Kinokritik: „Boston“ Bomben beim Marathon

Der Polizist Tommy Saunders (Mark Wahlberg) sucht die Bombenleger von Boston Foto: Studiocanal 20 Bilder
Der Polizist Tommy Saunders (Mark Wahlberg) sucht die Bombenleger von Boston Foto: Studiocanal

Mit viel Akribie erzählt der im Kino neu gestartete Thriller von Regisseur Peter Berg die Geschichte der Anschläge auf den Boston-Marathon 2013. Mark Wahlberg spielt einen Polizisten, der die Attentäter jagt.

Stuttgart - Vor knapp vier Jahren, am 15. April 2013, töteten zwei Sprengsätze im Zielbereich des Boston-Marathons drei Menschen und verwundeten fast 200. Als Täter waren bald die aus Tschetschenien stammenden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew identifiziert. Die Jagd auf sie, an deren Ende der eine tot, der andere gefasst war, legte die Großstadt an der Ostküste fast komplett lahm.

Der Regisseur Peter Berg („Battleship“, „Lone Survivor“) verarbeitet die Geschichte in mehreren Handlungssträngen – aus Sicht der Ermittler, der Opfer und der Täter. Dabei hält er sich weitgehend an die realen Ereignisse, die auch ohne jede Dramatisierung Stoff für einen Thriller bieten. Freiheit erlaubt er sich vor allem bei seiner Hauptfigur, dem fiktiven Polizisten Tommy Saunders (Mark Wahlberg) – ein gescheiterter Cop, der Probleme mit Autoritäten hat, bei der Suche nach den Tätern aber über sich hinauswächst. Am Ende ist er mit sich, seiner Frau und der Stadt versöhnt, so wie auch in Boston auf das Trauma des Anschlags ein Schulterschluss der ganzen Stadt gefolgt ist.

Bürger, die dem Terror trotzen

Im Original heißt der Film „Patriots’ Day“, zum einen, weil der Marathon am gleichnamigen Feiertag stattfand, zum anderen, weil „Boston“ einfach ein patriotischer Film sein will. Aber der Regisseur liefert keinen penetrant dröhnenden Bombast-Patriotismus ab. Berg erzählt die Ereignisse dicht und spannend, aber auch erfreulich nüchtern, bisweilen fast dokumentarisch. Er will dabei freilich auch Helden zeigen und den entschlossen dem Terror entgegentretenden Bürgern von Boston Respekt zollen.

Und hier beginnt das Problem: Jenseits der trotzigen Selbstbehauptung lässt „Boston“ wenig Zwischentöne zu. Der Film thematisiert beispielsweise nicht, dass der Aufruf der Polizei, per Social Media Informationen zu liefern, auch zur schwer kontrollierbaren Hatz auf Unschuldige geführt hat. Und er beschäftigt sich nicht mit den Hintergründen der Attentäter, den Umständen, die sie zu Terroristen haben werden lassen. So bleiben die Zarnajew-Brüder eine Blackbox, gefährliche Fremde, die trotz teilweise adaptierter amerikanischer Lebensführung diese Gesellschaft zu hassen scheinen.

Warum genau, erfährt man nicht, was wiederum Wasser auf die Mühlen rechter Propagandisten ist, die den Kampf gegen islamistischen Terror zum allumfassenden, entgrenzten Krieg erklären, der schon vor der Haustür anfängt. Genau diese Haltung braucht man angesichts von Trump momentan weniger denn je.

Sehen Sie hier den Trailer zu „Boston“:

Boston. USA 2016. Regie: Peter Berg. Mit Mark Wahlberg, Michaelle Monaghan, John Goodman. 129 Minuten. Ab 12 Jahren.




Unsere Empfehlung für Sie