Die Stuttgart-Berliner Postpunk-Band Kaufmann Frust spielt im Merlin ihr neues Album, das außer ihnen noch niemand kennt. Lohnt es sich?

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Nein, Kaufmann Frust machen es sich nicht leicht. Dreieinhalb Jahre sind seit ihrem letzten Auftritt vergangen, Corona trägt ausnahmsweise nur teilweise die Schuld daran. Damals präsentierte das in Berlin und Stuttgart heimische Quartett sein Album „Aus Wachs“. Beim Pop-Freaks-Auftritt am Samstag im Merlin ist schon das nächste angekündigt, „Im Blau“ soll es heißen und im April erscheinen. Gehört hat es noch (fast) keiner im Publikum, an diesem Abend ändert sich das.

Kaufmann Frust treten nur auf die Bühne, wenn sie etwas Neues zu sagen oder spielen haben. Deshalb spielen sie „Im Blau“ im Merlin erstmals live. Rein musikalisch ist das alles andere als unerhört, für Kaufmann Frust aber etwas Neues. Es tut sich mehr in den Songs als früher, die dynamischen Kontraste sind nicht mehr so brutal.

Band mit drei Sängern

Der Schlagzeuger Jan Breier treibt die Songs etwas stärker an, Oliver Hauber gibt ihnen ein recht elastisches Fundament und wer genau hinhört, entdeckt bei Matthias Fugels und Florian Steppers Gitarrenspiel auch das eine oder andere Melodiefragment. Mitsingrefrains sind weiterhin nicht das Ding der Band mit den drei Sängern.

Die Musik wirkt neu, weil sich die Welt in den letzten dreieinhalb Jahren verändert hat. Pandemie und Ukrainekrieg sind für alle einschneidend, für eine Band mit recht einfühlsamen Songtexten besonders. Dass der Krieg explizit seinen Weg in die Lyrics findet, verwundert nicht, ist aber trotzdem ein starker Moment dieses Konzerts respektive Albums.

Kaufmann Frust machen es auch ihrem Publikum nicht leicht. Das hört die meisten Songs zum allerersten Mal, und diese Band macht ja wirklich keinen supereingängigen Discopop. Die Schwere der Welt transportiert der Abend trotzdem oder gerade deswegen ganz hervorragend.

Es bleibt also kompliziert. Kaufmann Frust sind und bleiben eine Liebhaberband für Menschen, die samstagabends nicht den Rest der Woche vergessen wollen. In Stuttgart hat sie viele Liebhaber.