Frankreich Besser verkaufen auf Deutsch

Die deutsche Sprache wird in Frankreich gelernt – auch, weil immer mehr Firmen deutsches Vokabular in ihre Werbung einbauen. Foto: dpa
Die deutsche Sprache wird in Frankreich gelernt – auch, weil immer mehr Firmen deutsches Vokabular in ihre Werbung einbauen. Foto: dpa

Die deutsche Sprache ist in – viele Firmen traktieren die Franzosen mit dem Idiom des Nachbarn. Das lässt wohl die Verkaufszahlen steigen.

Korrespondenten: Axel Veiel (axv)
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Stuttgart - N

a also, es geht doch. Wer sagt denn, die Franzosen hätten keine Lust, sich an den gutturalen Lauten der deutschen Sprache abzuarbeiten? Alle lernen sie jetzt Deutsch, und zwar von der Pike auf. Sie können nicht anders. Überall schlägt ihnen das Idiom des Nachbarn entgegen. Großunternehmen haben herausgefunden, dass es sich auf Deutsch besser verkauft. Laut Umfragen verbinden die Franzosen damit noch immer Wertarbeit, Zuverlässigkeit, Gründlichkeit, Erfolg.

Und so findet die in Frankreichs Schulen nur noch von einer Minderheit erlernte Sprache bröckchenweise den Weg in Werbeanzeigen, Fernsehspots und in die Köpfe. Angefangen von den Artikeln „der, die, das“ über das Adverb „natürlich“, das nachfragende „nicht wahr?“ bis hin zum deutschen Exportschlager „Auto“: nichts fehlt im landesweiten Sprachkurs. Das Zugunternehmen Thalys wirbt für die Verbindung Paris–Amsterdam mit dem Hinweis, dass man trotz umfassendem Zeitungssortiment an Bord „natürlich“ auch eigene Lektüre mitbringen könne, „nicht wahr?“. Volkswagen führt den Begriff „das Auto“ ein. Opel wartet mit dem Plural des Substantivs auf: „Wir leben Autos.“ Ob sich die Franzosen, der Grundbegriffe des Deutschen mächtig, allerdings auch für die auf Deutsch gepriesenen Verkehrsmittel entscheiden – darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Renault hat nämlich eine Gegenoffensive gestartet. Auch der französische Autobauer reicht zwar deutsches Vokabular. Das Personalpronomen „ich“ führt er ein oder auch das Fragewort „warum“. Aneinandergereiht wohnt den beiden Wörtern geradezu philosophischer Tiefgang inne. Aber dann legt Renault den Rückwärtsgang ein. Die Franzosen hätten keinen Grund, in die rechtsrheinische Ferne zu schweifen, wo das Gute doch so nah sei, gibt der Werbespot zu verstehen. Der „french touch“, das gewisse französische Etwas, Humor, Charme, gebe es im eigenen Land. Als wäre die Botschaft für Deutschschüler nicht schon demotivierend genug, kommt sie in abschreckendem Kauderwelsch daher: „Das voiture, die climatisation, ich, warum, warum, warum!“ Thalys, VW und Opel werden nachlegen müssen, soll ihr Werbefeldzug nicht vergebens gewesen sein.




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