Gastronomie in Leonberg Großes Stühlerücken für Essen mit Abstand

Bloß nicht zu nahe: Im Grünen Baum zieht Martin Banzhaf eine Trennwand im Gastraum hoch. Foto: factum/Jürgen Bach
Bloß nicht zu nahe: Im Grünen Baum zieht Martin Banzhaf eine Trennwand im Gastraum hoch. Foto: factum/Jürgen Bach

In den Restaurants laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung in der kommenden Woche.

Leonberg: Thomas Slotwinski (slo)
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Leonberg - Ein guter Chef muss anpacken können. Diese Erfahrung machen Gastronomen landauf landab. Überall laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnungen kommende Woche. Die Wirte gehen mit gemischten Gefühlen in die neue Phase, die nach Einschätzung von Martin Banzhaf lange andauern wird. „Mit Abstand werden wir leben müssen“, sagt der Chef des Restaurants Grüner Baum in Warmbronn.

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Dafür hat sein Team die Gasträume umgebaut: Die Tische haben wie vorgeschrieben anderthalb Meter Abstand, im Wintergarten gibt es einen zweiten Zugang. „Damit es am Haupteingang keine Staus gibt, wenn mehrere gleichzeitig kommen“, sagt Banzhaf, dessen Familie das Restaurant in vierter Generation führt. Um genau das zu vermeiden, müssen die Gäste reservieren und dabei gleich ihre Daten angeben – so wie es die Corona-Verordnung des Landes verlangt. „Gerade an starken Tagen wie sonntags kriegen wir es ohne Reservierung nicht hin, dass an den Tischen die Vorschriften eingehalten werden“, sagt der Baum-Chef.

Nur jeder zweite Tisch

Gäste können sich nicht einfach irgendwo hinsetzen. Erlaubt sind Tischgesellschaften, die aus maximal zwei Haushalten kommen. Das können zwei oder mehrere Leute sein. Nicht gestattet ist, dass Menschen zusammensitzen, die in mehr als zwei unterschiedlichen Wohnungen leben.

Den Kollegen in anderen Restaurants geht es ähnlich .„Wir geben nur jeden zweiten Tisch frei“, sagt Michael Wagner. „Dadurch können wir sowohl unten als auch auf unsere Galerie bedienen.“ Der Betriebsleiter des Brauhauses Sacher, und da ist er in Gesellschaft mit den meisten anderen Gastronomen, fühlt sich „nicht wirklich informiert“, was geht und was nicht. „Zum Beispiel ist nicht klar, ob eine Reservierungspflicht vorgeschrieben ist.“

Personal muss Gäste bringen

Das Brauhaus am Leonberger Bahnhof lebt stark von der Laufkundschaft. „Daher haben wir einen Tisch am Eingang als Blockade aufgestellt, damit nicht zu viele hereinkommen“, berichtet Wagner. Denn diese Vorschrift ist eindeutig: Das Personal muss die Gäste zum Tisch bringen.

Nikos Tsatsas ist froh, dass über seinen Gasträumen noch ein großer Saal ist, in dem sich sonst Geburtstags- oder andere Festgesellschaften treffen. „Wir mussten mehrere Tische aus dem Restaurant herausräumen“, schildert der Chef des Ochsen am Leonberger Marktplatz. „Die haben wir jetzt mit genügend Abstand im Saal aufgestellt.“ Seine griechisch-deutsche Küche will Tsatsas wieder anbieten.

Hygiene versus Gemütlichkeit?

Waltraud Schäffer-Steiner freut sich auf den Montag. „Wir könnten schon am Wochenende starten“, sagt die Wirtin des Café Carré . „Natürlich haben wir auch Tische und Stühle in den Keller gebracht“, berichtet die erfahrene Gastronomin. „Jetzt muss man mal sehen, wie es läuft. Einige unserer Stammgäste haben schon gefragt, wann es endlich losgeht.“

Am Schlosshotel Höfingen wird der Biergarten auf Vordermann gebracht. Foto: factum/Bach
Nicht ganz so optimistisch ist Kay Philipp vom Schlosshotel Höfingen. „Die Frage ist, ob bei den Hygieneauflagen die Gemütlichkeit entstehen kann, die die Gäste mögen.“ Der Küchenchef setzt auf den renovierten Biergarten mit kleinen Speisen. Drinnen gibt es ein Buffet und Außer-Haus-Verkauf. „Der läuft richtig gut“.

Das Mitnahme-Geschäft ist in der Krisenzeit auch das Erfolgsrezept von Klaus Bertleff, der sein Wirtshaus am Ezach vorerst nicht wieder öffnet. „Unser Lokal ist zu klein“, sagt er. „Der geforderte Abstand ist nicht machbar.“ Auch die Auflage, nur einen Gast auf die Toilette zu lassen, hält der Chef des Ezach-Eck für problematisch. Genau wie die Empfehlung, dass die Bedienung das Essen auf Servierwagen stellt, von denen es die Gäste sich herunterholen sollen. „Dann können sie doch gleich daheim bleiben.“

Bertleff bietet weiter täglich eine wechselnde Karte zum Mitnehmen an. „Das bringt zwar nicht den Umsatz wie vorher, aber zum Überleben reicht es.“

Info: Esstische statt Parkplätze

Leonberg
: Ist in direkter Nachbarschaft zu einem Speiselokal ein Parkplatz, so dürfen die Betreiber diesen für Außengastronomie benutzen. „Die Gastronomie hat es schwer getroffen“, sagt Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. „Mit der Möglichkeit, Parkplätze zu nutzen, wollen wir sie bei der Wiedereröffnung unterstützen.“ Das muss allerdings beim städtischen Ordnungsamt beantragt werden.

Kontakt
: Telefonnummer 07152 / 9 90 23 60, E-Mail: gewerbeamt@leonberg.de.




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