Interview mit Audi-Chef "Auch ein E-Auto kann sportlich sein"

Von Klaus Dieter Oehler 

Wenn der Fahrspaß stimmt, dann sind Kaufanreize völlig unnötig, sagt der Audi-Chef Rupert Stadler im Interview mit der StZ.

Audi-Chef Rupert Stadler neben einem e-tron Spyder in Las Vegas.  Foto: dpa
Audi-Chef Rupert Stadler neben einem e-tron Spyder in Las Vegas. Foto: dpa

Stuttgart - Die Einführung von Elektroautos könnte beschleunigt werden, wenn die Autohersteller mehr regenerative Energie fördern würden, meint Audi-Chef Rupert Stadler. Staatliche Kaufanreize hält er nicht für erforderlich, die Autofahrer sollten vielmehr selbst erfahren, wie sportlich auch elektrisch angetriebene Fahrzeuge sein können, sagt er.

Herr Stadler, welches Auto fahren Sie gegenwärtig?

Ich fahre alle aktuellen Modelle im Wechsel, vor allem unsere jüngsten Produkte. Zur Zeit habe ich einen RS5 (das leistungsstärkste Auto der A5-Reihe mit 450 PS, Anmerkung d. Red).

Und welches Fahrzeug werden Sie in zehn Jahren fahren?

Vermutlich einen Plug-in-Hybrid, vielleicht ein A5-Coupé mit einem sehr guten Drehmoment, vielleicht aber einen E-tron Quattro. Mit dem kann ich dann nach Belieben auch rein elektrisch und somit emissionsfrei fahren.

Glauben Sie, dass solche Werte- hohes Drehmoment, viel PS - in zehn Jahren wirklich noch zählen?

Ich bin sehr überzeugt, dass Sportlichkeit nichts von ihrem Reiz verlieren wird. Das war bereits in der Anfangszeit des Automobils so und es wird auch in Zukunft so sein. Das gilt nicht nur für das Design, sondern besonders auch für das Fahrgefühl und das hat nicht unbedingt etwas mit Tempo zu tun. In den USA zum Beispiel wird Sportlichkeit als das Beschleunigungsgefühl von der Ampel weg bis zur Höchstgeschwindigkeit von 55 Meilen pro Stunde beschrieben. Sportlichkeit spielt auch eine Rolle beim Überholen, wo man etwa bei Hybridautos einen Elektromotor als Booster zuschalten kann. Ich glaube, dass sich an der Grundeinstellung der Kunden für sportliche Autos nichts ändern wird. Jeder hat gern ein agiles, dynamisches und luxuriöses Automobil.

Ist das eine typisch deutsche Einstellung? Oder sind Autofahrer überall auf der Welt gleich in ihren Ansprüchen?

Im Premiumbereich ist das weltweit so. Luxus ist von der Definition her in Europa eher etwas subtiler, in Asien oder USA dagegen wollen die Kunden ihren Status zeigen - und das wird auch in fünf oder zehn Jahren so sein. Ein Auto muss modern sein und es muss innovative Technologien bieten. Der Kunde will sich wohlfühlen, wenn er sich ein Premium-Automobil leistet. Es wird außerdem immer wichtiger, dass man die Zeit, die man im Auto verbringt, auch sinnvoll nutzen kann. Selbst im Stau wollen die Kunden ihre Zeit effektiv oder kurzweilig nutzen können.