den zweiten haben die Wehrleute gefunden.  Foto: factum/Weise 10 Bilder
. . . auch den zweiten haben die Wehrleute gefunden. Foto: factum/Weise

Hemmingen - Runter, auf den Boden. Die Tür zur Halle geht auf, drinnen ist alles voller Rauch. Jennifer Glauert pocht der Puls. In wenigen Sekunden werden die Zwanzigjährige und ihr Kamerad in der Feuerwehrkleidung drinnen nichts mehr sehen – im Qualm müssen sie sich vorantasten, auf den Knien krabbelnd die Flammen suchen. Der Angriffstrupp der Hemminger Feuerwehr hat einen gefährlichen Job. Ein paar Meter weiter hinten sind weitere Feuerwehrleute konzentriert bei der Arbeit. Christian Novoselac rollt Schläuche aus. Der Einunddreißigjährige und seine Kameradin sind neu bei der Freiwilligen Feuerwehr – und sie brennen für die Aufgabe. Bei der großen Jahresübung beweisen sie, was sie gelernt haben.

Alle opfern ihre Zeit

Samstagmittag, kurz nach drei. Im neuen Feuerwehrhaus steht alles bereit für das Fest an diesem Wochenende. In wenigen Minuten werden die Piepser schrillen, der Löschzug zur öffentlichen Übung gerufen werden. Jennifer Glauert und Christian Novoselac sitzen noch ganz entspannt auf einer Bank. Beide haben sich entschieden, sich der Truppe anzuschließen, haben die Grundausbildung bereits hinter sich. Ihr Kommandant Marco Spera freut sich über solche Leute, die sich engagieren, die ihre Zeit opfern. Das tun zwar alle, die Anfangsphase aber fordert besonders.

Die Ausbildung ist nicht ohne. „Montags- und Mittwochabends je zwei oder drei Stunden, dazu samstags acht Stunden“, erzählt Christian. Und das über drei Monate hinweg und während des Berufs. Das Fach Feuerwehr war ihm neu – das Rettungswesen und der Stress einer Einsatzfahrt nicht. Der junge Mann ist hauptamtlich bei den Stuttgarter Johannitern im Rettungsdienst tätig. „Mein Arbeitgeber hat mich sehr unterstützt“, sagt er. Bei der Feuerwehr sind sie froh um ihn. Einen Profisanitäter mit in der Truppe zu haben, sei prima, sagt Spera – sowohl im Notfall für die eigenen Leute wie für die, denen man nach einem Unfall oder einem Brand hilft. „Letzte Woche war ich zum ersten Mal bei einem Einsatz dabei“, erzählt Novoselac, „ich hatte Herzklopfen und war gespannt, was auf mich zukommt.“

Der Arbeitgeber unterstützt das Engagement

Seine Kollegin arbeitet als Mechatronikerin bei Bosch in Schwieberdingen. Auch ihr Arbeitgeber unterstütze ihr Engagement bei der Feuerwehr, berichtet sie. Zur Werkssicherung seien nicht nur hauptamtliche Feuerwehrleute beschäftigt – Mitarbeiter, die in einer Freiwilligen Feuerwehr dabei seien, würden im Ernstfall zur Unterstützung gebraucht. „Ich bin froh, bei der Feuerwehr zu sein“, sagt sie.

Bei der Übung ist nach einer Viertelstunde der Brand gelöscht, die beiden „Verletzten“ aus dem Gebäude geholt. Jetzt laufen die Ventilatoren, um den Rauch zu vertreiben. Marco Spera ist zufrieden, 200 Zuschauer klatschen. Der Beifall gilt allen. Christian rollt Schläuche zusammen, Jennifer nimmt die Atemschutzmaske ab. Beide sind klatschnassgeschwitzt. Aber sie strahlen.

Neue Drehleiter avisiert

Auch der Bürgermeister Thomas Schäfer, mit der Familie unter den Zuschauern, ist zufrieden. Die Gemeinde engagiert sich für ihre Feuerwehr – nicht nur mit dem neuen Haus. Im Herbst soll eine neue Drehleiter kommen. Die alte war schon im Einsatz, als Kamerad Christian noch gar nicht auf der Welt war.