IHK Region Stuttgart Schmalzl strebt IHK-Topposten an

Von Anne Guhlich 

Hinter den Kulissen wurde es bereits gemunkelt, jetzt steht es fest: der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl will IHK-Hauptgeschäftsführer werden.

Hinter den Kulissen wurde es bereits gemunkelt, jetzt steht es fest: Johannes Schmalzl (im Bild) will IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter beerben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Hinter den Kulissen wurde es bereits gemunkelt, jetzt steht es fest: Johannes Schmalzl (im Bild) will IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Richter beerben. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Johannes Schmalzl (51), der frühere Stuttgarter Regierungspräsident, ist der einzige Kandidat, der zur Wahl zum neuen Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart antreten wird. Das geht aus einem Schreiben an die Vollversammlung hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Die Wahl soll am 20. April stattfinden.

Demnach hatte das IHK-Präsidium im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres eine Findungskommission eingesetzt und gemeinsam mit der Personalberatung Kienbaum die Suche nach einem Nachfolger für den bisherigen Hauptgeschäftsführer Andreas Richter (Jahrgang 1952) eingeleitet. Richters Vertrag läuft bis zum 31. Januar 2018, jedoch habe Richter den Wunsch geäußert, bereits vor Ablauf des Vertrags in den Ruhestand zu gehen.

Der neue Hauptgeschäftsführer soll befristet angestellt werden

Auf die Stellenausschreibung hätten sich mehr als 200 Interessenten gemeldet, heißt es in dem Schreiben. „Aus diesem Kreis hat die Findungskommission mit Unterstützung des Personalberaters einen engeren Kreis von Personen identifiziert, mit denen seither Gespräche geführt worden sind.“ Beschäftigt habe sich die Kommission und das Präsidium auch mit den Konditionen, die sich mit der Stelle verbinden. So soll der Vertrag des neuen Hauptgeschäftsführers auf fünf Jahre befristet werden. Kienbaum hat dann gemeinsam mit den zuständigen IHK-Gremien im ersten Quartal in mehreren Runden verschiedene Kandidaten begutachtet.

Am Ende sind zwei Kandidaten übrig geblieben: Johannes Schmalzl und Tassilo Zywietz, der bei der IHK in Stuttgart die Abteilung Außenwirtschaft und Dienstleistungen leitet. Außerdem ist Zywietz Geschäftsführer der Exportakademie Baden-Württemberg, deren Schwerpunkt die Weiterbildung von Führungs- und Führungsnachwuchskräften für das Auslandsgeschäft ist. „Das Präsidium hat sich bei einem Treffen am 3. April 2017 dann eingehend mit den beiden aus dem Kreis der Bewerber hervorgegangenen aussichtsreichsten Kandidaten ausgetauscht“, heißt es in dem Papier. In den anschließendenden Beratungen habe sich herauskristallisiert, dass sich die Präsidiumsmitglieder Johannes Schmalzl besser als neuen Hauptgeschäftsführer vorstellen könnten als Zywietz. Dieser habe sodann „in Kenntnis dieser Präferenz seine Bewerbung zurückgezogen. Der Vollversammlung werde daher vorgeschlagen, Schmalzl am 20. April zum neuen Hauptgeschäftsführer zu wählen.

Schmalzl ist seit eineinhalb Jahren in Berlin im Einsatz

Schmalzl, der 1965 in Würzburg geboren wurde, ist im Land bekannt und vernetzt. Der Jurist begann seine Karriere 1996 als Beamter im Landesjustizministerium. Von 2005 bis 2008 war er Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, ehe er zum Stuttgarter Regierungspräsidenten ernannt wurde. Im Juni 2016 ist der FDP-Mann nach acht Jahren als Regierungspräsident von der damals neuen grün-schwarzen Landesregierung in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Der Fall erhitzte die Gemüter. Denn durch den Schritt sollte Platz gemacht werden für den Grünen Wolfgang Reimer. Seit 1. Oktober 2016 leitet Schmalzl nun in Berlin als Ministerialdirektor die Abteilung Privatisierungen, Beteiligungen und Bundesimmobilien im Bundesfinanzministerium (BMF). Doch es heißt, dass es ihn stets zurück nach Baden-Württemberg gezogen habe.

Aus der Vollversammlung sind angesichts seiner Kandidatur wohlwollende Stimmen zu hören. Kritiker hätten sich eher einen Unternehmer an der Spitze der IHK gewünscht. Schmalzl will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu seiner Kandidatur äußern. Auch eine Sprecherin der IHK kommentierte den Vorgang nicht.