Konzert der Bachakademie Stuttgart Weihnachtsbotschaft mit Landesvater
Die Internationale Bachakademie hat ihr Weihnachtskonzert in der Liederhalle mit einemprominenten Gastredner geschmückt.
Die Internationale Bachakademie hat ihr Weihnachtskonzert in der Liederhalle mit einemprominenten Gastredner geschmückt.
Mit Bach das Leben begreifen? Klingt ein bisschen nach Ratgeber-Buchkultur, ist aber Motto des aktuellen „Vision.Bach“-Kantaten-Großprojekts der Internationalen Bachakademie Stuttgart, in das sich auch das diesjährige Weihnachtskonzert des Hauses eingliederte. Im Stuttgarter Beethovensaal spielte und sang die Gaechinger Cantorey in der Leitung ihres Chefs Hans-Christoph Rademann also jetzt Johann Sebastian Bachs weihnachtliche Kantaten BWV 61 und 62 „Nun komm der Heiden Heiland“ und „Christen, ätzet diesen Tag“ von 1714, außerdem sein Magnificat von 1723.
Special Guest zum Fest: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der vor dem Konzert eine kleine Einführung zu Bachs Magnificat gab: Musik auf Marias psalmartigen Lobgesang aus dem Lukasevangelium, der auch in der Weihnachtsliturgie verankert ist. Der baden-württembergische Landesvater hatte sich eine Antwort auf die Frage „Wie lese ich den Text als Politiker?“ zur Aufgabe gemacht. Im Mittelpunkt seiner Reflektionen: der Vers „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“.
Kurz, knapp, pointiert stellte Kretschmann der diktatorischen Willkürherrschaft die Errungenschaften der Demokratie gegenüber: In Diktaturen seien Machtwechsel immer der Ausnahmezustand, geschähen sie nur durch den Tod oder den Sturz des Machthabenden. In Demokratien dagegen seien friedliche Machtwechsel „normal“. Durch die Wahl seiner Repräsentanten regiere das Volk selbst. Ein Teil der Sehnsucht des Magnificats habe sich in der demokratischen Staatsform also schon erfüllt, nicht aber die Hoffnung, dass diese sich weltweit durchsetze und bliebe. Der Text des Magnificats bleibe also aktuell.
Im Konzert selbst blieb der zentrale Vers über die zu stürzenden Alleinherrscher, den Bach in eine stürmisch-koloraturenreiche Tenorarie gepackt hat, dann aber musikalisch nur blass beleuchtet. Zu klein die Stimme von Julian Habermann, um den Beethovensaal wirklich zu füllen. Die Unterschätzung der räumlichen Weiten vor Ort: Auch an diesem Abend war sie zumindest zeitweise ein Problem, auch wenn Tobias Berndt (Bass), Catalina Bertucci (Sopran) und Marie Henriette Reinhold (Alt) ihre Soli – trotz gezügelt wirkender Emotionen – mit angenehmem Timbre und genügend kraftvoll intonierten. Wenn sie nicht solo sangen, integrierten sie sich in den 22-stimmig besetzten Chor, was zwischen den Nummern zu arg gedehnten Unterbrechungen und zu Unruhe führte, da ja auf der weitläufigen Bühne oft die Plätze gewechselt werden mussten.
Vor allem die kraftvollen Chöre waren es dann, die den Abend trugen und weihnachtliche Gefühle evozierten. Vor allem natürlich die schönen Zusatzchöre wie „Vom Himmel hoch da komm ich her“, mit denen Bach sein Magnificat weihnachtsfesttauglich gemacht hat. Für den quicklebendigen, geschmeidigen, beredten Fluss und Zusammenhalt sorgte das inspiriert aufspielende Ensemble auf historischen Instrumenten, das zudem durch ausnehmend schöne Soli betörte, allen voran der Oboist Andreas Helm.