Insolvenz Ersparnisse stehen auf dem Spiel

Die   Mitarbeiter haben den Betrieb schon zu Grabe getragen. Foto: Horst Rudel
Die Mitarbeiter haben den Betrieb schon zu Grabe getragen. Foto: Horst Rudel

Rund 5,7 Millionen Euro sollen Mitarbeiter des insolventen Süßener Bauunternehmens Kellerbau auf Firmenkonten angelegt haben.

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Süßen - Für die Mitarbeiter des Bauunternehmens Kellerbau in Süßen ist es mit der Insolvenz des Traditionsunternehmens richtig dicke gekommen. Nicht nur, dass damit ihre rund 250 Arbeitsplätze verloren gehen, es geht auch um eine Menge Geld. Rund 300 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter hatten von einem besonders attraktiven Angebot ihres sArbeitgebers Gebrauch gemacht. Ihnen waren stattliche Zinsen für Einlagen auf sogenannten Stammkonten versprochen worden.

Es geht um Millionen

Rund 5,7 Millionen Euro sollen so eingezahlt worden sein, Geld, das sich die Firma zu derart günstigen Konditionen nie auf dem Kapitalmarkt hätte beschaffen können. Nun fürchten die Mitarbeiter um ihr Erspartes. Einzelne sollen bis zu 100 000 Euro und mehr auf diese Stammkonten eingezahlt haben, und zwar noch bis kurz vor der Insolvenzanmeldung. Die Hoffnung, dass diese Gelder zurückerstattet werden können, schwindet.

Einem Sprecher des Insolvenzverwalters Michael Pluta zufolge werden zurzeit die letzten der rund 50 Baustellen, auf denen die Firma im Sommer noch tätig war, abgearbeitet und übergeben. Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollen, gehen davon aus, dass spätestens im Frühjahr das Inventar der Firma unter den Hammer kommt. „Viele der Angestellten haben schon einen Job gesucht und gefunden“, teilt die Rechtsanwaltsgesellschaft Pluta mit.

Rechtsanwalt ist eingeschaltet

Offenbar geht auch das Stammkonto, das nicht anders als ein Girokonto geführt worden sein soll, in die Masse auf, die es an die Gläubiger zu verteilen gibt. Immerhin sieht auch der Insolvenzverwalter einen Sonderfall. So wurden jetzt den Stammkonteninhabern eine Million Euro, also etwa ein Fünftel ihrer Forderungen, vorab ausbezahlt. „Das gilt auch als Dankeschön, denn ohne das Engagement der Mitarbeiter hätten wir die letzten Monate nicht so weiterarbeiten können, wie wir es mussten, damit noch weiteres Geld hereinkommt“, erklärt der Sprecher der Ulmer Kanzlei Pluta. Zum anderen habe man für die Betroffenen einen eigenen Anwalt engagiert, Ulrich Brugger aus Stuttgart. Dieser prüfe nun mehrere Optionen.

Ein mageres Grundstück als Sicherheit

Eine der Hoffnungen für die Mitarbeiter ruht auf einem Grundstück, das zweckgebunden für die Einlagen als Sicherheit dienen soll. Allerdings scheint das etwas mehr als zwei Hektar große Gewerbegrundstück, selbst wenn man es zeitnah günstig vermarkten könnte, längst nicht alle Einlagen abzudecken. Zwar bietet die Stadt Süßen Hilfe bei der Vermarktung an. Allerdings wird in einem anderen Süßener Gewerbegebiet voll erschlossenes Bauland für 95 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Das hieße für das Stammkontengrundstück gerade mal einen Erlös von etwas mehr als zwei Millionen Euro.

Im Zweifel wird geklagt

Option Nummer zwei ist, dass es mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der insolventen Baufirma, Dieter Meyer-Keller, zu einem anderen Ausgleich kommt. Darüber sei man in Gesprächen mit dessen Anwälten, teilte Ulrich Brugger bereits mit. Aber auch eine Klage will Brugger im Interesse der geprellten Mitarbeiter nicht ausschließen. Denn sonst werden sie am Ende wie alle anderen Gläubiger des Unternehmens wohl einen Teil ihres Geldes abschreiben müssen.




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