Kochenmühle in Leinfelden-Echterdingen Warum man dort früher auf Regen gehofft hat

Von Fatma Tetik 

Wer heute einen Ausflug in die Kochenmühle im idyllischen Siebenmühlental unternimmt, weiß vermutlich nichts über die Geschichte des Gebäudes. Wo heute deftige Gerichte auf den Tisch gestellt werden, haben die Müller einst vor allem auf eines gehofft: auf Regen.

So sah die Kochenmühle vor hundert Jahren aus. Foto: Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen
So sah die Kochenmühle vor hundert Jahren aus. Foto: Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen

Stetten - Auf einer Länge von etwa zehn Kilometern befinden sich entlang des Reichenbachs elf geschichtsträchtige Mühlen im idyllischen Siebenmühlental. Eine von ihnen ist die Kochenmühle in Stetten. Sie ist die letzte Mühle auf Leinfelden-Echterdinger Markung. Jahrhundertelang wurde dort Getreide zu Mehl gemahlen, inzwischen ist der ursprüngliche Zweck der Mühle am rauschenden Bach eher in Vergessenheit geraten.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kochenmühle 1451 als Besitz der Brüder Hans und Heinrich Irrer. Das Mühlengebäude wurde laut Überlieferungen um das Jahr 1600 errichtet und ist das wohl älteste, noch erhaltene Gebäude in Stetten.

1933 klapperte die Mühle zum letzten Mal

In den folgenden Jahren wechselte die Mühle mehrmals den Besitzer. 1720 wurde sie an Hans Georg Koch aus Kirchheim verkauft. Seither trägt sie den Namen Kochenmühle. 1836 wurde sie geteilt und hatte fortan zwei Besitzer. Die beiden letzten Müller, Gottfried Koch und Jakob Hörz, wechselten sich wöchentlich beim Mahlen ab. Beide gaben Anfang der 1930er Jahre den Mahlbetrieb schließlich auf. Zum letzten Mal klapperte die Mühle 1933. Der Anbau, in dem sich das Mühlrad befand, wurde 1938 abgerissen. „Das alte Mühlrad wurde entfernt und zu Brennholz verarbeitet“, berichtet Albrecht Koch. Der Stettener engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Stadtarchiv und im Stadtmuseum. Seine Vorfahren sind zudem die einstigen Besitzer der Kochenmühle.

Albrecht Kochs Großmutter wurde einst in dem historischen Bauwerk geboren, das seit 1979 als Kulturdenkmal ausgewiesen ist. Koch kann sich noch gut an die vielen Mühlengeschichten seiner Großmutter Friedericke Koch erinnern. Anhand der vielen Erzählungen seiner Vorfahren hat Koch eine Mühlenchronik erstellt.

Einmal wurde fast ein Säugling weggeschwemmt

„Das Mahlgeschäft lief nur gut, wenn es genügend regnete und der Bach genug Wasser führte.“ Im Jahr 1906 habe es wochenlang so stark geregnet, dass der Bach gefährlich angeschwollen sei. „Enten, Gänse und Hühner wurden vor die Tür geschwemmt, das Wasser drang in die Stube ein und hätte dort fast meinen Onkel Richard Koch weggeschwemmt, der als Neugeborener in seinem Bettchen lag“, berichtet Albrecht Koch.

Albrecht Koch Foto: Fatma Tetik

Als Kind spazierte er jeden Sonntag gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern zur Mühle. „Da gab es Most für die Erwachsenen und Gsälzbrot für die Kinder“, erinnert sich der 77-Jährige. Damals gab es noch kein elektrisches Licht in der Mühle. „Über dem Esstisch hing eine Petroleumlampe, die mit ihrem warmen, angenehmen Licht die dunkle Stube erhellte“, so Koch. Erst 1956 erhielt das Gebäude elektrischen Strom. Heute wird in der historischen Mühle geschlemmt. Seit 1995 bietet Hermann Müllerbader in seinem urigen Mühlenstüble mit Biergarten deftige Gerichte an. Müllerbader ist ein Großneffe Albrecht Kochs. Bis vor einigen Jahren ist das heimelige Stübchen ein Geheimtipp gewesen. Mittlerweile kommen regelmäßig Touristen in die Kochenmühle.

Das historische Ensemble ist sanierungsbedürftig

Damit könnte jedoch bald Schluss sein, denn Teile des Mühlenensembles sind sanierungsbedürftig. Da es unter Denkmalschutz steht, gestaltet sich ein Umbau schwierig für den Eigentümer. „Das ist ein Millionenprojekt, das man nicht ohne fachliche und finanzielle Unterstützung stemmen kann“, urteilt Albrecht Koch. Sein Großneffe sei gewillt, die Mühle zu erhalten, werde aber in seinem Bestreben alleine gelassen. „Man hat den Eindruck, dass die geschichtsträchtigen Gebäude sowohl für die Denkmalschutzbehörde als auch für die Stadt lästig sind“, sagt Koch. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.filder-zwoelf-routen-fuehren-durch-das-wunderschoene-siebenmuehlental.e3e4e048-e75d-4219-a644-a9c2dbcbc7bb.html




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