Großbaustelle bei Merklingen Albautobahn wird entschärft

Von  

Der Ausbau der Autobahn A8 bei Merklingen liegt im Plan. Knapp 80 Millionen Euro sind in die Erneuerung zwischen Ulm und Hohenstadt geflossen. Direkt neben der Autobahn baut die Bahn an der ICE-Strecke, eine enge Abstimmung ist zwischen beiden Baustellen ist notwendig.

Autobahn und ICE-Gleise verlaufen nur 25 Meter voneinander entfernt. Foto: Bäßler
Autobahn und ICE-Gleise verlaufen nur 25 Meter voneinander entfernt. Foto: Bäßler

Merklingen - Der Ausbau des 23 Kilometer langen Teilstücks der Autobahn 8 zwischen Ulm-West und Hohenstadt liegt im Plan. Das haben am Dienstag Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen mitgeteilt. Sowohl die geschätzten Gesamtkosten von 203 Millionen als auch der Fertigstellungstermin Ende 2018 seien nicht in Gefahr, sagte bei einem Baustellentermin der Projektingenieur Jürgen Elsner. Im Budget sind auch die Grunderwerbskosten enthalten. Der Bund zahlt den Planungen zufolge knapp 200 Millionen Euro. 78 Millionen Euro sind bereits verbaut.

Nachdem mit Baubeginn 2012 die Hemmnisse für Autofahrer stückweise immer größer wurden, ist inzwischen eine erste spürbare Entlastung eingetreten. Von der Anschlussstelle Ulm-West in Fahrtrichtung Stuttgart sind jetzt drei Fahrstreifen auf zwei Kilometer Länge geöffnet. Anwohner der an der Autobahn gelegenen Gemeinde Dornstadt sind zugleich von Lärm befreit worden. Im Bereich der Anschlussstelle ist ein so genannter offenporiger Asphalt verbaut worden, der etwa zwei Dezibel Lärm schlucken soll. Zudem stehen die bis zu zehn Meter hohen Lärmschutzwälle.

Auch für die Umwelt gibt es eine Teilentlastung. Mit Beginn der Arbeiten sind entlang der Ausbaustrecke acht Regenrückhaltebecken gebaut worden. Kaskadenförmig fallen sie in Richtung Dornstadt ab. Auf der bisherigen Strecke floss das mit Öl und Teer versetzte Oberflächenwasser der Autobahn schlicht in die Böschung – und damit in angrenzende Wiesen und Felder auf der Albhochfläche.

Autobahnbau und Gleisbau in enger Abstimmung

Während für den Autobahnbau das Land Baden-Württemberg zuständig ist, fungiert nebenan die Deutsche Bahn als Bauherrin. Die neuen Fahrstreifen und das Gleisbett verlaufen im Durchschnitt nur 25 Meter voneinander entfernt, und das auf eine Länge von 20 Kilometer. Aber nicht nur deswegen sind die Arbeiter beider Auftraggeber täglich aufeinander angewiesen. Für beide Maßnahmen besteht seit März 2010 ein gemeinsamer Planfeststellungsbeschluss, zudem ist ein gemeinsames Verkehrslenkungskonzept erarbeitet worden, wie Ingenieur Elser beschreibt.

Das Konzept regelt unter anderem, wie mit kreuzendem Verkehr während der jahrelangen Bauphase umgegangen wird. Unter der Regie des Landes steht der Bau von 30 zumeist völlig neuen Brückenbauwerken. Die Bahn baut ihrerseits weitere 26 Querungen. Immer muss gemeinsam abgesprochen werden, wann etwa schon fertige oder noch alte Brücken über die A 8 für Landwirte oder den Individualverkehr geöffnet bleiben.

Nicht zuletzt müssen sich die Sprengmeister beider Großbaustellen absprechen. Nicht nur die Bahn setzt auf der Alb Explosivstoffe ein, um Platz für Tunnel und Tröge zu schaffen. Auch die Autobahnbauer sprengen. Für die Sprengungen, die stets in die Abendstunden um 19 Uhr verlegt werden, muss die Polizei aufwendig den Verkehr stoppen.

Berg-und Talfahrt auf der Autobahn wird entschärft

Mit der neuen Fahrstrecke wird für einen stauärmeren Fahrbetrieb der Berg-und-Tal-Charakter der bisherigen A 8 verschwinden, das bedingt teilweise meterhohe Geländeabtragungen. An anderen Stellen werden Einschnitte verfüllt und Abrollwälle aufgeschichtet. Fahrzeuge, die bei einem Unfall die Leitplanken durchbrechen, sollen auf keinen Fall auf die rund zwei Meter tiefer liegenden benachbarten ICE-Gleise stürzen können. Benutzt wird für all das das Aushubmaterial, das Bohrer und Bagger im Auftrag der Bahn aus den ICE-Tunnelbaustellen schaffen. Müsste dieses Erdmaterial zugekauft werden, wäre der Kostenrahmen nicht zu halten, sagt Jürgen Elsner.

Auf der A 8 fahren aktuell täglich rund 67 000 Fahrzeuge. An den Alb-Gefällstrecken werden sie auch nach 2018 langsam fahren müssen. Die Landes-SPD, auf deren Initiative die Baustellenbesichtigung stattfand, sieht darin eine Aufgabe der Zukunft. „Wir müssen den Albaufstieg knacken“, sagte in Merklingen der Fraktionschef Claus Schmiedel. Das sei für die Entwicklung des Landes von großer Bedeutung.