GSG in Stuttgart-Sillenbuch Schulleiterin bedauert Hin und Her um Neubau

Von Caroline Holowiecki 

In unserer Serie „Mein 2017“ sprechen wir mit Menschen, die voriges Jahr etwas Außergewöhnliches erlebt haben. Wir fragen nach, wie es ihnen geht, was sich inzwischen verändert hat und blicken auch in die Zukunft. Heute: Irmgard Brendgen, Rektorin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stuttgart-Sillenbuch.

Die Rektorin Irmgard Brendgens beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit dem Thema Neubau oder Sanierung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Foto: Archiv Caroline Holowiecki
Die Rektorin Irmgard Brendgens beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit dem Thema Neubau oder Sanierung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Foto: Archiv Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Das Jahr 2017 war für uns nicht anders als die Jahre zuvor“, sagt Irmgard Brendgen und lächelt etwas gequält, und auch wenn die Rektorin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) in Sillenbuch beteuert, nicht frustriert zu sein, sprechen Sätze wie „Die Gefühlslage wird nicht besser“ doch eine eigene Sprache. Es ist mal wieder nicht weitergegangen in der Frage, ob das mit knapp 1000 Schülern größte Gymnasium der Stadt auf einen Neubau hoffen darf oder ob es doch im laufenden Betrieb saniert wird.

Schulgemeinschaft, Bezirksbeirat, 3623 Unterzeichner beim Bürgerhaushalt, auch Vertreter der Stadtverwaltung und des Gemeinderats sind sich eigentlich einig, dass ein Neubau die bessere Lösung wäre. Wäre da nicht die Filderauffahrt. Die Option auf die Straße blockiert genau jenes Grundstück, auf dem das GSG gebaut werden könnte. Also wurde die Entscheidung im Sommer abermals vertragt, der Ball wurde zur Region gespielt. Spannend wird sein, ob die Trasse im neuen Regionalverkehrsplan endgültig verworfen wird – oder nicht. Eine Entscheidung wird für April erwartet.

Fortwährend positive Signale über Monate

Für Brendgen und ihre Kollegen heißt das: wieder warten. In einem 40 Jahre alten Schulhaus, das zu klein ist und technisch wie baulich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Seit Jahren ist das bekannt. „Man muss aufpassen, dass man nicht irgendwann resigniert“, sagt sie. Seit Jahren könne sie bei Fragen nur vertrösten. „Gott sei Dank schaffen wir es immer wieder, uns gegenseitig zu motivieren“, sagt sie über das Schulteam. In vergangenen Sommer jedoch sei ihr das besonders schwer gefallen. Nach einem Runden Tisch im Herbst 2016 hatte es über Monate fortwährend positive Signale gegeben. Bei Vor-Ort-Terminen versprühten Politiker Zuversicht, aus dem Rathaus hieß es, der Neubau werde vorrangig geprüft – doch dann wurde Ende Mai dem Gemeinderat eine Vorlage präsentiert, die wegen der Planungsschwierigkeiten die Sanierung empfahl. „Da war ich am meisten enttäuscht“, erklärt die Schulleiterin rückblickend, „weil da klar wurde, es geht nicht um unsere Schule und unsere Argumente, sondern um die Straße.“

Das Thema soll aber nicht beherrschend sein

Für die Zwänge, denen die Stadt unterliegt, hat Irmgard Brendgen Verständnis, wie sie betont. Sie sagt aber auch: „Das deckelt unsere Entwicklung. Es erschwert die Organisation.“ Das Haus sei nicht richtig vernetzt, auch eine anständige Alarmierungsanlage gebe es nicht, die Mensa sei viel zu klein, und da Fachräume fehlten, müssten Schüler nach Heumaden ausweichen. Was der Französisch- und Englisch-Lehrerin wichtig ist: Das Thema ist leidig, aber soll nicht beherrschend sein. 2017 wurde dem GSG etwa der Titel „Schule ohne Rassismus“ zugesprochen. „Das ist eine Schule, in der immer viel gemacht und ausprobiert wurde“, lobt sie.

Irmgard Brendgen wird im August 65, zum Ende dieses Schuljahres geht sie in den Ruhestand – nach 20 Jahren als Rektorin und bald 40 Jahren an der Schule. Nach der langen Zeit ist die Bindung zum Haus eng. Was sie neben dem bevorstehenden Abschied umtreibt: „Ich habe das Gefühl, ich hinterlasse etwas Offenes.“ Sie wäre gern schon weiter. Fürs eigene Wohlbefinden, aber auch für den Nachfolger oder die Nachfolgerin. Dass sie das etwas schmerzt, merkt man ihr an. Doch sie lächelt und formuliert es positiv. „Das Gute ist, dass derjenige, der dann hier drin arbeiten muss, auch mitplanen und Weichen stellen kann.“ Sie stockt kurz. „Das war mir verwehrt. Aber ich gönne es anderen.“

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