Gymnasium in Leinfelden Schüler starten Stratosphären-Ballon

Der mit Helium gefüllte Ballon ist am Montagmorgen auf die Reise gegangen. Foto: Schöll

Zwei Klassen des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Leinfelden haben ein spektakuläres Projekt mit vielen Unwägbarkeiten in Angriff genommen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Vor dem Start war die Anspannung bei allen Beteiligten groß. Einen Forschungsballon in die Stratosphäre schicken – das machen Schüler und auch Lehrer nicht alle Tage. Zwei achte und neunte Klassen des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG) in Leinfelden haben den Versuch am Montag im Rahmen eines Projekts gewagt.

 

Mehrere Wochen haben die rund 40 am Projekt Beteiligten der Klassen 8c und 9c fächerübergreifend an den Vorbereitungen gearbeitet. Hauptaufgabe war neben der Planung des Flugs die Konstruktion einer Sonde, die mehrere Experimente beinhalten sollte. In verschiedenen Unterrichtsfächern konnten dabei Inhalte behandelt werden: von Mathematik, Naturwissenschaft und Technik (NWT), Physik und Chemie bis zum Deutschunterricht, wie der Lehrer David Kuhn am Montag direkt vor dem Start des Forschungsballons erklärte.

Umfangreiche Vorbereitungen

„Das war total vielseitig. Und die Schüler waren extrem motiviert“, so Kuhn. Bevor der mit Helium gefüllte Ballon gegen 9.45 Uhr auf seine Reise gehen konnte, musste trotz der langen Vorbereitung aber noch vieles am Morgen von den Schülern direkt auf dem Schulhof erledigt werden: die Forschungssonde aus Styropor flugbereit machen, einen Fallschirm, an dem später die Sonde zurück zur Erde gleiten sollte, mit dem Ballon verbinden sowie den Forschungsballon selbst exakt mit der berechneten Menge Helium befüllen. Alles nicht so einfach, wenn man es zum ersten Mal macht.

Die verschiedenen Experimente und der Schokokuss (unten im Bild) bei ihrem Flug in der Stratosphäre. Foto: IKG/z

„Die Experimente in der Sonde bestehen aus einer mit Luft aufgezogenen Spritze und vier Reagenzgläsern, gefüllt mit Wasser, Ethanol, Öl und einem Ozonnachweis“, erklärte die Schülerin Juna Berreth. Zudem flog auch noch ein Schokokuss mit. Würde alles nach Plan laufen, war zu erwarten, dass durch den niedrigen Luftdruck der Schokokuss wie ein Hefekuchen auseinandergeht. Eine der Fragen hinter den Experimenten: Wie verhält sich Wasser auf dem Weg in die Stratosphäre? Weil die Siedetemperatur von Wasser mit abnehmendem Luftdruck sinkt, könnte es theoretisch zu kochen beginnen. Möglich aber auch, dass das Wasser zuerst gefriert, weil die Außentemperatur rapide fällt.

Gefilmt wurden die wissenschaftlichen Versuche und der Flug von einer in der Sonde installierten Kamera, die nach dem Platzen des Ballons in über 30 Kilometern Höhe gemeinsam mit der Sonde am Fallschirm zurück zur Erdoberfläche gleiten sollte. Eine App der Firma Stratoflights, von der auch die übrige Ausrüstung kommt, hatte vor dem Flug errechnet, wo die Sonde etwa niedergehen würde. Beantragt werden musste der Flug zuvor beim Regierungspräsidium. Der Tower des nahen Flughafens musste eine Startgenehmigung erteilen. „Bei der Ortung selbst hilft dann ein GPS-Tracker“, erklärte Cedric Heiber aus der 8c. Das konkrete Auffinden übernahm ein Team aus Schülern, Lehrern und Eltern, das sich nach dem Ballonstart mit Autos auf den Weg zum vorberechneten Absturzort nahe Ansbach in Franken machte.

Verschwindet die Sonde in einem Funkloch?

Das Problem: Dort musste das GPS-Signal über Handys und damit über das Mobilfunknetz empfangen werden. Neben allen anderen Unwägbarkeiten war es deshalb theoretisch möglich, dass die etwa 1500 Gramm schwere Sonde auf Nimmerwiedersehen in einem Funkloch verschwindet.

Am Nachmittag dann die erhoffte Meldung des Bergungsteams: Die Sonde ist tatsächlich wie berechnet nach rund zwei Stunden und 45 Minuten in einem Maisfeld nahe Ansbach gelandet. Kamera und GPS-Tracker seien unversehrt. „Und das, obwohl der rote Fallschirm verschwunden war“, sagte der Physiklehrer Kuhn. Die Auswertung soll in den nächsten Tagen im Rahmen der Projekttage am IKG stattfinden.

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