Irrer Halloween-Trend aus den USA Horror-Clowns greifen an

Stephen Kings „Es“: 2017 soll der grausige Clown Pennywise als Remake in die Kinos kommen. Foto: dpa 11 Bilder
Stephen Kings „Es“: 2017 soll der grausige Clown Pennywise als Remake in die Kinos kommen. Foto: dpa

Grusel-Clowns treiben kurz vor Halloween ihr Unwesen in Deutschland. Besonders Nordrhein-Westfalen scheint ihnen zu gefallen, doch auch Baden-Württemberg und andere Bundesländer melden Übergriffe.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - Er nannte sich „Pogo, der Clown“. Im selbstgenähten Clownkostüm ging er auf Straßenfeste und brachte Kinder zum Lachen. Ein lustiger Bursche mit roter Nase, weiß geschminktem Gesicht, feuerroten Haaren und schrillem Lachen. Was niemand ahnte: Der Mann, der sich hinter der Clownsmaske verbarg, war ein Psychpath. Der 1942 in Chicago geborene John Wayne Gacy ist in die an Serienmördern nicht gerade arme US-Kriminalgeschichte als eine ihrer der bestialischsten Gestalten eingegangen.

Pogo, der „Killer-Clown“

1980 verurteilte man den „Killer-Clown“ wegen Vergewaltigung und Mordes an 33 Männern und Jungen zum Tode. 1994 wurde Gacy – nach 14 Jahren in der Todeszelle – im Stateville Correctional Center (US-Bundesstaat Illinois) durch die Giftspritze hingerichtet. Im Gefängnis malte er Clown-Gemälde, die reißenden Absatz fanden und er für mehrere tausend Dollar verkaufte.

Gacy hatte es mit seinem pathologischen Drang Menschen aufzuschlitzen ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft – für die längste Strafe, die jemals über einen Serienmörder verhängt wurde. Er erhielt 21-mal lebenslang und 12-mal die Todesstrafe.

Die Stunde der Grusel-Clowns

Grusel-Clowns verbreiten derzeit auch in Deutschland Angst und Schrecken. Rostock, Leipzig, Gelsenkirchen, Greifswald, Essen, Hockenheim, Wesel, Leimen: Die unheimlichen Begegnungen der vergangenen Tage werden vor Halloween mit Sicherheit nicht die letzten bleiben. Die Täter tragen Horror-Masken und greifen Passanten an. Ihre Waffen sind Baseball-Schläger, Kettensäge und Messer. In einer Grundschule in Stendal (Sachsen-Anhalt) stand auf einem Plakat, das ein Clown in der Hand hielt: „Ihr werdet alle sterben.“

Clown-Hysterie in den USA

In den USA, in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Schweden und der Schweiz registrieren die Behörden schon seit einigen Jahren das „Horror-Clown-Phänomen“. Als Videos tauchen die makabren Streiche danach häufig im Internet auf.

Dass aus diabolischem Spaß blutiger Ernst werden kann, zeigt das „Aurora-Massaker“. 2012 färbte James Holmes seine Haare rot wie der abgrundtief böse Clown „Joker“ aus den „Batman“-Filmen und stürmte während der mitternächtlichen Premiere des Films „The Dark Knight Rises“ in ein Kino in Aurora (Bundesstaat Colorado). Der 24-Jährige tötete zwölf Menschen und verletzte 58 weitere zum Teil schwer.

Erschrecken zu Halloween

Der Psychologe Jens Hoffmann fürchtet, dass die Zahl der Übergriffe gewalttätiger Grusel-Clowns in Deutschland weiter steigen könnte. „Das Erschrecken hat eine lange Tradition, besonders zu Halloween. Das hat sich nun verselbstständigt, da gibt es einen großen Nachahmungseffekt“, sagt der Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. Er sieht dahinter eine „sadistische Motivation“.

Stepehen Kings „Es“ – Archetyp des „Killer-Clowns“

2017 kommt die Neuverfilmung des Bestsellers „Es“ von Stephen King in die Kinos. Mit „Pennywise“ schuf der US-Kultautor 1986 den Archetyp des „Killer-Clowns“.

US-Regisseur Eli Roth setzte noch eins drauf. Sein „Body-Horror“-Film „Clown“ aus dem Jahr 2014 schildert die Metamorphose eines liebenden Familienvaters, der zu einem mordhungrigen Dämon in Clownform mutiert und Kinder verschlingt.

In dem Horrorfilm „Haus der 1000 Leichen“ (2002) von Regisseur und Musiker Rob Zombie schlachtet sich Tankstellenbesitzer „Captain J. T. Spaulding“ durch eine Gruppe Teenies.

Dämon in Clowns-Kostüm

Der Clown als böses, dunkles und dämonisches Wesen. Schwappt die Welt des Kinos in das wirkliche Leben über? Es wäre nicht das erste Mal, dass aus Fiktion Realität wird. Offenbar haben viele Menschen eine natürliche Angst vor Clowns, was auch den Nervenkitel der cineastischen Grusel-Clowns erklären würde.

„Das hat vor allem mit der übertriebenen Schminke und den übergroßen Merkmalen im Gesicht zu tun“, sagt Christie Golden, stellvertretende Leiterin der Abteilung Psychiatrie und Neurowissenschaft am New Yorker Universitätsklinikum Stony Brook. „Wir können davon fasziniert sein oder es ablehnen.“




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