Gründertipps: Samira Djidjeh, Greenboxx Animation Die Chance ergreifen

Von Sabine Marquard 

Das Trickfilmstudio Greenboxx Animation hat 2019 zwei Filmpreise gewonnen. Wir haben die Gründerin Samira Djidjeh zu ihren Erfahrungen mit ihrem Start-up befragt.

Sich nicht von Pessimisten anstecken lassen, eines der Prinzipien von Samira Djidjeh. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Sich nicht von Pessimisten anstecken lassen, eines der Prinzipien von Samira Djidjeh. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wir sind ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Samira Djidjeh über ihre Startphase vor fünf Jahren. Sie und ihr Co-Geschäftsführer Michael Möller haben im Herbst 2014 Greenboxx Animation gegründet, ein Studio für animierte Kommunikationsfilme. Beide hatten zuvor als Freelancer schon hin und wieder zusammengearbeitet. „Dann sahen wir die Chance, gemeinsam größer zu planen und Projekte, die wir alleine nicht hätten stemmen können, umzusetzen“, sagt die 36-Jährige.

Ihre kreativen Fähigkeiten zu bündeln, schien ihnen einfach perfekt: Er war auf Computeranimation, Effekte und Schnitt spezialisiert und sie auf klassische Illus­tration und Zeichentrick. Doch was es bedeutet, eine Firma zu gründen, ist beiden erst so nach und nach klar geworden.

Viele Hürden für Gründer

„Gründen wird einem nicht leicht gemacht“, sagt Djidjeh rückblickend und zählt die Hürden auf. Anfangs sei es schwierig gewesen, an wissenswerte Informationen zu kommen, Räumlichkeiten für das Studio zu finden, Neukunden zu gewinnen und Fördergelder zu erhalten. Hilfe bekamen sie kaum. „Es gab wenig Angebote für unsere Branche, sich umfassend zu informieren.“

Die beiden Gründer mussten lernen, sich bei vielen Themen abzustimmen. „Unsere Projekte wurden größer, die Kundenansprüche wurden größer, wir hatten Verantwortung für andere“, sagt die Designerin. In den ersten Jahren sei der Fokus fast ausschließlich nach innen gerichtet gewesen. „Es ging um Weiterbildung, es ging darum, interne Strukturen aufzubauen und Angebote für Kunden zu entwickeln.“ Manchmal seien die Projekte schneller gewachsen als die internen Strukturen. Sie mussten lernen zu erkennen, wann beispielsweise der Punkt erreicht ist, Aufgaben wie die Buchhaltung auszulagern.

Netzwerke sind enorm wichtig

Unterschätzt habe sie, sagt Djidjeh, wie wichtig berufliche Netzwerke sein können. „Netzwerke hielten wir für Luxus, für Zeitverschwendung.“ Doch in Netzwerken finde man Leute, die einem bei einem Anliegen weiterhelfen können. Es sei ein Geben und ein Nehmen.

Derzeit läuft es rund für die beiden Gründer. Die Nachfrage nach animierten Kommunikationsfilmen steigt. 2019 sei bisher „ein ziemlich erfolgreiches Jahr“ für Greenboxx Animation, sagt die gebürtige Regensburgerin: „Wir haben zwei Filmpreise gewonnen, eine wichtige Geschäftsbeziehung verstärkt und erstmals ein eigenes Spiel in den App-Store gebracht.“ Nebenher sei noch der Außenauftritt überarbeitet worden. Ein besonderer Augenblick war 2018, als Greenboxx erstmals einen deutlich sechsstelligen Umsatz erreichte. „Für uns als kleines Studio war das ein Meilenstein“, sagt Djidjeh.

Was sie anderen Gründern mit auf den Weg geben will, hier im Fragebogen.

An welchem Ort kommen Ihnen die besten Ideen?

Ich habe dafür keinen speziellen Ort. Wie sich eine Idee entwickelt, hat für mich mehr damit zu tun, mit wem ich mich austausche.

Wie wappnet man sich gegen den Schock, wenn die tolle Idee mit der bitteren Realität konfrontiert wird?

Indem man sich so viel wie möglich informiert und mit erfahrenen Leuten redet. Auch die erfolgreichsten Menschen sind nur mit Durchhaltevermögen und Resilienz weitergekommen.

Aus welchem Scheitern haben Sie das meiste gelernt?

Ich habe gelernt, dass die Angst vor dem Scheitern der Todfeind des Erfolgs ist. Die Chancen, die ich nicht ergriffen habe, weil ich zu viel Angst vor dem Scheitern hatte, frustrieren mich heute viel mehr als das Scheitern selbst.

Und was war das größte Erfolgserlebnis?

Die Veröffentlichung unseres ersten Puzzle-Games. Wir haben ohne Vorkenntnis innerhalb von sechs Monaten ein eigenes Spiel entwickelt und in den App-Store gebracht.

Was ist der größte Irrtum, wenn es darum geht, kreativ sein zu wollen?

Dass es etwas mit einem angeborenen Talent zu tun hätte. Oder noch schlimmer: dass man dafür etwas Bestimmtes studiert haben muss.

Wann haben Sie selbst mal zu jemandem „Das geht nicht!“ gesagt?

Zu mir selbst und viel zu oft. Aber da bin ich ja leider in bester Gesellschaft, denn viel zu viele Menschen trauen sich zu wenig zu. Ich übe mich mittlerweile darin, mutiger zu sein und mir selbst keine Grenzen mehr zu setzen.

Was war der größte Konflikt mit Ihrem Umfeld?

Mir bewusst zu werden, dass ich mir das Urteil anderer nicht ungefiltert zu Herzen nehmen sollte. Ich habe entschieden: Schwarz­malerei und Vorurteile anderer rund um Selbstständigkeit, Kreativbusiness und finanzielle Risiken passen nicht zu meinem Mindset.

Und wie haben Sie das Problem gelöst?

Ich distanziere mich von Pessimisten. Heute möchte ich meine Zeit möglichst nur mit Leuten verbringen, die wie ich vorwärtskommen wollen und anpacken.

Mal ganz visionär gedacht: Was würden Sie gerne erfinden?

Den Teleporter, also das Beamen von Personen oder Dingen vom einen zum anderen Ort.