Afrikanischer Weißbauchigel Ein Igel als Haustier: Geht das?

Den Afrikanischen Weißbauchigel kann man als Haustier halten. Foto: supakrit tirayasupasin/Shutterstock
Den Afrikanischen Weißbauchigel kann man als Haustier halten. Foto: supakrit tirayasupasin/Shutterstock

Kann man Igel als Haustiere halten? Ja, das geht. Zumindest mit dem Afrikanischen Weißbauchigel. Aber ist es auch sinnvoll? Wir haben alle Informationen zu Haltung, Kosten und Alter der Tiere zusammengefasst.

Digital Unit : Katrin Klingschat (kkl)
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Wer an Haustiere denkt, denkt an Hunde, Katzen und Kaninchen – aber wahrscheinlich eher nicht an Igel. Besonders häufig sind die stacheligen Haustiere nämlich nicht in Deutschland, doch Social Media könnte das dank süßer Igel-Videos ändern. 2017 veröffentlichte die Universität München einen Bericht über die Haltung exotischer Tiere in Privathand. Lediglich 2 Prozent der Umfrageteilnehmer hielten Weißbauchigel.

Sie können allerdings nicht jede Igel-Art als Haustier halten, denn Igel stehen in Deutschland unter Naturschutz. Lediglich eine Art ist hierzulande als Haustier zugelassen: der Afrikanische Weißbauchigel (Atelerix Albiventris). Der Trend, Igel als Haustiere zu halten, kommt vor allem aus den USA – und bereitet Tierschützern Sorgen. Denn die Haltung eines Igels ist sehr anspruchsvoll und es ist fraglich, ob man solch einem Tier in einem Privathaushalt überhaupt gerecht werden kann.

Weißbauchigel-Haltung: Was gibt es zu beachten?

Der Weißbauchigel ist eine kleine Igel-Art: Er ist ausgewachsen lediglich 14 bis 21 cm lang und wiegt maximal 600 Gramm. Seinen Namen hat er von seinem Aussehen, denn während sein Rücken von Stacheln besetzt ist, ist sein weicher, flauschiger Bauch weiß gefärbt.

Die Haltung eines Igels als Haustier ist sehr fordernd und sollte trotz des niedlichen Aussehens der Tiere nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Igel brauchen viel Platz und Auslauf sowie eine abwechslungsreiche, proteinreiche Ernährung. Nicht selten führen Haltungsfehler zu Erkrankungen der Tiere. Die von der Uni München befragten Tierärzte schätzten, dass über 50 Prozent der Igel-Halter keine gute Sachkunde über ihre Tiere haben. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sind Weißbauchigel nicht als Haustiere geeignet. Zum Wohle des Tieres sollten Sie sich also wirklich gut vorab informieren, ob es unbedingt ein Igel sein muss.

Ursprünglich kommt der Weißbauchigel aus den Savannen Afrikas, das heißt, er ist in trockenen Graslandschaften zuhause. Wie andere Igel auch, ist er vor allem in der Dämmerung und in der Nacht aktiv. Tagsüber ruht er in der Regel in einem Versteck. Winterschlaf hält er zwar nicht, dafür legt er eine Ruhepause im Sommer ein. Die Tiere schlafen dann zwar nicht immer fest, sie werden aber inaktiver. Es ist wichtig, den Tieren diese Ruhephase zu lassen, da sie essenziell für den Stoffwechsel ist.

Igel sind Insektenfresser. In der Natur ernähren sie sich beispielsweise von Würmern, Schnecken, Larven und Vogeleiern. Wenn Sie ein Igel als Haustier halten, sollten ebenfalls Insekten ganz oben auf dem Speiseplan stehen – am besten täglich. In der Zoohandlung erhalten Sie Heuschrecken, Heimchen oder Grillen als Futter. Ein weiterer Bestandteil der Igel-Nahrung kann hochwertiges Katzenfutter mit mindestens 60 Prozent Fleischanteil sein, mittlerweile gibt es teilweise auch spezielles Igel-Futter zu kaufen. Obst sollte nur gelegentlich gefüttert werden, da es zu Durchfall führen kann.

Wichtig: Igel sind laktoseintolerant! Milch oder Milchprodukte vertragen sie also nicht. Täglich frisches Wasser ist aber ein Muss für die stacheligen Vierbeiner.

Wenn Igel Gefahr wittern oder Angst haben, rollen sie sich zu einer Kugel zusammen. Ihre Stacheln sollen sie dann vor Feinden schützen. Die Weißbauchigel gelten zwar als zutraulich, doch wenn ein Igel Ihnen gegenüber Angst signalisiert, sollten Sie diesen in Ruhe lassen.

Generell werden Igel eigentlich gerne in Ruhe gelassen: Sie sind Einzelgänger, das heißt Sie sollten nicht mehrere Igel gleichzeitig halten. Das würde für die Tiere lediglich Stress bedeuten. Eine Ausnahme kann ein Paar aus zwei Weibchen sein, da diese sich oft gut verstehen, in der Regel sind Igel aber dennoch lieber allein unterwegs. Eine der häufigsten Gründe, warum Igel zum Tierarzt gebracht werden, ist das Ignorieren ihres Sozialverhaltens.

Bei Jungtieren kommt es zum sogenannten Quilling: einem Stachelwechsel. Um den 4. bis 6. Lebensmonat verliert der Igel immer wieder einzelne Stacheln und neue wachsen nach. Auch bei älteren Tieren kann dies gelegentlich vorkommen. Wichtig ist, dass die ausgefallenen Stacheln nicht gebrochen sind und am Ende die kugelförmige „Wurzel“ der Stacheln zu erkennen ist. Wenn ausgefallene Stacheln jedoch gebrochen oder krank aussehen, sollten Sie Ihren Igel beim Tierarzt beispielsweise auf Hautpilze oder Mangelerscheinungen untersuchen lassen.

Igel als Haustier: Käfig oder Terrarium?

Wenn Sie sich für einen Igel als Haustier entscheiden, sollte dieser in jedem Fall in einem Terrarium gehalten werden. Ein Käfig mit Maschendraht oder Gitter bietet zu viele Verletzungsgefahren.

Igel sind sehr bewegungsfreudig, in der Natur legen sie pro Nacht teilweise mehrere Kilometer zurück. Das Terrarium darf also nicht zu klein sein. Das Terrarium eines Igels sollte eine Mindestgröße von 1 bis 1,5 m² haben, eventuell mit mehreren Etagen. Hier steht man als potentieller Igel-Halter bereits vor einem Problem, denn die gängigen Terrarien im Handel gehen meist nur bis zu einer Größe von 150x60 cm und haben somit lediglich eine Grundfläche von 0,9 m². Das wird auch in der Umfrage der Universität München deutlich: Knapp 70 Prozent der Tierhalter konnten die vorgegebenen Mindestmaße nicht erfüllen.

Lassen Sie Ihren Igel auch täglich in der Wohnung oder im Garten umherlaufen, damit sein Bewegungsdrang gestillt wird. Behalten Sie Ihren Igel dabei immer im Auge, damit er sich nicht verletzt und nichts Giftiges frisst.

Wichtig ist außerdem, im Terrarium einen Rückzugsort für den Igel zu schaffen. Eine Höhle, ein Häuschen oder ähnliches ist ideal, damit sich das Tier unbeobachtet ausruhen kann.

Hölzer, Steine, kleine Treppen sowie Röhren und anderes bieten dem Igel Abwechslung in der Bewegung und befriedigen seine Neugier.

Das Terrarium sollten Sie mit Kleintierstreu oder feinem Sand einstreuen. Heu ist für Igel ungeeignet. Eine Ecke des Terrariums können Sie auch mit Katzenstreu versehen, sodass der Igel diese Ecke als „Toilette“ nutzen kann. Eine kleine Wanne oder Schale mit extra Chinchilla-Sand bietet dem Igel außerdem die Möglichkeit, sich zu reinigen. Selbstverständlich sollten die "Toilettenecke" sowie Futter- und Wasserstellen täglich gereinigt werden, der Rest des Terrariums ein bis zwei Mal pro Woche.

Ein zu geringes Platzangebot für Igel ist einer der häufigsten Gründe für Krankheiten. Wenn Sie also darüber nachdenken, sich solch ein exotisches Haustier anzuschaffen, stellen Sie sicher, dass Sie dauerhaft genug Platz für den Igel haben und ihm täglich Auslauf gewähren können.

Wie alt werden Afrikanische Weißbauchigel?

Als Haustier kann der Weißbauchigel ein Alter von 5 bis 8 Jahren erreichen. Leider erreichen viele Tiere dieses Alter nicht, weil sie beispielsweise falsch gefüttert oder die Hygienestandards nicht eingehalten werden.

Allerdings zeigen sich auch bei den süßen Igeln bereits erste Anzeichen der Züchtungen. Eine der bekanntesten Krankheiten ist das „Wobbly Hedgehog Syndrome“ (WHS), auf Deutsch etwa „Wackliger Igel Syndrom“. Das klingt im ersten Moment vielleicht lustig, ist es aber leider gar nicht: Es handelt sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, das zu Lähmungen und daher wackligen Bewegungen führt. Das WHS ist für die Igel sehr qualvoll und endet immer tödlich.

Wie viel kostet ein Igel als Haustier?

Aus der Erhebung der Universität München zu exotischen Tieren in Privathaushalten geht hervor, dass Weißbauchigel in der Anschaffung meist zwischen 100 und 150 Euro pro Tier kosten.

Doch nach dem Kauf des Tiers fallen natürlich Kosten für Futter, Tierarzt, Einrichtung und anderes an. Für einen Weißbauchigel als Haustier müssen Sie mit monatlichen Ausgaben zwischen 20 und 50 Euro rechnen, zum Teil können es aber auch bis zu 100 Euro oder mehr sein.

Igel als Haustier: Ist das sinnvoll?

Die Frage, ob man einen Igel als Haustier halten kann, lässt sich mit Ja beantworten. Doch ob man das auch tun sollte, ist eine andere Frage. Tierschutzvereine raten davon ab, Igel als Haustiere zu halten und Umfragen wie die der Universität München zeigen, dass viele Halter offensichtlich nicht in der Lage sind, sich ausreichend um ihre Tiere zu kümmern.

 

Wer ein Herz für Igel hat, kann sich beispielsweise bei örtlichen Tierschutzvereinen oder speziellen Igel-Vereinen einbringen. Wer einen eigenen Garten hat, kann diesen Igel-freundlich gestalten. Füttern sollten Sie wilde Igel aber wirklich nur dann, wenn ein Tier krank oder schwach ist. Fragen Sie im Zweifelsfall einen Tierarzt um Rat. Stattdessen können Sie im Garten Laub- und Reisighaufen liegenlassen, Igelhäuschen aufstellen oder kleine Tränken mit Wasser anbieten, und mit etwas Glück haben Sie bald schon stacheligen Besuch.

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