Kandidatenporträt: Andrea Sieber (Grüne) Einmischen als Grundüberzeugung

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Am Herzensort der Kandidaten: Andrea Sieber wählt den Marktplatz Schorndorf als Treffpunkt aus. Die 40-Jährige sieht viele Herkulesaufgaben, bei deren Lösung sie mitarbeiten möchte.

Schorndorf - Andrea Sieber mag den Schorndorfer Markplatz nicht nur wegen seiner Fachwerkkulisse. Die sei zwar wunderschön, aber es sind gewissermaßen auch die inneren Werte, die der 40-Jährigen wichtig sind. Schorndorf ist für sie „voll Heimat“. „Hier ist die Familie, hier sind die Freunde, hier fühle ich mich wohl“, sagt Andrea Sieber, die Kandidatin der Grünen für den Wahlkreis Waiblingen. Gerade an den Markttagen, wenn das Leben zwischen den Ständen so richtig trubelig sei.

Etwa zwei Jahre lang hat Andrea Sieber mit ihrem Mann in Dortmund gelebt. Von dort hat sie nicht nur die Erkenntnis mitgebracht, dass das Remstal das Zuhause ihrer Familie sein soll, sondern auch die Mitgliedschaft bei den Grünen. „Ich hatte schon davor mit dem Gedanken gespielt, einzutreten. In Dortmund dachte ich mir, dass ich so am besten Leute kennenlernen kann, die meine Grundhaltung teilen“, erzählt Andrea Sieber.

Seit 2014 sitzt Andrea Sieber im Schorndorfer Gemeinderat

In Nordrhein-Westfalen hat sie den linken Flügel der Grünen erlebt und festgestellt, dass auch in dieser Beziehung der baden-württembergische Schlag ihrer Persönlichkeit und soziokulturellen Prägung eher entspricht: „Ich sehe mich als pragmatische Grüne.“ Und deswegen trägt sie die grüne Sonnenblume auch lieber am eigens angefertigten Ring anstatt als Anstecker: „Von den Pins gehen die Oberteile immer kaputt“, sagt Andrea Sieber und lacht.

Politikpraxis sammelt sie seit 2014 im Schorndorfer Gemeinderat. Auch für dieses Engagement steht der Marktplatz: „Im alten Rathaus bin ich als Stadträtin verortet“, erzählt Sieber. Sie mag die Kommunalpolitik und empfindet sie als beste Schule: „Wir schätzen uns alle sehr, aber es geht trotzdem bei Debatten heiß her. Das ist das Grundhandwerkszeug des parlamentarischen Wesens“, sagt sie.

Der Kita-Ausbau ist eine der Herausforderungen

Für die zweifache Mutter sprachen mehrere Gründe dafür, ein zweites Mal für den Bundestag zu kandidieren: „Wir haben 2013 einen sehr erfolgreichen Wahlkampf geführt und konnten zulegen. Wir wollen auf Kontinuität setzen und das Ergebnis ausbauen“, sagt Andrea Sieber, die sehr dankbar darüber ist, einen Ehemann an der Seite zu haben, der sie dabei unterstützt: „Sonst würde das nicht gehen.“

Um als 17. Kandidatin der Landesliste in den Bundestag einziehen zu können, müsste ihre Partei allerdings zulegen. Es gelte, die guten Ergebnisse für Baden-Würtemberg und die Zufriedenheit mit der grünen Landesregierung auf die Bundesebene zu transportieren, sagt die optimistische Andrea Sieber. Motivation für den Wahlkampf zieht sie aus ihrer Grundüberzeugung, dass es sich lohnt, sich einzumischen, „gerade auch als Frau. Ich hatte schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich finde, es geht nicht, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Das ist kein erhaltenswerter Zustand. Da muss der politische Wille etwas verändern, dafür werde ich kämpfen“, sagt Sieber.

Themen, bei denen sie sich gerne einmischen würde, gibt es noch einige weitere. Zum Beispiel die Kinder- und Familienpolitik, die sie gleich aus mehreren Perspektiven kennt: von ihrer Arbeit in Kindertageseinrichtungen, von ihrem Alltag als Mutter und aus Sicht der Kommunalpolitik: „Wenn es um den Kitaausbau geht, gibt es direkte Berührungspunkte mit der Bundespolitik“, sagt sie. Aus der direkten persönlichen Erfahrung stammt auch das Bedürfnis, in der Gesundheitspolitik etwas zu verändern: „Die Unterversorgung mit Hebammen geht uns alle an. Da muss dringend ein politischer Rahmen geschaffen werden, damit Hebammen ihren Beruf ausüben können und nicht an überteuerten Haftpflichtversicherungen scheitern.“

Grünen-Plan: Dieselausstieg bis zum Jahr 2030

Und auch das ureigene Thema der Grünen, der Klimaschutz, liegt ihr am Herzen: „Ich durfte wegen Tschernobyl nicht draußen spielen, meine erste Tochter ist im Jahr der Katastrophe von Fukushima geboren. Gut, dass Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat“, sagt Andrea Sieber, für die es gerade als Christin ein Gebot ist, die Schöpfung zu bewahren. Aktuell zeige der Dieselskandal, dass ein „Weiter-so“ nicht möglich sei. „Da bin ich sehr froh, dass die Grünen mit dem Dieselausstieg bis ins Jahr 2030 einen Plan haben.“ Die nächste Regierung müsse auf jeden Fall einen entsprechenden Rahmenplan verabschieden. „Ich denke, dass unsere Generation jetzt in einigen Bereichen die Weichen stellen muss. Da warten einige Herkulesaufgaben“, sagt Andrea Sieber, die gerne Lösungen mitentwickeln würde. „Ich bin dankbar dafür, wie ich leben darf und möchte gerne etwas zurückgeben.“