Kommentar zum NSU-Rechtsterror Ein Machtwort ist überfällig

Die Familienangehörigen der NSU-Opfer warten auf die Aufklärung der Morde. Foto: dpa
Die Familienangehörigen der NSU-Opfer warten auf die Aufklärung der Morde. Foto: dpa

Die Kanzlerin hat ihr Wort gegeben, dass der Rechtsterror aufgeklärt wird. Mal sehen, was es wert ist, kommentiert Thomas Maron.

Berliner Büro: Thomas Maron (tm)

Berlin - Dieser Tage kann Angela Merkel beweisen, ob man ihrem Ehrenwort trauen kann. 2012, auf der Trauerfeier zum Gedenken an die zehn Mordopfer des NSU-Rechtsterrors, sagte sie zu den Angehörigen: „Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken.“ Wenn die Familienmitglieder jetzt allerdings wieder Neues vom V-Mann Corelli lesen, dann müssen die Worte der Kanzlerin wie Hohn in ihren Ohren klingen. Denn Corelli, 2014 verstorben, gilt als Schlüsselfigur, wenn es darum geht, eventuelle Verwicklungen des Verfassungsschutzes mit dem NSU aufzuklären.

Nun kann man Merkel nicht persönlich vorwerfen, bewusst schlampig die Tresore des V-Mann-Führers von Corelli gesichtet zu haben. Man kann ihr sicher auch nicht vorhalten, schuld daran zu sein, dass seine Handykarten verbaselt oder eine ihm zugeordnete CD mit der Aufschrift NSU angeblich versehentlich verschludert wurde. Aber sie kann endlich ein Machtwort sprechen. Denn entweder ist der Verfassungsschutz eine Behörde von Totalversagern, oder aber Öffentlichkeit und Angehörige werden seit Jahren für dumm verkauft. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass ­Wesentliches vertuscht werden soll. Das Gegenteil hat die Kanzlerin versprochen.




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