Die personellen Engpässe in der Ausländerbehörde der Stadt Stuttgart haben sich nochmals etwas verschärft. Drei von vier Schaltern sind geschlossen. Im Frühjahr sollen endlich die ersten Verbesserungen wirken.

Lokales: Mathias Bury (ury)

Stuttgart - Die wegen Personalmangels seit längerem bestehenden Engpässe in der Ausländerbehörde der Stadt haben sich nochmals etwas verschärft. Das hat Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) in Sozialausschuss eingeräumt. Man sei aber dabei, die Probleme zu beheben. Insbesondere die Aufstockung des Personals um eine erkleckliche Zahl von Stellen im neuen Doppelhaushalt soll eine Verbesserung bringen. Dorothea Koller, die Chefin des Ordnungsamts, geht davon aus, dass sich die ersten Effekte der Umgestaltung im ersten Quartal 2016 zeigen werden.

Wie berichtet, ist die augenfälligste Auswirkung der Personalnot, dass man in der Ausländerbehörde von vier Schaltern, die für Kunden ohne Termin zur Verfügung standen, drei geschlossen hat. Diese Maßnahme betrifft etwa ein Drittel der Kundschaft des Amtes und hat zu langen Wartezeiten geführt. Koller machte deutlich, dass die Probleme nichts mit den in der Stadt untergebrachten Flüchtlingen zu tun habe. Deren Zahl von derzeit rund 6230 gebe nicht den Ausschlag im Vergleich mit den circa 148 000 ausländischen Mitbürgern, für die das Amt zuständig sei. Durchschnittlich 330 Personen werden in der Ausländerbehörde jeden Tag bedient.

Einarbeitungszeit für neue Mitarbeiter liegt bei einem Jahr

Die Amtsleiterin führte nochmals die Ursachen für die schwierige Lage auf. So liegt der Krankenstand bei 26 Tagen und damit 15 Tage über dem Schnitt der Stadt, die Fluktuationsquote bei den Mitarbeitern sei fast dreimal so hoch wie in anderen Bereichen. Die gefragten Mitarbeiter wechselten teils zum Land oder in ihre Heimatlandkreise. Die Einarbeitungszeit für neue Kräfte dauere ein Jahr. Dies alles habe zur Folge, dass von den 93 Stellen in der Vergangenheit rund 24 nicht für die Arbeit zur Verfügung standen. Dabei hat eine Organisationsuntersuchung in der Ausländerbehörde inzwischen zu dem Ergebnis geführt, dass der Personalbestand dort ohnehin deutlich zu gering sei.

Erste Maßnahmen hat man bereits ergriffen gegen die Misere. So hat man etwa die sogenannten Gestattungen für Ausländer erweitert, also etwa Duldungen von drei auf sechs Monate erhöht, um den Druck herauszunehmen. Fünf zusätzliche Spingerstellen sollen für Entspannung sorgen. Und der wachsende Asylbereich der Ausländerbehörde wird um vier Stellen erhöht. Der Enge im Gebäude an der Eberhardstraße wird dadurch abgeholfen, dass man zusätzliche Räume an der Jägerstraße anmietet. Für Maßnahmen, die das Betriebsklima verbessern, steht jetzt ein Budget von 15 000 Euro zur Verfügung.

Hoffnung auf Lesung des neuen Haushaltsplans

Und natürlich setzt man beim Ordnungsamt darauf, dass in der zweiten Lesung des neuen Haushaltsplans das Thema aufgerufen und der Rat zusätzliche Stellen beschließt. Dies alleine aber werde die Lage nicht verbessern, so Dorothea Koller. „Das wird uns nur nutzen, wenn wir auch beim Krankenstand und bei der Fluktuation zu deutlichen Verbesserungen kommen.“

Einige Fraktionen kritisierten, dass die Probleme seit langem bekannt seien. Darauf reagierte Martin Schairer mit dem Hinweis, diese seien auch dem Rat bekannt gewesen, der aber kein Geld für weitere Stellen bewilligt habe. Man möge deshalb „von Schuldzuweisungen absehen“.

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