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HipHop-Konzerte im Herbst Die rappen dir was

Von Martin Elbert 

Deutscher HipHop ist so erfolgreich und vielseitig wie nie zuvor. Das macht sich auch im Herbst im Stuttgarter Konzertkalender bemerkbar. Wir präsentieren eine kleine Auswahl bis Weihnachten.

Fettes Brot sind im weitesten Sinne HipHop, und es gibt im Stuttgarter Herbst auch einige Konzerte von echten Rappern. Foto: dpa
Fettes Brot sind im weitesten Sinne HipHop, und es gibt im Stuttgarter Herbst auch einige Konzerte von echten Rappern. Foto: dpa

Stuttgart - Diesen Herbst kann man sein Geld sprudelnd in HipHop-Konzerte investieren. Das geht schon am heutigen Donnerstag los: Da gastiert der Chimperator-Act Weekend in der Schräglage. Am morgigen Freitag tritt Label-Kollege Teesy im Wizemann auf, Bushido blockiert nächste Woche (14. & 15. Oktober) zwei Tage lang das LKA und auch darüber hinaus. Was schon für Anfang des Jahres galt, ist auch Ende 2015 immer noch Fakt: HipHop und HipHop-Konzerte brummen und die Amtssprache ist überwiegend Deutsch.

Ein kleine, unvollständige Auswahl an HipHop-Konzerten im Herbst:

Motrip
Der in Beirut geborene Rapper mit dem leicht angerauten Flow hatte ein gutes Jahr: Sein zweites Album „Mama“ ging in Deutschland, Österreich und Schweiz auf Platz 3, 5 und 3, für die Single „So wie du bist“ ft. Lary gab es eine goldene Wohnungsdeko – auch weil der Song für einen Beats by Dre Werbespot verwendet wurde, Hauptdarsteller: Bastian Schweinsteiger. Der vielseitige Rapper (Themen u.a. gesellschaftlicher Aufstieg, Hype, Sozialkritik, Überwachung) war vor seiner eigenen Karriere als Ghostwriter für andere MCs tätig.
Freitag, 16.10., 20:00 Uhr, Wizemann

KC Rebell
Vielleicht sollte das Wizemann Schlafplätze einrichten: Einen Tag nach MoTrip gastiert KC Rebell mit der noch etwas angerauterem Ferris MC-Gedächtnisstimme in der neuen Konzertlocation. Auch der Rest ähnlich wieder der Kollege zuvor, nur noch leicht erfolgreicher bzw. typisch für den aktuellen fitten Zustand der neuen deutschen HipHop Welle: KC Rebells aktuelles Album „Fata Morgana“ belegte im Juni drei Mal die Eins (DE, AT, CH), schon die beiden Vorgänger des Künstlers mit kurdischer Abstammung liefen mit Straßenrap-Content ähnlich gut.
Samstag, 17.10., 20:00 Uhr, Im Wizemann

Celo & Abdi
ZEIT-Journalist und 99 Fragen-Macher Moritz von Uslar findet das Frankfurter Duo, unter Vertrag bei Haftbefehls Label Azzlacks, auch deswegen so richtig gut, weil sie so eine knallige, eigene Sprache entwickelt haben – ähnlich wie besagter Haftbefehl. Oder wie Wiki voll süss in seinen Eintrag klopft: „Des Weiteren verwenden sie zahlreiche Lehnwörter aus Fremdsprachen, vorzugsweise aus dem Arabischen, Jugoslawischen, Türkischen, Französischen, Albanischen oder Spanischen.“ Muss man gehört haben, klingt außerordentlich spannend, wie Celo & Abdi ein vermeintliches Gangster-Leben in Wörtern verweben.
Donnerstag, 29.10. 20:00 Uhr, Schräglage

Sido
Ein Bekannter fragte neulich, wie schlimm eigentlich Sido zwischenzeitlich wäre. Die Aussage bezog sich direkt auf seine Zusammenarbeit mit Andreas Bourani und dem gemeinsamen „Astronaut“: „Das geht ja wirklich gar nicht!“ Und Rap.de rezensierte sein Anfang September erschienenem Album VI: „Ansonsten wird viel an der Oberfläche gekratzt, was die allgemeine Belanglosigkeit des Albums aber kaum zu kaschieren weiß.“ Man könnte jetzt entgegnen: Je belangloser desto gewinnbringender. Einer der erfolgreichsten Deutschen Rapper der letzten 10 Jahre benötigt für sein Gastspiel in Stuttgart jedenfalls die nicht ganz kleine Porsche-Arena.
Fr. 13.11., 20:00 Uhr, Porsche Arena

Fettes Brot
Seit über 20 Jahren zwischen völliger Liebe und absoluter Ablehnung kontrovers diskutiert, könnte man Fettes Brot, was bestimmt schon oft getan wurde, als die Fantas des Nordens zu bezeichnen. Ihre ganzen großen Hits wie „Schwule Mädchen“ oder „Emanuela“ lehnen sich ähnlich wie einige Fanta-Tracks bis zum äußersten Rand des HipHop-Tellers und sind generationsübergreifende Fetenhits von Kufstein bis Flensburg. Das gilt auch für ihr neues Album „Teenager vom Mars“, erschienen im September, das scheinbar versucht, auf der einen Seite Deichkind Konkurrenz zu machen und auf der anderen Seite mit Zeitgeist-Stilen aus Trap/Twerk mitzuhalten. Ob das das Publikum wie bei Fantas mitgealtert ist? Sollte man glatt überprüfen.
Do. 26.11., 20:00 Uhr, Porsche Arena

K.I.Z.
Man benötigt zwischenzeitlich zwei Tage lang das LKA und trotz oder vielleicht wegen den klaren linkspolitischen Botschaften, weg von ihrem typischen Sarkasmus und Parodien, mit dem K.I.Z. bislang Gesellschaft, Politik oder Rap-Kollegen auseinandernahmen, bumste ihr neues Album „Hurra die Welt geht unter“ auf die 1. Anhand der außergewöhnlichen Berliner Combo erkennt man, dass deutscher HipHop auf vielseitigen Ebenen erfolgreich ist, vom leicht verdaulichen materialistischem Inhalt (Scheine, Autos, Frauen) bis hin zu komplexen Themen. Die K.I.Z. Fanbase wächst seit Jahren. Nächster Stuttgart-Gig dann vermutlich in der Porsche-Arena.
01. & 02.12., 20:00 Uhr, LKA

Curse
Der Mindener ist halbwegs unbeschadet dank ambitionierten Alben mit Tiefgang durch die Nullerjahre gekommen, als eine zeitlang von der ganzen Rap-Mischpoke kaum einer etwas wissen wollte, bis er letztes Jahr mit „Uns“ ein ziemlich erfolgreiches Comeback (mit Vollbart, ey!) feierte. Curse war schon immer etwas mehr der nachdenklichere, melancholischere Typ mit dem Blick fürs (weltpolitische) große Ganze und muss nicht permanent auf seinen Kontostand hinweisen. Auf „Uns“ klingt das passend zum Inhalt auch musikalisch noch etwas dramatischer wie pompöser als früher. Fun Fact: Sein Debütalbum-Klassiker „Feuerwasser“ von 2000, für das man längst einige Euros auf Discogs und Co hinlegen muss, ist nicht bei bei iTunes erhältlich. Und so war's beim letzten Mal in den Wagenhallen.
11.12., 20 Uhr, Wizemann


10 Jahre Selfmade Records
Von 0 auf Schleyerhalle: Die ham's g'schafft, die von Selfmade Records (wer muss noch an das berühmte Hart aber herzlich-Serienintro „Jonathan Heart, ein Selfmade-Millionär“ denken?). Die Düsseldorfer rücken in Vollbesetzung an, angeführt von den Verkaufsmaschinen Kollegah, 257ers, Genetikk, Favorite (der erste Selfmade-Act) und abgerundet von dem neuesten Label-Mitglied Karate Andi. Selfmade wird manchmal vorgeworfen, nicht wirklich Straße zu sein und lediglich die Stilmittel gewinnbringend auszunutzen. Kollegah z.B. stemmt gerade noch ein Jura-Studium – und ist übrigens der einzige Rapper in Deutschland der Cro in Sachen Verkäufen und Plays das Wasser reichen kann und sogar mitunter toppt. So oder so: Selfmade ist neben Chimp eines der wenigen erfolgreichen deutschen Indie-Labels. Die Schleyerhalle könnte also ausverkauft sein.
18.12., 18:30 Uhr, Schleyerhalle


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