„Wir haben jeden Tag am Telefon zehn bis 20 Beratungsgespräche“, berichtet Jürgen Taxis, „vor einem Jahr hatten wir so viele Anfragen in einer Woche“. Die Kunden wollen sich etwa über die Installation einer Photovoltaikanlage auf ihrem Haus informieren – und die Nachfrage hat enorm zugenommen. „Es ist der Wahnsinn“, sagt der Geschäftsführer von TK Energietechnik in Albershausen im Kreis Göppingen.
Die Kunden, die lieber heute als morgen den Sonnenstrom nutzen möchten, müssen Geduld mitbringen. „Ein Riesenproblem ist die Verfügbarkeit von Komponenten für Wechselrichter “, klagt Taxis, der auch Obermeister der Elektro-Innung Göppingen ist. Wechselrichter sind essenziell für Solaranlagen, denn sie formen den in der Photovoltaikanlage erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom für die Nutzung im Haus um.
Oft sind es scheinbare Kleinigkeiten, die eine zügige Arbeit hemmen – etwa ein Mangel an Befestigungsteilen, um die Anlagen auf dem Dach zu befestigen: „Bei der Installation von Photovoltaikanlagen sind wir bis Juli 2023 ausgebucht“, sagt der Chef eines Betriebes mit 18 Beschäftigten. Auch wer sein Elektroauto in der Garage aufladen möchte, muss Geduld haben: „Bei Wallboxen gibt es aktuell Wartezeiten bis Oktober und November“, sagt Taxis.
„Bei einem Speicher für eine Wärmepumpe sind wir beim Lieferanten auf Platz 17 der Warteliste“, berichtet Jochen Hägele. „Bei Wärmepumpen gibt es für die Kunden Wartezeiten von bis zu einem Jahr“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter von Wenzelburger Sanitär- und Heiztechnik in Filderstadt, einem Unternehmen mit 40 Mitarbeitern. Auch Tilo Kraus, Geschäftsführer und Inhaber von Schaal Bad+Design in Leonberg, spricht von ähnlichen Wartezeiten: „Bei Heizkörpern und Heizungsanlagen ist die Lage wirklich ernst“, sagt der Obermeister der Innung Sanitär & Heizung Klima Stuttgart – Böblingen. „Wir haben Lieferzeiten von acht bis zwölf Monaten.“
Höhere Kosten für Handwerker
Der Mangel wirkt sich natürlich auch auf die Preise aus. Elektronische Komponenten, wie sie etwa für Photovoltaikanlagen gebraucht werden, „sind 15 bis 20 Prozent teurer als noch vor einem Jahr“, so die Erfahrung von Taxis. Auch für das Material, das Hägele für seinen Betrieb braucht, sind die Einkaufspreise „im Schnitt 20 bis 25 Prozent höher als vor einem Jahr“, sagt Hägele. Sogar bis zu 30 Prozent seien seine Einkaufspreise etwa für Befestigungsartikel, Heizkörper und Badewannen aus Stahl gestiegen, sagt Kraus.
Preisgleitklauseln für Kunden
„Wir müssen das an die Kunden weitergeben“, meint er. Ähnlich sehen dies auch seine Kollegen: „Was soll der Handwerker denn sonst machen?“ Die Kunden, so meint er, hätten Verständnis für Wartezeiten und höhere Preise – und auch dafür, dass in ein Angebot gleich eine Preisgleitklausel aufgenommen wird. „Der Kunde akzeptiert dies, schließlich braucht er den Heizkessel.“ Hägele hält die Preise in seinem Angebot vier Wochen lang stabil. Bei Schaal Bad+Design wird bei einem Angebot eine Preisbindung von 14 Tagen festgeschrieben.
„Zu Preisgleitklauseln erhalten wir zurzeit sehr viele Anfragen“, sagt Matthias Bauer, bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zuständig für den Bereich Bauen, Wohnen und Energie. „Der Verbraucher will Rechtssicherheit, der Handwerker Verträge, die auch auskömmlich sind.“ Das Werkvertragsrecht lasse zu, dass ein Angebot verändert werde. Dass es für Handwerker schwierig sei, ein realistsches Angebot zu erstellen, räumt Bauer durchaus ein. Und es müsse auch definiert werden, ab welcher Preissteigerung eine Klausel greife. In der Regel sei dies eine Erhöhung der Einkaufskosten für den Handwerker um 15 bis 20 Prozent. Aber ein Handwerker könne natürlich nicht sagen, die Dachziegel sind 20 Prozent teurer geworden, jetzt verlange ich 20 Prozent mehr – schließlich seien die Materialkosten nur ein Teil des Preises für den Verbraucher. Dazu kämen etwa noch Löhne. In Streitfällen sollte eine Frage durchaus gerichtlich geklärt werden: „Dazu raten wir“, sagt der Experte der Verbraucherzentrale. Aber am besten sei es, wenn beide Seiten offen miteinander redeten.
Keine Angebote auf Ausschreibungen
„Im Privatbereich klappt es mit Preisgleitklauseln“, meint Peter Haas, der Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags – anders als offenbar bei Kommunen. Diese „scheuen Preisgleitklauseln“, sagt Haas. Deswegen habe es auf Ausschreibungen für eine Arbeit auch schon keine Angebote mehr mehr gegeben: „Warum soll ich mich für die Renovierung einer Schule bewerben, wenn ich Minus mache?“
Auch die Bauwirtschaft leidet unter höheren Preisen. So ist etwa Betonstahl im Jahresvergleich um 50 Prozent teurer geworden. Thomas Möller, der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, sieht auch eine Verunsicherung vor allem älterer Menschen. Damit diese etwas für den Klimaschutz an ihren Häusern tun, sollte der Staat laut Möller Fördergelder geben, die erst die Erben zurückzahlen müssten.