Kirchheim Eine Schülerzeitung macht Schlagzeilen

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Die Zeitung „Carpe Diem“ der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule ist bei einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet worden. Die Redaktion der Berufsschüler kam auf den dritten Platz.

Der scheidende Redakteur Nikolai Keller präsentiert das preisgekrönte Heft. Foto: Ines Rudel
Der scheidende Redakteur Nikolai Keller präsentiert das preisgekrönte Heft. Foto: Ines Rudel

Kirchheim - Mobbing an Schulen ist ein Riesenthema. Für gewöhnlich berichten darüber Opfer aus ihrer Perspektive. Was aber in einem Täter vorgeht, bleibt meistens ausgeblendet. Die Schülerzeitung „Carpe Diem“ der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim aber nimmt genau diese andere Sichtweise ein. „Die Gedanken eines Mobbers – wenn man langsam merkt, dass das, was man getan hat, nichts Gutes war“ lautet der Titel eines Beitrags in der Ausgabe Nummer 25, der die Jury bei dem vom Verband ­Jugendpresse Deutschland ausgelobten Wettbewerb der besten Schülerzeitungen überzeugt hat. In der Kategorie Berufliche Schulen ist die Redaktion jetzt mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden.

Ein Mobber schildert seine Gewissensbisse und zeigt Reue

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen die Gewissensbisse, die einen Mobber plagen können. „Ich glaube, heute habe ich echt Mist gebaut. Sie hat geweint. Wegen mir. Und anderen. Aber hauptsächlich wegen mir“, schreibt der Mobber aus der Ich-Perspektive heraus. Geschubst und beschimpft habe ich sie, ich nannte sie eine ,fette, stinkende Kuh, die sich bitte möglichst tief im Erdreich vergraben solle‘.“ Letztlich entschließt sich der Mobber, auf das Opfer zuzugehen. „Ich werde zu ihr gehen und mich entschuldigen. Ich kämpfe nicht für, sondern gegen dieses schreckliche Fertigmachen der Leute“, so endet dieser bemerkenswerte „Carpe Diem“-Beitrag.

Gefallen hat der Jury unter anderem auch das Layout und der politische Teil der Ausgabe. Unter anderem enthält das während des Schuljahrs 2016/2017 entstandene, rund 70 Seiten starke Heft Wahlprüfsteine für die vergangene Bundestagswahl. Patriotismus in Deutschland, die ­Folgen des Brexits und die Zukunft der Europäischen Union sind weitere brennende Themen, welche die Redaktion in den Fokus gerückt hat. Die Vielfalt ist groß. So bietet die Publikation beispielsweise auch einen „Menü-Plan für eine ausge­wogene Ernährung in der Schulzeit“. Weiter schlägt die Jubiläumsausgabe einen ­Bogen zu 25 Jahren Zeitgeschichte. Die Redakteure nehmen die Leser mit zurück in das Jahr 1992, als die Band Nirvana mit ihrem Hit „Smells like Teen Spirit“ das ­Lebensgefühl einer jungen Generation ­ausdrückten.

Redaktion klagt über Nachwuchssorgen

Nikolai Keller ist 19, er hat jetzt das Abitur am Wirtschaftsgymnasium abgelegt und zwei Jahre lang bei „Carpe Diem“ mitgewirkt. Ihm hat das Recherchieren und Schreiben persönlich viel gebracht, berichtet er. Der Köngener peilt jetzt ein Studium der Politikwissenschaft an, nebenher will er dem Journalismus treu bleiben, beispielsweise durch freie Mitarbeit bei einer Tageszeitung oder einem Radiosender.

Die Ausgabe Nummer 26 von „Carpe Diem“ ist zum Ende des vergangenen Schuljahres erschienen und enthält wie die ausgezeichnete Jubiläumsausgabe wiederum einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Mix. Doch sei die Bereitschaft der Schüler zur Mitarbeit bei der Zeitung zuletzt ebenso geschwunden wie das Kaufinteresse. „Die Printausgabe wird nicht mehr so gut angenommen“, sagt Nikolai Keller über den Trend hin zu Online. Umso mehr hofft er, dass der jetzt erzielte Erfolg der Schülerzeitung „Carpe Diem“ neuen Rückenwind verleiht und die Aus­gabe Nummer 27 wie geplant erscheint.




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