Korntal-Münchingen Ein Leben ohne Milch und Honig

Von Franziska Meißner 

Gabriele Lendle schreibt vegane Kochbücher. Einst waren es gesundheitliche Gründe, die dazu geführt haben, dass sie ihre Ernährung umgestellt hat. Heute sind ihr ethische Motive ebenso wichtig.

Gabriele Lendle freut sich an ihrem Garten in Korntal. Viele Zutaten ihrer Speisen gedeihen hier. Foto: factum/Weise
Gabriele Lendle freut sich an ihrem Garten in Korntal. Viele Zutaten ihrer Speisen gedeihen hier. Foto: factum/Weise

Korntal-Münchingen - Das Vorurteil, Veganer erkenne man an ihrer fahl-blassen Gesichtsfarbe, hielt sich noch vor einigen Jahren hartnäckig. Wer auf Eier, Milch oder Butter verzichte, hieß es vielerorts, setze seine Gesundheit aufs Spiel. Mittlerweile liegt es im Trend, nicht nur aus ethischen Gründen auf tierische Produkte zu verzichten, sondern gerade, weil einem die eigene Gesundheit wichtig ist. Auch bei Gabriele Lendle stand das im Vordergrund, als sie vor 15 Jahren anfing, sich vegetarisch zu ernähren. Seit fünf Jahren lebt die Korntalerin vegan. Heute ist sie davon überzeugt – und hat sich einen Namen als Autorin von veganen Kochbüchern gemacht.

Als sie im Jahr 2000 an Rheuma erkrankte, begann bei Gabriele Lendle ein Umdenken. „Kortison wolle ich nicht nehmen“, sagt die zierliche Frau mit den kurzen blonden Haaren. Eine Ärztin riet ihr, auf Fleisch zu verzichten. „Mir ging es viel besser“, sagt Lendle. Vor fünf Jahren war es ein Gichtanfall, der Lendle ihre Ernährung abermals überdenken ließ. „Von da an habe ich mich vegan ernährt, von heute auf morgen.“

„Am Anfang fiel es mir schwer“

Den Tipp, es einen Monat lang ohne tierische Produkte zu versuchen, bekam sie von Rüdiger Dahlke. Den Arzt und Autoren, der durch esoterische Herangehensweisen etwa bei Krebsbehandlungen nicht unumstritten ist, hatte sie bei einem Seminar kennengelernt. „Ich habe schon immer sehr gerne gekocht, aber am Anfang fiel es mir schwer, vor allem beim Käse“, sagt Lendle über die Umstellung. Weil sie sich aber „super wohl“ fühlte, ist sie dabei geblieben – und heute von ihren gesundheitlichen Beschwerden befreit.

Dass es heißt, Veganismus sei eine Mangelernährung, nervt Lendle. „Wer viel Fleisch, Fisch und Weißmehl isst, der isst ungesund. Wenn so jemand dann einfach nur vegan wird, ist das ungesund, klar.“ Lendle ist ein Mensch, dem eine gesunde Ernährung sehr wichtig ist. Sie mahlt ihr Mehl selbst – wegen der Nährstoffe –, achtet darauf, nicht allzu viel Fett zu sich zu nehmen und hat Zucker aus ihrem Leben weitgehend verbannt. Sie kocht saisonal und oft regional – viele Zutaten, die bei Gabriele Lendle in der Pfanne landen, wachsen in ihrem Garten hinter dem Haus in Korntal, in dem sie mit ihrem Mann lebt. Rote Bete, Radieschen, Salat und Johannisbeeren gedeihen dort, Tomatenstauden und ein Kirschbaum. „Ursprünglich vegan wurde ich aus gesundheitlichen Gründen“, sagt Lendle. „Heute ist das mindestens ebenso stark ethisch motiviert.“

Vieles, was sie über die Haltung von Tieren wisse, sei ihr lange nicht bewusst gewesen, „auch als Vegetarier nicht“. „Fakt ist: man muss keine tierischen Produkte essen, man braucht sie nicht um sich gesund zu ernähren.“ Heute ist sie resolut in ihren Moralvorstellungen: „Tiere kann man nicht essen. Fertig.“




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