Gestaltung der Vaihinger Ortsmitte Die Umgestaltung des Markts wirft Fragen auf

Von Götz Schultheiss 

Mit einem umgestalteten Vaihinger Markt soll der Stadtbezirk eine neue Ortsmitte erhalten. Die Stadtverwaltung dreht dafür am großen Rad, die Vaihinger wünschen sich erst einmal rasche kleine Schritte.

Der Vaihinger Markt ist kein Ort, an dem man gerne verweilt. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Foto: Alexandra Kratz
Der Vaihinger Markt ist kein Ort, an dem man gerne verweilt. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Der Vaihinger Markt, darin sind sich im Stadtbezirk alle einig, ermuntert eher zum Weglaufen als zum Verweilen. Deshalb soll er neu gestaltet werden. Wie das geschehen soll und welche Schritte Priorität erhalten, erfuhren die Vaihinger Bezirksbeiräte in ihrer Sitzung am Dienstagabend. Dem Leiter der Abteilung Stadterneuerung im Stadtplanungsamt, Martin Holch, und seinen Mitarbeitern sowie Vertretern der Planungsbüros Bloch Partners und Die Steeg gelang eine coole Präsentation, denn wegen Corona waren die Fenster zum Lüften des Rudi-Häussler-Bürgersaals sperrangelweit geöffnet.

Die der Kälte wegen dick vermummten Bezirksbeiräte erfuhren von den Planern, dass diese die Variante 1 von vier Gestaltungsmöglichkeiten des Umsetzungskonzepts favorisierten. Darin enthalten ist auch ein Verkehrsplan, der im Bezirksbeirat noch auf Skepsis stößt, denn danach soll die Straße Vaihinger Markt, die am Bezirksrathaus vorbeiführt, zur Tempo-20-Zone werden. Vor allem Bezirksbeiräte der CDU (Uli Bayer) und der FDP (Volker Weil) befürchten, dass auf der wichtigen Verkehrsachse Richtung Universität und Dachswald deshalb Staus entstehen. Im Einklang mit anderen Bezirksbeiräten können sie sich dies erst zusammen mit einem Verkehrskonzept für den ganzen Stadtbezirk inklusive dem Synergiepark vorstellen.

Der Handel soll sich im Ortskern am Markt konzentrieren

Den Planern schwebt vor, dass sich am Vaihinger Markt der Handel im Ortsteil konzentrieren soll, damit dort ein echtes Zentrum entsteht. Das sieht der Bezirksbeirat Gerhard Wick (Die Fraktion) anders. Er will die Konzentration des Handels auf einen Punkt zu Lasten des südlich vom Vaihinger Markt gelegenen Areals nicht nachvollziehen und plädiert dafür, den Vaihinger Markt und den südlich davon gelegenen Bereich, zu dem der Stadtpark gehört, miteinander zu verbinden und die Hauptstraße zur verkehrsberuhigten Zone zu machen. Die Planer sehen dies anders: Zwar seien die Geschäfte im Umkreis des Vaihinger Marktes zu Fuß erreichbar, erfahrungsgemäß tendierten Kunden jedoch dazu, Fußwege zu vermeiden und zögen die Konzentration der Geschäfte an einem Ort vor. Davon profitierten auch die Geschäfte. Ein Aldi und ein Lidl, ein DM-Markt und eine Müller-Filiale in nächster Nähe seien kein Widerspruch, denn durch unterschiedliche Sortimente zögen sie gegenseitig Kundschaft an. So biete beispielsweise Müller im Gegensatz zu DM auch Spielwaren an. Demgegenüber waren sich die Bezirksbeiräte einig, dass das künftige Angebot auf dem Markt nicht zu Lasten der Schwabengalerie gehen dürfe.

Die Verwaltung will dem Bürgerwunsch nach einem Lesegarten zuerst Rechnung tragen

Einhelliges Lob erntete der Vorschlag der Planer, die Stadtteilbibliothek im Haus 6 des Vaihinger Markts aufzuwerten. Es sei vorgesehen, dass auf dem Marktplatz ein begrünter Lesegarten entsteht, in dem Bibliotheksbesucher entspannt im Freien schmökern können. Weil die Umgestaltung des Marktes ein Jahrzehnte währender Prozess sei, sagte Martin Holch, lasse sich mit dem Lesegarten verhältnismäßig rasch ein für die Bürger sichtbares Signal der Neugestaltung setzen. An der Priorisierung des Lesegartens schieden sich im Gremium die Geister. So verwies Ivo Josipovic, der Ansprechpartner für behinderte Menschen in Vaihingen, auf den holprigen Plattenbelag auf dem Marktplatz: „Die Platten sind für Ältere und Kinder lebensgefährlich. Sie sollten zuerst erneuert werden.“ Martin Holch erinnerte das Gremium jedoch daran, dass die Priorisierung der Aufwertung der Stadtteilbibliothek keine Idee der Stadtverwaltung gewesen sei: „Bei der Bürgerbefragung rangierte sie mit an vorderster Stelle.“ Außerdem stieß die Idee der Planer, einen Quartiersmanager als Ansprechpartner für die Sanierung des Marktes einzusetzen, bei dem Bezirksvorsteher Kai Jehle-Mungenast auf Unverständnis. „Eigentlich ist es Aufgabe des Bezirksamts, im Quartier zu vernetzen“, sagte er. Sollte das Bezirksamt wie schon lange gewünscht personell aufgestockt werden, dann solle diese Aufgabe dort angesiedelt sein. Und noch etwas gab Jehle-Mungenast den Planern mit: „Seit 2016 schlägt der Bezirksbeirat einfache Maßnahmen zur Aufwertung des Platzes vor. Man müsste sie einfach einmal umsetzen. Dann wären wir schon weiter.“




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