Geschäftsaufgaben zum Jahresende Dem Kornwestheimer Wochenmarkt droht ein Engpass bei Metzgern
Gleich drei Metzger auf dem Wochenmarkt in Kornwestheim hören zum Jahresende auf. Es droht ein Engpass, der für Stadt und Markt zum Problem werden könnte.
Gleich drei Metzger auf dem Wochenmarkt in Kornwestheim hören zum Jahresende auf. Es droht ein Engpass, der für Stadt und Markt zum Problem werden könnte.
Zum Jahresende macht Peter Baur Schluss. Nach 48 Jahren geht der Metzgermeister in Ruhestand. Das bedeutet, dass er auch auf dem Kornwestheimer Wochenmarkt nicht mehr anzutreffen sein wird, wo er seit 2007 aus seinem Verkaufswagen heraus die Fleisch- und Wurstwaren der Landmetzgerei Heinzelmann anbietet. Und auch zwei weitere Metzger ziehen sich zum Ende des Jahres vom Markt zurück. Das könnte die Stadt vor ein Problem stellen.
Den Spaß an seinem Job hat Baur ganz offensichtlich nicht verloren, mit den Stammkunden unterhält er sich in Kornwestheim gerne auch ein bisschen länger, wenn es das Besucheraufkommen denn zulässt.
Aber die Tage sind lang, und die Wege teilweise weit. Kaum einmal geht er später als fünf Uhr aus dem Haus und ist früher als 19 Uhr zurück. Hier sieht Baur auch den Hauptgrund dafür, dass er keinen Nachfolger für sein Mobil gefunden hat: „Das Geld ist nicht das Problem, da schrecken eher die Arbeitszeiten ab.“ So verliert der Kornwestheimer Wochenmarkt einen langjährigen Beschicker – und es ist nicht der einzige.
Auch Ines Weger vom Thüringer Wurstmarkt baut zum Ende des Jahres ihre Zelte ab. Im Gegensatz zu Peter Baur tut sie das aber nicht freiwillig. „Die Kosten sind mittlerweile so hoch, das kann ich alleine nicht stemmen“, sagt sie nicht ohne Groll, denn im kommenden Jahr wären es für sie 30 Jahre auf dem Kornwestheimer Wochenmarkt gewesen. „Es ist wirklich schade, aber es trägt sich einfach nicht mehr.“
Aus Kostengründen muss auch Dietmar Engert vom Grünen Markt Hohenlohe-Tauber aufgeben. „Wir schlachten alle unsere Tiere selbst, aber das schaffen wir kostentechnisch nicht mehr“, erklärt Engert. „Und Waren zukaufen, das wollen wir nicht.“
Die Schweineschlachtung stellt Engert deshalb komplett ein, sein Rindfleisch will er künftig nur noch privat verkaufen und nicht mehr auf Märkten. „Die Preise galoppieren immer weiter nach oben“, sagt der Metzger. Neben hohen Strom- und Gaspreisen oder Spritkosten falle beispielsweise auch der angehobene Mindestlohn ins Gewicht. „Wir können das nicht einfach alles an die Kunden weitergeben.“
Auch diejenigen, die dem Wochenmarkt erhalten bleiben, haben mit den Kostenerhöhungen zu kämpfen. „Das fällt ja nicht nur in Kornwestheim ins Gewicht, sondern überall“, sagt Gudrun Walker vom Geflügelhof Walker in Remseck. Und Daniela Neumair vom Trochtelfinger Hühnerhof ergänzt: „Wenn es so weitergeht, sterben Wochenmärkte irgendwann aus.“
Die Stadt Kornwestheim gibt an, ihr liege derzeit lediglich die Kündigung eines Metzgers vor. Ein möglicher Ersatz sei bereits angefragt, hier stehe eine Antwort noch aus. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Sollten die Metzgerei-Angebote wegfallen, die typischerweise zu einem Wochenmarkt gehören, wäre das aus Sicht der Stadtverwaltung ein Qualitätsrückgang.“
Entspannter sieht die Lage in Ludwigsburg oder Bietigheim-Bissingen aus. Dort gebe es in keinem Angebotsbereich Engpässe auf dem Markt, teilen beide Städte mit. In Ludwigsburg ziehen sich zum Jahresende drei Beschicker zurück, die alle ersetzt werden können. Die Bietigheimer rechnen damit, dass alle an Bord bleiben. „Grundsätzlich hat sich die Anzahl der Wurst- und Fleischanbieter in den letzten Jahren reduziert“, schreibt Wochenmarkt-Ausrichter Tourismus & Events Ludwigsburg dennoch, führt das aber vor allem darauf zurück, dass generell weniger Fleisch gegessen werde.
Die Kornwestheimer wollen weiter proaktiv nach Ersatz für ihre Ausfälle suchen. Allerdings deute sich an: „Stand heute wird ein reiner Metzgerwagen ab Januar fehlen.“