Gasverbrauch in Deutschland Und im Frühjahr kommt die Nachzahlung
Gas sparen war gestern, der Verbrauch steigt wieder. Kommendes Jahr wird das Gejammer dann groß sein, vermutet unser Redakteur Jan Georg Plavec.
Gas sparen war gestern, der Verbrauch steigt wieder. Kommendes Jahr wird das Gejammer dann groß sein, vermutet unser Redakteur Jan Georg Plavec.
Reicht das Gas diesen Winter? Wie ist der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland? Die Frage stellen sich derzeit nur Experten, anders als vor einem Jahr. Damals redeten alle über Krieg, Lieferstopp und Preisexplosion. Die Furcht war groß, dass das Gas im Spätwinter zwangsweise rationiert werden könnte. Das hat diszipliniert. Vor diesem Hintergrund sollte man in der laufenden Heizperiode auf den Gasverbrauch schauen. Es geht nicht nur darum, wie viel verbraucht wird – sondern auch, wie viel mehr als im Vorjahr verbraucht wird.
Die Preissignale sind an sich eindeutig. Gas ist und bleibt teurer als vor der Energiekrise. Aber es ist eben nicht mehr ganz so teuer wie im vergangenen Jahr – für Gewerbe und Industrie schon seit etlichen Monaten, für Haushaltskunden erst jetzt. Das mag auch damit zu tun haben, wie schnell die Entwicklungen an den Börsen auf die Tarife durchschlagen. Interessanter ist, dass derzeit alle mehr Gas verbrauchen als vor einem Jahr. Wenn das bei Gewerbe und Industrie bedeutet, dass auch mehr produziert wird, ist es zumindest gut fürs Bruttoinlandsprodukt. Dem Klima schadet es. Und weil es weiterhin viel teurer ist als vor der Krise, fehlt das Geld für andere Dinge.
Es stimmt, Deutschland verbraucht infolge der insgesamt deutlich gestiegenen Preise weiterhin weniger Gas als vor der Energiekrise – aber eben nur gerade so viel weniger wie unbedingt nötig. Man kann das effizient nennen oder nachlässig. Denn ein höherer Bedarf bedeutet höhere Ausgaben, eine größere Abhängigkeit und es darf auch nichts Unerwartetes dazwischenkommen, etwa erneute Sabotage an Pipelines. Ob Nachzahlung oder Gasmangel – im Frühjahr kommt die Rechnung für den aktuell hohen Verbrauch.
Dass mehr Sparen möglich ist, hat das Land schon gezeigt. Jetzt darauf zu bauen, dass man das schon ein zweites Mal schaffen würde, wenn man denn müsste, ist höchstens die zweitbeste Lösung – und infolge absehbar weiter steigender Gaspreise auch sicher nicht die wirtschaftlich vernünftige.