Kolumne zur Fußball-WM 2018 Wenn Stars durch die Hintertür gehen

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Ronaldo, Messi, Neymar – dieses Turnier kam am Ende gut ohne die großen Namen aus. Die WM-Abschluss-Kolumne von Peter Stolterfoht.

Dieses Trikot wird sich im süditalienischen Melfi nicht ganz so gut verkaufen. Foto: imago
Dieses Trikot wird sich im süditalienischen Melfi nicht ganz so gut verkaufen. Foto: imago

Stuttgart - Melfi? Melfi, Melfi, Melfi. Woher kommt einem dieser Name bloß bekannt vor? Noch einmal scharf nachdenken. Genau. Jennifer Melfi. Serienfreunde erinnern sich. So heißt die Psychiaterin aus „Die Sopranos“. Melfi, das haben Fußballfreunde jetzt erfahren, ist aber auch der Name einer kleinen Stadt in Süditalien, die auf halbem Weg zwischen Neapel und Bari liegt. Dort werden in einem großen Fiat-Werk der Punto und der 500 X hergestellt. Zwischen dem 15. und 17. Juli soll hier aber gar nichts vom Band rollen. Die Gewerkschaft USB hat in dieser Zeit zum Streik aufgerufen – wegen Ronaldo.

Es geht dabei um die Ablösesumme, die Juventus Turin für den Wechsel Ronaldos an Real Madrid zahlen muss. Von den fälligen 112 Millionen Euro sollen 30 aus dem Hause Agnelli kommen, das sowohl bei Fiat als auch beim italienischen Rekordmeister das Sagen hat. Die Arbeiter aus Melfi protestieren nun gegen diesen Transfer und fordern, mehr Geld in die Autoproduktion und in die Sicherung ihrer Arbeitsplätze zu investieren. Es ist im Moment davon auszugehen, dass sich das Juventus-Trikot mit „Ronaldo“ hinten drauf in Melfi nicht besonders gut verkaufen wird.

Andererseits, welches Star-Trikot geht nach dieser Weltmeisterschaft schon durch die Verkaufsraumdecke? Neben Ronaldo dürften auch die anderen große Namen gewisse Absatzprobleme haben. Lionel Messi ist auch durch diese WM wieder hauptsächlich nur teilnahmslos geschlichen. Und so wird sein fußballerisches Lebenswerk wohl nicht mehr mit dem wichtigsten aller Fußball-Titel ausgezeichnet. Messi wirkte auf dem Platz teilweise abgelenkt. Ängstlich schweifte sein Blick immer wieder Richtung Haupttribüne ab, dorthin wo Diego Maradona ganz seltsame Sachen veranstaltet hat. Mal schlief Argentiniens Fußball-Heiliger ein, dann tanzte er mit einem weiblichen nigerianischen Fan einen angedeuteten Tango, bevor er wütend auf die Brüstung stieg, auf alles und jeden schimpfte und dabei von zwei Helfern festgehalten werden musste. So will ich nicht enden, könnte sich Lionel Messi bei diesem Anblick gedacht haben und verließ die WM vorzeitig durch die Hintertür.

Eher unrund lief es auch für den dritten ganz großen Star bei dieser WM: Neymar. Aber das hat ja jeder selbst gesehen und muss hier nicht noch einmal thematisiert werden. Stattdessen spielten sich Harry Kane und die Finalgegner Luka Modric und Kylian Mbappé in den Mittelpunkt. Wobei Modric nicht auf die geschlossene Unterstützung bauen konnte. Ihm nehmen nicht wenige kroatische Fans seine Verwicklung in den Betrugsfall um einen Fußballpaten namens Zdravko Mamic übel. ttps://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kolumne-zur-fussball-wm-2018-kubistische-haeuserblocks.17269fc9-5a8d-40ab-a89e-f427c80d2360.html