Die Fischerwerke und andere Mittelständler mieten sich im Heilbronner KI-Park Ipai ein – Dieser will ein europaweiter Leuchtturm sein – Auch die LBBW will ein Büro einrichten.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Der Heilbronner KI-Park Ipai ist inzwischen zumindest unter Experten auch über Deutschland hinaus bekannt. Die Unternehmen, die sich dort niedergelassen haben, stammen aber noch ganz überwiegend aus der näheren Umgebung. Konzerne wie Würth aus Künzelsau oder Audi aus Neckarsulm haben sich im Innovation Park Artificial Intelligenz (Ipai) bereits eingemietet. Doch auch anderen ist der Weg nicht zu weit. Die Fischerwerke aus Waldachtal bei Freudenstadt sind seit Januar Mitglied im Ipai und nutzen dort einen Raum, in dem sie mit anderen zusammenarbeiten können. „Mit dem Ipai entsteht das relevanteste Ökosystem für angewandte Künstliche Intelligenz in Europa“, sagt Matthias Schneider, Geschäftsführer Digital Services und IT bei dem für seine Dübel bekannten Unternehmen (Umsatz 2023 rund 1,16 Milliarden Euro).

 

„Als Mitglied im Ipai wollen wir die Forschung zur Anwendung von KI, Robotik und Digitalisierung im Bauwesen weiter voranbringen“, erklärt Schneider zum Engagement der Schwarzwälder in Heilbronn. Wird im Juni der eigene Neubau des Ipai fertig, könnte dort auch an dem Bauroboter „Baubot“ weiter getüftelt werden. Dieser hat schon jetzt in Tunnels und bei Brücken Löcher gebohrt und kann sich durch ein 3D-Modell einer Baustelle autonom bewegen. Zur Zeit wird er allerdings noch von einem Menschen überwacht. Rein virtuelle Treffen hält Schneider nicht für ausreichend: „Der persönliche Austausch mit den Ipai-Mitgliedern inspiriert uns“.

Der persönliche Kontakt ist nötig

Damit ist er sich einig mit Moritz Gräter, dem Geschäftsführer des Ipai: „Rein virtuelle Räume reichen nicht aus, wichtig ist der persönliche Kontakt“, sagt der gebürtige Tübinger. Bis jetzt hat man in einem bereits existierenden Gebäude zwei Stockwerke angemietet, bis Juni soll ein eigenes Gebäude mit einem „Reallabor“ fertig werden, in dem man auch an Autos ohne Probleme KI testen kann. Noch Größeres soll vom kommenden Jahr an entstehen: Ein Campus, dessen erste Gebäude 2027 bezogen werden sollen. Irgendwann, so das Ziel, sollen bis zu 5000 Arbeitsplätze entstehen.

Schunk: KI gibt Automatisierung Schub

Auch Mittelständler aus der Nähe lockt der Ipai: „Für uns als Maschinenbau- und Technologieunternehmen ist KI extrem wichtig“, meint Timo Gessmann, Mitglied der Geschäftsführung bei Greiferhersteller Schunk in Lauffen am Neckar. (Umsatz etwas mehr als 540 Millionen Euro in 2022). Das Unternehmen, das die Hände von Robotern fertigt, hat schon im Mai 2023 verschiedene Büros bezogen. In einem steht ein kleiner Roboter, der etwa eine Batteriezelle greifen kann. Auch für Gessmann sind persönliche Treffen der KI-Akteure unverzichtbar. Sein Roboter ist dank KI flexibel, kann heute eine Batteriezelle greifen, morgen ein medizinisches Teströhrchen, ohne dass er umprogrammiert werden muss. „Das bringt die Automatisierung in allen Bereichen und Branchen gewaltig voran“, meint Gessmann.

EBM-Papst will im Sommer einziehen

Im Sommer will auch der Ventilatorenhersteller EBM-Papst (Umsatz 2,5 Milliarden Euro) aus dem hohenlohischen Mulfingen ein Büro im Ipai beziehen. „Man braucht ganz eindeutig den persönlichen Kontakt“, findet KI-Chef Roland Sauer. „Im Tübinger Cyber Valley wird Grundlagenforschung gemacht, wir brauchen aber die angewandte Forschung“, fügt Daniel Boese, Mitglied der erweiterten Geschäftsführung.

KI soll beispielsweise helfen, vorauszusagen, wann ein Ventilator in einer Windkraftanlage ausgetauscht werden muss. „Der Ipai soll der leuchtende KI-Stern in Europa werden. Da wollen und werden wir dabei sein“, sagt Boese. Auch Konkurrent Ziehl-Abegg (Umsatz 2023 rund 955 Millionen Euro) aus Künzelsau überlegt ein Engagement: „Es ist sinnvoll, wenn wir im Ipai Flagge zeigen“, meint der Vorstandsvorsitzende Marc Wucherer. Zudem hat das Unternehmen einen KI-Award ausgelobt. Doch nicht nur Industrieunternehmen lockt der Ipai: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist schon Mitglied im Ipai und kauft Produkte oder Dienstleistungen von Startups. Noch aber gibt es dort kein eigenes Büro. Doch sobald das erste eigene Gebäude des Ipai fertig ist, will die LBBW nach den Worten von Dominik Schütz, Leiter des Innovation Lab der LBBW, die Möglichkeit prüfen, sich dort einzumieten. Dies könnte dann im Juni der Fall sein. Interessant ist der Ipai für die Landesbank auch wegen der Arbeit an eigenen Sprachmodellen. Auch der Sprachmodell-Pionier Aleph Alpha aus Heidelberg will später einmal ein Büro im Heilbronner KI-Park beziehen. Angeklopft hat auch schon das regionale Handwerk. „Wir bauen mit dem Ipai einen europäischen Leuchtturm auf und wollen mit anderen baden-württembergischen Regionen kooperieren“, sagt Gräter.

LBBW will mit Sprachmodellen mitmischen