Formel-1-Absagen Der Weg zurück in den Rennzirkus wird immer länger

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Die Rennserie muss auch den geplanten Saisonstart in Baku verschieben – damit sind schon acht Grand-Prix-Termine von der Corona-Krise betroffen. Keiner weiß, wann es losgeht, die Verunsicherung nimmt zu.

Die Ampeln in der  Formel 1 stehen auf rot – auch der Grand Prix von Aserbaidschan wird verschoben. Foto: imago/HochZwei
Die Ampeln in der Formel 1 stehen auf rot – auch der Grand Prix von Aserbaidschan wird verschoben. Foto: imago/HochZwei

Stuttgart - Not macht erfinderisch. Derzeit messen sich die Formel-1-Piloten in virtuellen Rennen miteinander, und die Fans können ihnen dabei zuschauen. Ob die Rennserie sich einmal so in ferner Zukunft präsentiert? Wer weiß das schon. Es weiß ja auch keiner dieser Tage, wie das Leben mit dem Coronavirus in den nächsten Wochen weitergeht.

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Im Hinblick auf die Formel 1 lässt sich bislang nur eines sagen: die Saison 2020 ist verpfuscht. Immer mehr Rennen werden verschoben oder abgesagt, es nimmt kein Ende. Zuletzt musste sich der Weltverband Fia von den Gedanken verabschieden, am 7. Juni in Aserbaidschan in die Saison zu starten. Wie die Rennen in Australien, Bahrain, Vietnam, China, in den Niederlanden und Spanien wird auch der Grand Prix in Baku auf unbestimmte Zeit verschoben. Das nur sehr aufwendig zu organisierende Monaco-Rennen wurde sogar ersatzlos gestrichen. Dass die Formel 1 nun am 14. Juni in Montreal in die Saison startet, glauben indes wohl nur noch Träumer. Der Rennserie fliegt derzeit der geplante Terminkalender schonungslos um die Ohren.

Der Aufwand den Formel-1-Tross zu bewegen ist groß

Wann die verschobenen Rennen nachgeholt werden können – es steht in den Sternen. Die dafür geopferte Sommerpause ist viel zu kurz und der logistische Aufwand für den gigantischen Formel-1-Tross viel zu groß. Die Corona-Hürden scheinen unüberwindbar. Der Weltverbands-Präsident Jean Todt spricht von einer „historischen Pandemie“. Und: „Niemand weiß, wann unser Leben zurück zur Normalität findet.“

Mit diesem Problem steht die Formel 1 nicht allein da. Derzeit befinden sich die Teams in der vorgezogenen Sommerpause, dabei bietet eine noch nicht gestartete Saison ja eigentlich gar keinen Grund, um sich auszuruhen. Doch der komplette Laden ist lahmgelegt. Die Teammitglieder befinden sich überwiegend zu Hause. Es gibt ja auch nichts anderes zu tun, als sich und die Mitmenschen auf diese Weise zu schützen.

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Nur zu gerne hätte der Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey große Gewinne eingefahren in diesem Jahr – mit einem Rekordkalender von 22 Rennen. Nun laufen bereits Wetten, wie viele Grand Prix es tatsächlich werden. „Ich tippe mal auf 19“, sagt der Mercedes-Sportchef Toto Wolff und gehört mit seiner Prognose zu den Optimisten. Andere setzen dagegen und sprechen von 17, 16 oder 15 Veranstaltungen. Nach unten gibt es keine Grenzen.

Ganz gleich wie es kommt, das Coronavirus gibt weltweit den Takt vor – so auch im schnellsten Geschäft der Welt. „Egal was passiert, dieses Jahr wird auch bei uns in die Geschichte eingehen – aber wir gefährden sicher nicht die Gesundheit unserer Mitarbeiter“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dessen Pilot Max Verstappen großen Respekt vor dem Virus hat. „Er sagte mir am Telefon, dass er panische Angst vor einer Ansteckung hat“, erzählte der Teamberater Helmut Marko der „Kronenzeitung“.

Hamilton lebt in Isolation

Entwarnung gab den Formel-1-Fans derweil der Champion Lewis Hamilton: „Hallo Leute, ich hoffe, ihr bleibt alle gesund und beschäftigt. Es gab Spekulationen, weil ich vor 17 Tagen zwei Menschen getroffen habe, die später positiv getestet wurden. Mir geht es gut, den beiden Menschen auch. Mein Arzt sagte mir, dass ich keinen Test brauche“, teilte der Mercedes-Star in den sozialen Medien mit und gab dazu noch einen kleinen Einblick in seinen Alltag: „Ich wasche mir dauernd die Hände und habe mich selber isoliert.“

Das Coronavirus hat die Formel-1-Welt in ihre tiefste Krise gestürzt. Wegen der fehlenden Einnahmen könnte das Haas-Team noch dieses Jahr den Stecker ziehen, der französische Pilot Romain Grosjean hält solch ein Szenario für möglich. Um die Teams vor dem Kollaps zu bewahren, wurden schon die für 2021 vorgesehenen, schwerwiegenden Regeländerungen auf das Jahr 2022 verschoben. Außerdem wird die Stimmung vom Betrugsverdacht, unter dem sich die Scuderia Ferrari befindet, stark getrübt. So schnell die Formel-1-Autos auch sind – der Weg zurück ins Rennleben wird immer länger.