Kochaktion mit Frank Oehler Ein Schälchen Reis vom Sternekoch

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Was ist drin in einer Schale Reis, wie sie in vielen Ländern Grundnahrungsmittel ist? Bei einer Kochaktion sind Kaufhauskunden in Stuttgart mit dem „verborgenen Hunger“ konfrontiert worden.

Frank Oehler (rechts) und Christian Steuber kochen für einen guten Zweck. Foto: Heinz Heiss
Frank Oehler (rechts) und Christian Steuber kochen für einen guten Zweck. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Das zieht: Für 1,50 Euro gibt es in der Gourmetabteilung von Galeria Kaufhof ein Schälchen Reis vom Sternekoch Frank Oehler. Nun ja, streng genommen ist es eine halbe Kinderportion. Bei der Kaufhauskundschaft kommt das an: „Das reicht mir – mehr kann ich gar nicht essen“, meint eine Dame. Und eine andere lobt: „Das schmeckt, ist gut gewürzt. Was ist denn da drin?, fragt sie den Maître der Hohenheimer Speisemeisterei. Tja, und der räumt ein, neben Reis und ein paar Erbsen seien es nur ein paar Gewürze: „Wir haben auf alles verzichtet, was nahrhaft ist“, sagt Oehler. Und das mit Absicht. Denn mit der Kochaktion wollen er, der Küchenmeister Christian Steuber vom Caterer Eurest und der Hohenheimer Ernährungsmediziner Hans Konrad Biesalski auf das Problem der Mangelernährung aufmerksam machen – insbesondere auf den „verborgenen Hunger“.

Auf Dauer ein Gesundheitsrisiko

Reis macht zwar satt, enthält aber kaum Nährstoffe. „Für den deutschen Durchschnittsbürger, der sich vielseitig ernährt, fallen die Mängel bei einer Mahlzeit nicht ins Gewicht“, sagt Biesalski. Für arme Kinder und Menschen in Entwicklungsländern, die täglich nur ein Reisgericht bekämen, bedeute dies auf Dauer ein Gesundheitsrisiko. In Indien gebe es viele Dörfer, in denen Kinder und ihre Mütter blind würden und für die bereits eine Erkältung lebensbedrohlich sei, weil ihnen wichtige Nährstoffe fehlten. Die Einnahmen der Kochaktion sollen einem Kindernothilfe-Projekt in Indien zugute kommen.

Doch auch in Deutschland gebe es den „verborgenen Hunger“. Betroffen seien vor allem Kinder von alleinerziehenden Frauen, die von Hartz IV leben, sowie alte Menschen, berichtet Biesalski. Zahlen konnte er jedoch nicht nennen. An die Hartz-Familien sei nur schwer heranzukommen. Deshalb fordert er, dass es, wie in Skandinavien, in Kitas und Schulen kostenloses, gesundes Essen für alle geben müsse. Die Herdprämie für Mütter, die ihre Kinder nicht in die Kita schickten, sei das falsche Signal – insbesondere für arme Mütter. „Auch Ernährungsbildung gehört in die Grundschulen – einschließlich Kochkurse“, fordert der Ernährungsmediziner. Es sei eine Schande, wenn sich Kinder, wie etwa in Berlin bekannt wurde, dauerhaft von Tortenböden ernährten, weil dies gut schmecke und nur 99 Cent koste. Der Hartz-IV-Höchstsatz von 3,22 Euro für die Ernährung eines Kindes pro Tag reiche für eine gesunde Ernährung nicht aus.

Risikofaktor Mangelernährung

Zudem müssten die Kinderärzte stärker für das Thema Mangelernährung sensibilisiert werden. Denn besonders stark wirke sich dies bei den unter Dreijährigen aus. Und es sei messbar: „Ein zu geringes Längenwachstum ist ein Zeichen für Mangelernährung“, so Biesalski. Auch Oehler will mit der Aktion ein Signal setzen – „reingrätschen mit ner guten Geschichte“, sagt er. Der Spitzenkoch will „ein Bewusstsein schaffen, dass wir nicht die einzigen sind auf diesem schönen Planeten. Es gibt diese Armut, auch hier, aber das will niemand sehen“, so Oehler. Für ihn ist es nicht das erste Mal, dass er mit den Ernährungsforschern zusammenarbeitet, schließlich kocht er ja auf dem Hohenheimer Campus – dort allerdings für eine andere Klientel.




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