Judoka Sven Heinle, SV Fellbach Ein letztes Mal durch den Tunnel
Der Fellbacher Judoka Sven Heinle, 30, ist nicht mehr im deutschen Nationalteam und muss seine internationale Karriere unfreiwillig beenden.
Der Fellbacher Judoka Sven Heinle, 30, ist nicht mehr im deutschen Nationalteam und muss seine internationale Karriere unfreiwillig beenden.
Ein letztes Mal hat Sven Heinle sich mit den Händen auf die Wangen geklatscht, wie er es in unzähligen Auftritten als Motivationsritual praktiziert hatte. Ein letztes Mal hat er seinen Kampfanzug, genannt Judogi, abgeklopft, bevor er auf die Matte gestiegen ist. In Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, hat der Fellbacher Judoka sich Ende Juni bei einem Grand-Slam-Turnier letztmals auf internationaler Bühne verbeugt, bevor er um den Sieg gekämpft hat. Das alles ist jetzt vorbei. Sven Heinle darf nicht mehr mitmischen im Feld der ganz Großen. Die neue Sportliche Leitung des Deutschen Judo-Bunds (DJB) um den Bundestrainer Pedro Guedes hat den 30-jährigen Schwergewichtler aus dem Nationalteam geworfen. „Er war unehrlich zu mir“, sagt Sven Heinle, der gern noch weitergemacht hätte; sein Ziel waren die Olympischen Spiele 2024 in Paris.
Er hatte sich einen Namen gemacht auf der Weltbühne des Judosports, Freundschaften geschlossen mit seinen Gegnern wie zum Beispiel mit dem Niederländer Roy Meyer oder dem Österreicher Daniel Allerstorfer. Und er hat Erfolge vorzuweisen: zwei Titelgewinne bei Grand-Prix-Turnieren, drei fünfte Plätze bei den höherwertigen Grand-Slam-Turnieren und einen siebten Rang bei den Weltmeisterschaften 2015 in Astana.
Der Rauswurf aus dem Nationalteam bedeutet für Sven Heinle und seine junge Familie auch: Die Förderung von der Bundeswehr läuft aus. Deshalb hat der 30-Jährige nun einen Antrag auf eine Stelle als Berufssoldat gestellt. Dort könnte er als Trainer für körperliche Leistungsfähigkeit fungieren. Seine zweite Option ist die Trainerakademie in Köln, in der er sich auf seine Laufbahn als Trainer vorbereiten könnte.
Ganz vorbei ist die Sportlerkarriere von Sven Heinle indes noch nicht, er kämpft auch an diesem Samstag wieder in der Bundesliga für seinen Zweitverein KSV Esslingen – gegen die Gäste des JC Rüsselsheim. Doch der erneute Einzug in die Finalrunde ist in dieser Saison so gut wie ausgeschlossen.
Was Sven Heinle bleibt, ist die Erinnerung an seinen finalen Auftritt auf der Weltbühne. „Ein letztes Mal Kribbeln im Bauch, ein letztes Mal Stimmung aufsaugen, ein letztes Mal durch den Tunnel“, schreibt der Fellbacher Judoka in einem Abschiedsbrief auf Facebook. Die Auftaktniederlage in der Mongolei gegen den späteren Bronzemedaillen-Gewinner Adil Orazbayev aus Kasachstan spielte dabei keine Rolle. „Die Spannung hat gefehlt“, sagt Sven Heinle. Womit er mehr zu kämpfen hat, ist sein unfreiwilliger und unschöner Abschied aus dem Nationalteam, dem er rund 15 Jahre lang angehörte.