Guide Michelin Immer weniger Edelküche zu guten Preisen

Markus Elison hat den Bib Gourmand neu für seine Krone in Sulzbach erhalten. Foto: Philipp Reinhard

Der „Guide Michelin“ verleiht zwar immer mehr Sterne, vergibt aber immer weniger Bib Gourmands für eine gute Küche zu moderaten Preisen. Gegenüber dem Vorjahr wurde ein Drittel dieser Auszeichnungen gestrichen. Ein Zeichen der Zeit?

Lokales: Matthias Ring (mri)

Vor Kurzem konnte der wichtigste Gourmetführer wieder Rekorde bejubeln lassen: 340 Sternerestaurants – so viele wie nie zuvor in Deutschland! Dem kann man aber gegenüberstellen: Es gibt nur noch 199 Restaurants „mit unserem besten Preis-Leistungs-Verhältnis“, denn außer den Sternen verleiht der „Guide Michelin“ auch Bib Gourmands, mit der eine „richtig gute Küche zu moderaten Preisen“ ausgezeichnet wird. Vor der Sterne-Gala verkündete der Gourmetführer, dass es 15 neue Restaurants mit einem Bib Gourmand gibt. Verschwiegen wird in der Pressemitteilung indes, dass bundesweit mit 90 rund ein Drittel dieser Auszeichnungen des Vorjahres gestrichen worden ist. Auf diese Zahl kommt man, wenn man rechnet: 2023 gab es noch 274 Bib-Adressen, 2024 sind es trotz der 15 neuen nur noch 199.

 

„Wir konzentrieren uns auf die positiven Nachrichten“, heißt es dazu aus der Michelin-Pressestelle. Zuletzt gab es als Richtlinie für einen Bib Gourmand für ein Drei-Gänge-Menü die „Demarkationslinie“ von 37 Euro. Seit zwei Jahren ist dem nicht mehr so, aber es gibt auch keine Anpassung der Preisgrenze, sondern die Michelin-Inspektoren würden sich untereinander abstimmen, wo man „das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Vordergrund stellen kann“ – und wo eben nicht.

Mehrere neue Bib Gourmands in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es statt 83 nur noch 60 Bib-Adressen. Unter den drei neu Ausgezeichneten ist die Krone in Sulzbach-Laufen (Kreis Schwäbisch Hall), deren Geschäftsführer und Küchenchef Markus Elison sagt: „Wir sind wohl die Einzigen, die einen Bib verloren und einen gewonnen haben.“ 13 Jahre war er mit der Herrengass in Gschwend (Ostalbkreis) ausgezeichnet, ist dann aber in einen Hotelneubau nach Sulzach gewechselt und bietet dort derzeit ein „kleines Frühlingsmenü“ für attraktive 43,50 Euro an.

Die allgemeinen Preissteigerungen und dass so viele Bibs gestrichen wurden, kommentiert Elison folgendermaßen: „Manche Kollegen packen das vielleicht nicht und fühlen sich zu eingeschränkt.“ Mit 199 Adressen jedenfalls ist bundesweit ein historischer Tiefstand erreicht. 2017 gab es zum 20-Jahr-Jubiläum des Bib Gourmands sogar 472 Auszeichnungen. Man könnte also sagen: So wenig bekommen für sein Geld hat man in Deutschlands Gastronomie lange nicht.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Guide Michelin